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Ja, den Klimawandel gibt es. Das ändert sich auch nicht durch einen kalten verschneiten Winter. Bild: getty images/montage: watson

Wieso ist es so kalt – trotz Klimawandel? Hier die Antwort (für Trump und Co.)

Es ist jeden Winter dieselbe Leier. Wenn die erste Kältepeitsche über die westliche Welt zieht, laufen Klima-Skeptiker zu Hochform auf.

Allen voran US-Präsident Donald Trump. Als die extreme Kältewelle mit bis -35 Grad den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten bedroht, äußert er sich auf Twitter wie folgt:

"Was zur Hölle ist mit der Klimaerwärmung los? Bitte komm zurück, wir brauchen dich".

Klar, in Teilen der USA werden derzeit Rekordwerte gemessen. Der Grund: Ausnahmsweise schwappt der so genannte Polarwirbel von der Arktis bis nach Chicago. Nur tausend Kilometer weiter westlich, an der Küste Alaskas, ist es hingegen zu warm. 

Es zeigt sich leider einmal mehr: Nicht einmal der mächtigste Mann der Welt versteht den Unterschied zwischen Wetter und Klima!

Das ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima

Eigentlich ist es ziemlich einfach, Mr. President. Als Wetter bezeichnet man den kurzfristigen Zustand der Atmosphäre (Temperatur, Sonnenschein, Regen, Wind) an einem bestimmten Ort. 

Das Klima hingegen betrachtet die meteorologischen Bedingungen über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren. 

Oder noch einfacher: Wetter ist das, was heute gerade passiert, Klima ist das, was über einen langen Zeitraum geschieht. Und über einen langen Zeitraum gesehen passiert vor allem und in immer schnellerem Tempo das:

Die Erde erwärmt sich

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"Eine Kältewelle, die bloß einige Tage andauert, fällt da überhaupt nicht ins Gewicht", sagt Martin Grosjean vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung an der Uni Bern. 

Außergewöhnlich frostige Temperaturen, wie sie Teile der USA aktuell erleben, haben also auf das Klima kaum einen Einfluss.

Die New York Times versuchte es mit einer Analogie, die Herr Trump (vielleicht) besser versteht:

"Wetter ist das, was Sie heute in ihrem Portemonnaie mittragen, Klima ist ihr Vermögen. Wenn Sie als Milliardär ihr Portemonnaie verlieren, sind Sie deswegen nicht arm. Genauso wenig ist ein armer Mensch reich, wenn ihm per Zufall ein paar Hunderternoten zufliegen. Entscheidend ist, was langfristig passiert."

Hä, aber es ist doch so kalt! Werden die Winter wirklich wärmer?

Funny snowman in Santa hat and red scalf on snowy field. Merry Christmass and happy New Year!

Ja, das ist ein Schneemann. Ja, auch 2019 gibt es noch Schnee. Und nein, das ist kein Beweis dafür, dass es den Klimawandel nicht gibt. Bild: iStockphoto/getty

Es ist nur menschlich: Viele Leute vermischen aktuelle Wetterereignisse in ihrer Region mit dem globalen Klima. Wer ist sich schon bewusst, dass in Australien gerade Hitzerekorde aufgestellt werden, wenn er selber gerade am Allerwertesten friert?

"Wo bleibt der Klimawandel?": Diese Frage stellen sich jedes Jahr viele Leute, wenn es tagelang außergewöhnlich kalt ist. 

Aber alle diese Leute sollten sich den Satz von Marshall Shepherd, Direktor des "Atmospheric Sciences Program" an der Universität in Georgia und ehemaliger Präsident der "American Meteorological Society", übers Bett hängen. Gegenüber CNN sagte er:

 "It is not 'Where You Live Warming', it is 'Global Warming'" (sinngemäß: "Es ist nicht 'Wo-du-wohnst-Erwärmung', es ist Klimaerwärmung").

Die Temperaturen steigen bei uns auch im Winter unaufhaltsam:  "Wir erlebten in den letzten Jahren in den Wintern relative 'Hitzewellen', nur spüren wir sie wegen den ohnehin tiefen Temperaturen nicht richtig. Sehr kalte Winter sind seit 1964 ausgeblieben", sagt Klimaforscher Grosjean über die Schweiz.

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Die Durchschnittstemperaturen in Deutschland steigen immer weiter an. Bild: deutscher wetterdienst

In Deutschland sieht das ähnlich aus: "Die Planungssicherheit für Betreiber von Wintersportanlagen in den Mittelgebirgen wird sich mittelfristig eher verschlechtern, da länger andauernde Witterungsbedingungen für Wintersport abnehmen", sagte Peter Hoffmann, Meteorologe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im vergangenen Jahr der dpa.

"Bereits jetzt sind die Winter in Deutschland deutlich milder geworden im Vergleich zu den 1980er Jahren. Die Zahl der Tage mit Dauerfrost schrumpft, und das wirkt sich negativ auf die Schneesicherheit in den Skigebieten der deutschen Mittelgebirge aus."

Peter Hoffmann

Dabei könne es durchaus vermehrt Kälteextreme geben. "Klimawandel, das ist nicht nur Erwärmung, sondern vor allem: mehr Extreme."

Laut Umweltbundesamt ist die Temperatur in Deutschland im Jahres-Mittelwert seit 1881 übrigens um 1,2 Grad Celsius angestiegen.

Was macht die Politik?

Auf der UN-Klimakonferenz in Paris vor drei Jahren haben sich die gut 190 vertretenen Staaten darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Viele Länder haben sich seither nationale Reduktionsziele gesetzt. Alle Experten sagen jedoch, dass diese zusammen bei weitem nicht ausreichen. Der Weltklimarat (IPCC) hat es in einem Sonderbericht vorgerechnet: Die globalen CO2-Emissionen müssen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels bis 2030 gegenüber 2010 um 45 Prozent sinken, und bis 2050 sogar auf netto null.

Dies erfordert einen nie da gewesenen, radikalen Umbau unseres Wirtschafts- und Verkehrssystems - weg von Kohle, Öl und Gas, und zwar ab sofort. Fraglich ist, ob große Staaten mitziehen: US-Präsident Donald Trump hat sich aus dem Pariser Abkommen verabschiedet, in Brasilien ist ein rechtsradikaler Präsident dabei, die Abholzung des so wichtigen Regenwalds zu erleichtern. Und China versucht zwar angesichts der Luftverpestung in seinen Mega-Städten den Ausstieg aus der Kohle anzuschieben. Die Volksrepublik investiert aber gleichzeitig unter anderem in Afrika und Asien massiv in Kohlekraft.

Auch das Image Deutschlands als Vorreiter beim Klimaschutz hat viele Kratzer bekommen: So hat die Regierung ihre selbst gesteckten Klimaziele für 2020 verpasst.

In Deutschland soll der Ausstieg aus der Kohle laut dem aktuellen Vorschlag der Kohlekommission bis 2038 geschehen. Umweltverbände sagen jedoch: Das reicht nicht.

(Adrian Müller/watson.ch/fh/dpa)

Würde es nach diesen Schülern gehen, würde die Politik noch viel mehr tun:

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