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Das sind 10 Restposten der Evolution – hast du alle?

Wir sind einen weiten Weg gegangen, seit vor mehr als 50 Millionen Jahren die Primaten entstanden. Aus den kleinen, vermutlich baumbewohnenden Säugern entstanden im Zuge der Evolution die heutigen Affen und damit auch wir Menschen (wir gehören zur Unterordnung der Trockennasenaffen). Einige körperliche Merkmale unserer Vorfahren haben wir allerdings beibehalten – obwohl wir sie gar nicht mehr gebrauchen. Hier sind zehn dieser biologischen Rudimente:

Ohrhöcker

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Bild: wikimedia

Manche Menschen haben am Aussenrand ihrer Ohrmuscheln einen Knorpelfortsatz, der – benannt nach Charles Darwin – Darwin-Ohrhöcker heisst. Darwin erkannte darin ein evolutionäres Überbleibsel einer früher spitzen Ohrform, wie sie viele Säugetiere aufweisen.

Muskeln der Ohrmuscheln

Australia's Nick Kyrgios puts his finger to his ear as he interacts with the crowd during his Mexican Tennis Open semifinal match against John Isner of the U.S. in Acapulco, Mexico, Friday, March 1, 2019. (AP Photo/Rebecca Blackwell)

Bild: AP

Bleiben wir noch beim Ohr: Die meisten Menschen können mangels Training ihre Ohren nicht willentlich bewegen, auch wenn es prinzipiell möglich wäre. Das liegt daran, dass wir diese Funktion nicht mehr benötigen – die Ohrmuskulatur (Musculi auriculares) ist ein evolutionäres Überbleibsel. Bei vielen Tieren hat die Bewegung der Ohren eine soziale Funktion, sie dient der Kommunikation. Manche nutzen die Ohren auch als eine Art Richtantenne, mit der sie die Herkunft eines Geräuschs besser orten können. Daneben gibt es noch weitere praktische Einsatzmöglichkeiten – so fächeln Elefanten mit ihren großen Ohren, um sich abzukühlen.

Nickhaut

Im inneren Augenwinkel, also auf der Seite der Nase, besitzen wir ein weiteres evolutionäres Rudiment: die Nickhaut. Diese Bindehautfalte, die oft auch als "drittes Augenlid" bezeichnet wird, erfüllt bei uns – wie übrigens bei fast allen Primaten – keine Funktion mehr und ist verkümmert. Dies ist bei vielen Wirbeltieren anders, beispielsweise bei Vögeln oder Reptilien, aber auch bei manchen Säugetieren wie Katzen. Bei vielen Arten ist sie transparent und schützt die Hornhaut wie eine Brille vor mechanischen Einflüssen; sie kann auch wie eine Art Scheibenwischer eingesetzt werden, um Fremdkörper zu entfernen.

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Die Nickhaut bei einer Katze. Bild: imgur

Weisheitszähne

FILE- In this April 3, 2018, file photo, a dentist works on polishing and contouring the teeth of a patient at his dental office in Virginia Beach. Va. Roughly 1 in 4 Americans don’t have dental coverage, according to industry figures. Employers are by far the biggest provider of dental coverage in the U.S., accounting for nearly half of all enrollees, followed by the government’s Medicaid plan for low-income people. (Kristen Zeis/The Virginian-Pilot via AP, File)

Bild: The Virginian-Pilot

Eigentlich haben Menschen 32 Zähne. Unsere Vorfahren hatten sogar 44 – aber sie hatten auch deutlich größere Kiefer, die genügend Platz für die Kauwerkzeuge boten. Da die Menschheit aber seit langem über Techniken der Zerkleinerung und Zubereitung ihrer Nahrung verfügt, waren die vielen Backenzähne nicht mehr notwendig. Von den heute noch vorhandenen 32 Zähnen brechen zudem vier erst später – meist im Erwachsenenalter – durch das Zahnfleisch: die sogenannten Weisheitszähne oder dritten Molare. Oft fehlt aber der Platz für sie und sie müssen entfernt werden. Möglicherweise hat sich dieses Problem in moderner Zeit sogar verschärft, denn wegen der verbesserten Zahnhygiene verlieren wir nicht mehr schon früh Backenzähne. Früher schaffte der Zahnverlust Platz für die Nachzügler.

