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So sieht die Bulcão Farm heute aus. So sieht die Bulcão Farm heute aus.Bild: instituto terra

Ein Paar in Brasilien pflanzte 20 Jahre lang Bäume – und lebt jetzt in einem Wald

Sarah Serafini / watson.ch

Es ist eines der größten Aufforstungsprojekte der Welt: Das Ehepaar Salgado pflanzte in 20 Jahren einen 68 Quadratkilometer großen Wald. Sie haben bewiesen, dass der Klimawandel nicht nur gestoppt, sondern auch umgekehrt werden kann.

Anfang der 90er-Jahre wurde der brasilianische Fotografjournalist Sebastião Ribeiro Salgado nach Ruanda geschickt, um über den schrecklichen Völkermord zu berichten. Das vor Ort Erlebte traumatisierte ihn schwer. 1994 kehrte Salgado in seine Heimat zurück. Er hoffte, sich zu Hause in Minas Gerais, wo er von einem üppigen Wald umgeben aufgewachsen war, Ruhe und Erholung zu finden.

Statt des Waldes aber fand er kilometerweit staubiges und karges Land vor. In wenigen Jahren fand in seiner Heimatstadt eine massive Abholzung statt. Sämtliche Pflanzen und Tiere waren verschwunden. Salgado war niedergeschmettert. In einem Interview mit der englischen Zeitung "The Guardian" sagte er: "Nur noch etwa 0,5 Prozent der Fläche war mit Bäumen bedeckt. Das Land war genauso krank wie ich. Alles war zerstört."

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So fand Salgado die Farm seiner Eltern 1994 bei seiner Rückkehr vor. Bild: instituto terra

Salgados Frau Lélia machte einen tollkühnen Vorschlag: Sie wollte den gesamten Wald neu pflanzen. Obwohl das Vorhaben unmöglich schien, unterstützte Salgado die Idee. Gemeinsam begab sich das Paar auf eine heldenhafte Mission.

Salgado kaufte die verlassene Viehzucht seiner Eltern und begann ein Netzwerk von Freiwilligen und Partnern aufzubauen, die bereit waren, das Mammutprojekt zu finanzieren und zu unterstützen. 1998 gründete das Paar das Instituto Terra – eine Organisation, die es sich zum Ziel setzte, den Wald wieder zum Leben zu erwecken.

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Das Ehepaar Salgado. Bild: instituto terra

Ein Jahr nach der Gründung der Organisation sähte das Ehepaar den ersten Samen. Zu Beginn waren es 24 Mitarbeiter, die fortan täglich neue Setzlinge pflanzten, invasives Unkraut entfernten, sich um die neuen Pflanzen kümmerten. Später wurde das Team von vielen Freiwilligen unterstützt.

Schon bald trug die harte Arbeit Früchte. Die in der Region heimischen tropischen Bäume begannen wieder zu blühen. Dank großzügiger Spenden konnte Salgado seine Arbeit unermüdlich fortsetzen. Gepflanzt wurden hauptsächlich lokale Baum- und Straucharten.

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Das karge Gebiet der Salgados im Jahr 2000. Bild: instituto terra

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Das Gebiet der Salgados im Jahr 2012 - ein drastischer Unterschied. Bild: instituto terra

Seit 1999 hat das Instituto Terra über 2 Millionen Setzlinge von 293 Baumarten gepflanzt. Entstanden ist ein 68 Quadratkilometer großer Tropenwald. Die biodiversitäts-reiche Zone wurde kürzlich zu einem privaten Naturschutzgebiet erklärt.

Die Bewaldung hat auch zur Bekämpfung von Bodenerosion geführt und natürliche Quellen in der Region wiederbelebt. Acht Wasserquellen, die einst ausgetrocknet waren, fließen heute wieder mit etwa 20 Litern pro Minute. Der Wald bewirkt auch, dass es in der Gegend mehr regnet und kühleres Wetter herrscht – eine drastische und willkommene Veränderung des Klimas.

Das Institut Terra

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Video: YouTube/InstitutoTerra

Der bisher wichtigste positive Aspekt des Waldes ist die Rückkehr der verlorenen Fauna. Über 172 Vogel-, 33 Säugetier- und 15 Amphibien- und Reptilienarten haben sich im Wald angesiedelt. Einige der Pflanzen und Tiere in Salgados Wald stehen gar auf der Liste der gefährdeten Arten.

Das Aufforstungsprojekt der Salgados gehört heute zu den größten Umweltinitiativen weltweit. Zwei Personen schafften es, in zwanzig Jahren einen 68 Quadratkilometer großen Wald zu pflanzen. Darum nehmen viele Umweltschützer das Beispiel der Eheleute Salgado um zu zeigen, dass der Klimawandel nicht nur gestoppt, sondern auch umgekehrt werden kann, wenn genug Initiative dafür aufgebracht wird.

Hinweis: Zunächst war im Artikel davon die Rede, der Wald sei nur 15.000 Quadratmeter groß. Das war falsch, wir haben die Angabe korrigiert.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bakelsman 23.04.2019 23:41
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass sich der Autor des Artikels bei der Angabe der Waldfläche einfach nur verschrieben/verrechnet hat: 15.000 Quadratmeter ist z.B. ein Rechteck von 150m x 100m (grob 3 Fußballfelder nebeneinander) - das dürfte wohl kaum als größtes Aufforstungsprojekt weltweit durchgehen, und dafür dürfte man wohl auch keine 20 Jahre und 24 Mitarbeiter benötigen, und es dürfte das örtliche Klima vermutlich auch nicht so drastisch beeinflussen. Ich denke die beiden haben eine viel größere Fläche geschaffen - zumindest auf den Fotos erscheint das deutlich größer als 100x150m...!
    Super, weiter so!
    • Leonhard Landes 24.04.2019 08:07
      Highlight Highlight @Bakelsman: Ja, die Größenangabe ist falsch. Wir haben die Angabe korrigiert und möchten uns für den Fehler entschuldigen. Danke für den Hinweis!

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