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Bild: imago/montage

Was SciFi-Autor Asimov 1983 für 2019 voraussagte – und was davon eintrat

Daniel Huber / watson.ch

Einen Blick in die nahe Zukunft werfen – wer könnte das besser als ein bekannter Science-Fiction-Schriftsteller? So oder ähnlich wird man Ende 1983 wohl in der Redaktion der kanadischen Zeitung "The Star" gedacht haben, als man Isaac Asimov dazu einlud, seine Vision der Welt im Jahr 2019 zu schildern. 

1977 - Margaret Mead, famous anthropologist & International Chairwoman of Earth Day 1977rung the UN Peace Bell on March 20, 1977 to signal the moment of the Spring equinox & Earth Day. Earth Day is celebrated to remind all people of their part in preservation of this planet. It is planned to make Earth Day an international holiday. Photo shows John Mc Connell, pres.Earth Society Isaac Asimov,famous science writer - Dr. Margaret Mead. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAk09_

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Asimov (M.) beschrieb vor dem "Orwell-Jahr" 1984 eine Welt im Jahr 2019. Bild: imago stock&people

Anlass dazu war das damals unmittelbar bevorstehende "Orwell-Jahr" 1984. Der britische Autor George Orwell hatte seine berühmte Dystopie 1948 beendet und mit der umgedrehten Jahreszahl "1984" betitelt. Der Roman erschien 1949 – 35 Jahre vor 1984. Asimov sollte nun für "The Star" ebenfalls 35 Jahre in die Zukunft blicken. Seine Sicht auf unsere Gegenwart ist heute noch interessant – auch wenn nicht alle seine Voraussagen eintrafen, wie beispielsweise die BBC berichtet.

Drei Dinge stellt Asimov bei seiner Analyse in den Vordergrund: Atomkrieg, Computerisierung und Nutzbarmachung des Weltraums. Zur Möglichkeit eines Atomkriegs verliert er jedoch nicht viel Worte: Es sei zwar nicht auszuschließen, dass es zu einem nuklearen Showdown zwischen den USA und der – damals noch existierenden – Sowjetunion komme, doch für diesen Fall könne man sich weitere Überlegungen zur Zukunft sparen. Diese Annahme hat sich zum Glück als tragfähig erwiesen. 

Um 8.15 Uhr (Ortszeit), warf der US-Bomber Enola Gay die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen

Ein Atomkrieg hätte alle anderen Voraussagen obsolet gemacht. Bild: imago stock&people

Isaac Asimov

Der am 2. Januar 1920 in Russland geborene Isaac Asimov emigrierte mit seinen Eltern 1923 in die USA, wo er in New York aufwuchs. Der studierte Biochemiker wurde als Sachbuchautor, vor allem aber als produktiver und einflussreicher Science-Fiction-Schriftsteller bekannt.

Insbesondere seine Robotergeschichten – er prägte den Begriff "Robotik" – gelten als Meilensteine der Science Fiction. Asimov formulierte die Drei Gesetze der Robotik, die verhindern sollen, dass Roboter Menschen schaden und ein eigenes Bewusstsein – mit unabsehbaren Folgen – entwickeln. 

Asimov starb am 6. April 1992 in New York. 

Wikipedia

Computerisierung

Zur Computerisierung macht Asimov ausführlichere, wenn auch einigermaßen allgemeine Prognosen. Sie werde ein schmerzhafter Vorgang sein, warnt er. Asimov vergleicht sie mit der Industrialisierung: Wie diese werde sie dazu führen, dass neue Jobs alte, überflüssig gewordene ersetzen. Diese neuen Jobs seien aber nicht identisch mit den alten, sondern verlangten spezifische Kenntnisse, die zahlreiche Menschen nicht mitbrächten.

Aus diesem Grund werde es eine Herausforderung sein, große Teile der Bevölkerung Computer-tauglich zu machen, damit sie den Anforderungen einer High-Tech-Welt gewachsen seien. Dies ist heute unter dem Stichwort Digitalisierung nach wie vor aktuell. 

ARCHIV - 12.03.2018, Bayern, Augsburg: Beim Maschinenbauer KUKA montiert Marcel Nowak einen Industrieroboter. Am 22.03.2018 gibt das Unternehmen die Jahreszahlen bekannt. Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Industrieroboter sind seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz.  Bild: dpa

Den unaufhaltsamen Vormarsch der Computer sieht Asimov erstaunlich klar. 1984 seien sie bereits unverzichtbar für die Regierungen der Industriestaaten, doch 2019 seien sie längst im Wohnzimmer angekommen. Auch "mobile computerisierte Objekte" – also Roboter – seien 2019 im Haushalt anzutreffen.