Langer Hohlhandmuskel

Gehörst du zu den 10 bis 15 Prozent der Menschen, die keinen langen Hohlhandmuskel (Musculus palmaris longus) mehr haben? Ein kleiner Test verrät es dir: Leg deinen Arm mit der Handinnenfläche nach oben auf den Tisch und berühre dann mit dem Daumen den kleinen Finger. Zugleich hebst du den Handrücken leicht an. Wenn sich knapp unterhalb des Handgelenks ein schmaler Strang hervorhebt, hast du den Palmaris longus. Andernfalls nicht. Wenn du keinen hast, ist das aber kein Nachteil für dich, denn wir verbringen unser Leben nicht mehr hauptsächlich mit dem Herumklettern in Bäumen. Wer diesen Muskel noch besitzt, trägt ein evolutionäres Rudiment mit sich herum.

Greifreflex

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Bild: wikimedia

Aus der fernen Vergangenheit, als unsere Vorfahren sich meistens auf vier Beinen fort bewegten, oft auf Bäume kletterten und noch über ein Fell verfügten, stammt ein weiteres Rudiment: der Greifreflex bei Babys. Wie der Name schon sagt, handelt es sich nicht um ein Organ, sondern um ein Verhalten. Für Affenbabys ist der Greifreflex überlebenswichtig; sie müssen sich im Fell der Mutter festkrallen, während die sich von Ast zu Ast hangelt oder auf dem Boden auf allen vieren fortbewegt. Beim Menschen ist das obsolet – wir besitzen kein Fell mehr und gehen überdies aufrecht, sodass wir einen Säugling im Arm tragen können. Der Greifreflex bildet sich bereits etwa in der 32. Schwangerschaftswoche heraus. Das entspricht dem Zeitpunkt, zu dem Bonoboweibchen ihren Nachwuchs zur Welt bringen; von da an muss dieser sich festhalten können.

A baby cap capuchin monkey is seen hanging to its mother at the zoo of the city of Limassol, Cyprus March 10, 2019. REUTERS/Yiannis Kourtoglou

Für Affenbabys ist der Greifreflex überlebenswichtig. Bild: ap

Körperbehaarung

Wie gerade erwähnt besitzen wir kein Fell mehr – dieser augenfällige Unterschied zu unseren nächsten Verwandten hat den britischen Ethnologen Desmond Morris dazu inspiriert, seinem berühmtesten Werk den Titel "Der nackte Affe" zu geben. Zwar sind wir nach wie vor behaart, aber dabei handelt es sich nur um den Rest eines einst stattlichen Haarkleids, das eine wichtige Funktion erfüllte. Wir haben es nicht mehr, weil der Verlust uns die Temperaturregelung durch Schwitzen ermöglicht – Schimpansen können das nicht.

In this November 2018 photo provided by Tobias Deschner, male chimpanzees of the Rekambo community groom one another in the Logano National Park in Gambia. A study released on Thursday, March 6, 2019 highlights the diversity of chimp behaviors within groups _ traditions that are at least in part learned socially, and transmitted from generation to generation. (Tobias Deschner/Loango Chimpanzee Project via AP)

Unsere nächsten Verwandten haben immer noch ein stattliches Fell. Bild: Loango Chimpanzee Project

Gänsehaut

Als Gaensehaut (landschaftlich: Huehnerhaut, Hinkelshaut, medizinisch: Piloerektion, lat cutis anserina) bezeichnet man das typische Bild von aufgerichteter Koerperbehaarung und kleiner Erhebungen der Hautoberflaeche vor allem an Armen und Beinen, das dem Anblick einer gerupften Gans aehnelt. Die Ursache fuer das Entstehen einer Gaensehaut beim Menschen ist bis heute nicht vollstaendig geklaert. *** Goose skin landscape chicken skin meniscus skin medical pilot erection lat cutis anserina is the typical picture of erect body hair and small elevations of the skin surface especially on arms and legs which resembles the sight of a plucked goose The cause for the development of goose skin in humans has not been completely clarified until today

Bild: imago stock&people

Mit dem Verlust des Fells wurde auch eine Funktion obsolet, die wir als "Gänsehaut" kennen. Bei Tieren, die ein Fell haben wie unsere Vorfahren, dient sie dazu, die Haare aufzurichten. Dies kann zwei verschiedenen Zwecken dienen: Zum einen schützt es vor Kälte, da auf diese Weise mehr Luft zwischen den Haaren gehalten wird, die eine isolierende Schicht bildet. Zum anderen erscheinen Tiere mit einem solcherart aufgerichteten Fell imposanter. Das kann potentielle Feinde oder Rivalen abschrecken. Auch wir besitzen die kleinen Muskeln (Musculi arrector pili) in den Haarbälgen der Haut noch, die das Haar aufrichten. Bei uns sind sie nutzlos geworden, weil unsere feinen Härchen weder vor Kälte schützen noch Feinde beeindrucken. Nach wie vor aber bekommen wir bei Kälte oder Angst eine Gänsehaut.

13. Rippenpaar

Normalerweise haben wir Menschen 12 Rippenpaare. Rund acht Prozent von uns besitzen aber wie Schimpansen oder Gorillas ein 13. Paar nach der untersten Rippe. Es hat keine Funktion. Sehr selten, bei weniger als einem Prozent aller Menschen, ist ein zusätzliches, rudimentäres Rippenpaar am 7. Halswirbel vorhanden. Halsrippen haben sich ansonsten bei den Säugetieren zurückgebildet und sind mit den Halswirbeln verschmolzen. Die stummelförmigen Halsrippen sind funktionslos und in aller Regel beschwerdefrei, selten können sie aber die Nerven des Armgeflechts oder die Blutzirkulation beeinträchtigen.

Männliche Brustwarzen

Welchem Zweck dienen die Brustwarzen beim Mann? Keinem. Streng genommen sind sie gar kein Rudiment, denn sie hatten beim männlichen Geschlecht ohnehin nie eine Funktion. Bei Männern sind die Brustwarzen ein Überbleibsel aus der Phase der fötalen Entwicklung. Wir alle fangen nämlich als Frau an – take that, male supremacists! Erst wenn das Sexualhormon Testosteron unter dem Einfluss des Y-Chromosoms seine Wirkung entfaltet, entwickelt sich der Fötus männlich weiter. Dann sind die Brustwarzen bereits angelegt. Männer können deshalb auch Brustkrebs bekommen. Die Brustwarzen entwickeln sich aus einer Milchleiste, aus der bei anderen Säugetieren Euter oder Zitzen hervorgehen. Beim Menschen bildet sie sich bis zur Geburt zurück – außer in wenigen Fällen, in denen zusätzliche Brustwarzen übrig bleiben. Sie werden meist aus kosmetischen Gründen entfernt.

Und was ist mit dem Blinddarm?

Früher betrachtete man auch den Wurmfortsatz des Blinddarms, die Gaumenmandeln und das Steißbein als evolutionäre Rudimente, die keinen Nutzen mehr haben.

• Wurmfortsatz

Appendix vermiformis oder Wurmfortsatz wird ein Anhängsel des Blinddarms genannt, das einst grösser war und vermutlich dem Aufschluss von schwer verdaulicher Nahrung diente. Da der Wurmfortsatz diese ursprüngliche Funktion verloren hat und sich oft entzündet, galt er früher als überflüssig. 2007 hat aber eine Studie nachgewiesen, dass dieses Anhängsel die Abwehr fremder Stoffe im Körper unterstützt und zudem nützlichen Bakterien der Darmflora eine Art Unterschlupf bietet. Wenn eine Erkrankung diese winzigen Helfer dezimiert, kann ihre Population sich aus diesem Speicher wieder regenerieren. Der Wurmfortsatz wird deshalb heute als Teil des Immunsystems gesehen und gehört zu den lymphatischen Organen.

• Mandeln

Auch die Gaumenmandeln oder Tonsillen gelten oft als überflüssig; früher wurden sie oft ohne Not entfernt. Aber auch die Mandeln, die den sogenannten lymphatischen Ring bilden, sind Teil des Immunsystems und dienen – besonders bei Kindern – der Abwehr von Krankheitserregern. In ihnen lernen weisse Blutkörperchen über die Nahrung aufgenommene Bakterien gewissermaßen kennen. Heute gilt eine Entfernung der Mandeln erst dann als angezeigt, wenn es immer wieder zu eitrigen Entzündungen kommt oder sich ein Abszess gebildet hat.

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Entzündete Mandeln. Bild: wikimedia/klem

• Steissbein

Viele der mit uns verwandten Affen besitzen einen Schwanz, der ihnen hilft, sich auszubalancieren oder festzuhalten. Für uns ist diese Funktion nicht notwendig und der Schwanz, der bei der Fötalentwicklung entstanden ist, bildet sich bei uns noch im Mutterleib zurück. Übrig bleibt lediglich das Steissbein (Coccyx), das früher als unnötiges Rudiment galt. Doch ganz funktionslos ist das Steißbein nicht: Verschiedene Muskeln und Bänder im Unterleib setzen an diesen Wirbeln an.

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Das Steissbein (Coccyx) ist der unterste Teil der Wirbelsäule. Bild: wikimedia

(dhr)

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