Die zunehmende Komplexität der Gesellschaft werde es unmöglich machen, ohne Computer auszukommen. "Jene Teile der Welt, die in dieser Hinsicht zurückfallen, werden so offensichtlich darunter leiden, dass ihre Regierungen so nach Computerisierung schreien werden, wie sie jetzt nach Waffen schreien." 

IFA Deu, Deutschland, Germany, Berlin, 09.09.2014 Staubsauger mit selbstbetrieb. Messebesucher am Messestand von Miele auf der ifa, Internationale Funkausstellung, Messe fuer Unterhaltung, Unterhaltungselektronik in Berlin 2014. Visitors at the stall of Miele at the Consumer Electronics Fair ifa, International Funkausstellung in Berlin. IFA is Europe s largest consumer electronics and home appliances fair, showing the new technology trends in the world.

IFA DEU Germany Germany Berlin 09 09 2014 Vacuum cleaner with  Fair visitors at Stand from Miele on the IFA International Radio exhibition trade Fair for Entertainment Consumer Electronics in Berlin 2014 Visitors AT The Stable of Miele AT The Consumer Electronics Fair IFA International Radio exhibition in Berlin IFA IS Europe S Largest Consumer Electronics and Home Appliances Fair showing The New Technology Trends in The World

Staubsauger-Roboter als Haushaltshilfe. Bild: imago stock&people

Auch beim Thema Ausbildung sieht Asimov eine Revolution kommen, die durch den Computer ausgelöst werde: Es werde 2019 zweifellos noch Schulen geben, glaubt er, doch ein guter Lehrer könne nichts Besseres tun, als den Wissensdrang der Schüler zu wecken, den diese dann zuhause an ihrem Computer befriedigen würden. Asimov verwendet in diesem Zusammenhang jedoch nicht den Begriff "Internet", der uns hier unweigerlich in den Sinn kommt – und dies, obwohl die Anfänge des Internets 1983 längst Realität waren.

Asimov stellt sich vor, dass 2019 für jeden Schüler – oder eher für jeden Menschen – die Möglichkeit bestehen wird, das zu lernen, was er will, wie er es will und wie schnell er es will. Die Ausbildung werde zu einer Sache des Vergnügens, weil sie aus eigenem Antrieb und nicht durch äußeren Zwang erfolgen werde. Diese Prognose ist sicherlich nicht so eingetroffen. 

Students working on computer in class together model released Symbolfoto property released PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY ZEF15678

Auch wenn Computer in der Schule Einzug gehalten haben, haben sie die Schule nicht überflüssig gemacht. Bild: imago stock&people

Weltraum-Nutzung

Im anderen großen Themenbereich, dem sich Asimov in seinem Stück widmet, greift er noch deutlicher daneben: Seine Annahme, dass die Menschheit 2019 bereits erste bedeutende Schritte zur Eroberung des Weltraums unternommen haben werde, hat sich nur in bescheidenstem Maße erfüllt.

So geht er damals davon aus, dass im Jahr 2019 eine Mine auf dem Mond existieren wird, in der ein internationales Team Rohstoffe gewinnen wird. Dieses Mondgestein werde dann zu anderen Orten im Weltraum gebracht, wo es zu Metall, Beton und anderen Baumaterialien verarbeitet werden könne.

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Künstlerische Darstellung einer Mine auf dem Mond. Bild: esa

Mit diesen Materialien wiederum würden dann große Raumstationen im Erd-Orbit gebaut. Asimov sieht einen regelrechten Gürtel von Raumstationen über dem Äquator, die Sonnenenergie sammeln und auf die Erde strahlen. Die Staaten, die kooperieren müssten, um ein solches technisches Großprojekt unterhalten zu können, wären deshalb nicht mehr in der Lage, untereinander Kriege zu führen.   

Wie wir wissen, ist aus diesen Voraussagen nichts geworden. Immerhin hat aber China just in den ersten Tagen des jungen Jahres erstmals eine Raumsonde auf der Rückseite des Mondes abgesetzt. Und Asimov liegt nicht mit all seinen Prognosen zum Weltraum falsch: So hat sich seine Annahme durchaus bewahrheitet, dass "Observatorien im All gebaut werden, die unsere Kenntnis des Universums unermesslich erweitern" werden. Hubble und andere Weltraumteleskope wie Chandra haben unseren Horizont in der Tat massiv erweitert. 

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