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ILLUSTRATION - Ein Mann spielt am 18.11.2019 auf einem Smartphone in Berlin den Spiele-Dienst Google Stadia das Spiel Shadow of the Tomb Raider (gestellte Szene). Foto: Andrea Warnecke | Verwendung weltweit

Google Stadia soll den Gaming-Markt revolutionieren. Und es klingt vielversprechend: Immerhin spielt hier jemand "Shadow of the Tomb Raider" auf dem Smartphone. Ein Spiel, das eigentlich nur auf Konsolen und Computern läuft. Bild: dpa/Andrea Warnecke

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Cloud-Gaming: Warum sich eine Flatrate für Gamer noch nicht lohnt

Während die neue Konsolengeneration mit Playstation 5 und Xbox Series X in greifbare Nähe rücken, gehen nach und nach auch Streamingdienste für Videospiele an den Start. Sie sollen Konsolen und Computer langsam ablösen. Neueste Spiele sollen damit auf technisch veralteten Rechnern oder auch Smartphones laufen. Interessant ist das allemal.

Denn laut Verband der Deutschen Gamesbranche sind Smartphones weiterhin die beliebteste Spiele-Plattform in Deutschland. Rund 19,5 Millionen Menschen spielten im letzten Jahr auf ihrem Mobiltelefon. Bei Spielkonsolen, etwa Playstation, waren es hingegen nur 15,9 Millionen. Cloud-Gaming könnte Nutzerinnen und Nutzer sogar noch weiter von Konsolen und Computer entfernen. Können sie ihre liebsten Spiele doch theoretisch einfach unterwegs zocken.

Und ja: Immer wieder betonen Medien, darunter die "Tagesschau", dass Cloud-Gaming die Spielkonsolen in Rente schickt wie es bereits Dienste wie Netflix mit DVDs oder Spotify mit CDs taten. Doch sie sprechen von Zukunftsmusik, obwohl das Orchester gerade mal die Instrumente stimmt. Denn nicht nur, dass noch einiges zu tun ist, bis die Dienste für alle Spielerinnen und Spieler interessant sind, es warten noch weitere Probleme, die nicht mal eben technisch gelöst werden können.

Was ist Cloud-Gaming?

Im Grunde ist es ganz leicht: Statt auf der Konsole oder dem Computer sind die Videospiele auf den Servern der Cloud-Gaming-Anbieter installiert und werden per Videostream auf den Bildschirmen der Nutzerinnen und Nutzer übertragen. Die senden wiederum jeden Tastendruck zurück. Vorteil dabei ist, dass teure Konsolen oder Computer nicht mehr notwendig sind. Selbst technisch anspruchsvolle Spiele wie "Assassins' Creed Odyssee" oder "Red Dead Redemption 2" bedürfen so lediglich ein Endgerät mit Videounterstützung. Ach, und eine solide Internetverbindung.

Das Prinzip ist bei weitem nicht so neu, wie es scheint. Bereits 2010 startete etwa der Cloud-Dienst OnLive, zu dem es einige Kritikpunkte gab. Beispielsweise hieß es, dass die Breitband-Technik damals noch nicht ausgereift genug war. Fünf Jahre später wurde der Dienst eingestellt. Eine Konsolengeneration ist da durchaus langlebiger, bedenkt man, dass zwischen Playstation 3 und 4 rund acht Jahre lagen. OnLives Streaming-Technik lebt jedoch in Sonys Cloud-Gaming-Dienst Playstation NOW weiter.

Auch Grafikchiphersteller Nvidia startete schon vor Jahren die Betaphase seines Streaming-Dienstes. Grid, heute bekannt unter Geforce NOW, ging bereits Ende 2014 online. "Techcrunch" schrieb in einem Testbericht, dass so der Spielemarkt der Zukunft aussehe. Anfang 2020 startete der Dienst offiziell. Der anfängliche Wow-Effekt verpuffte jedoch. Denn Nvidias Dienst ist mittlerweile nur einer von vielen.

Sony und Googles Dienste

Derzeit gibt es einige Cloud-Gaming-Anbieter. Die drei bekanntesten wären Playstation NOW, Google Stadia und eben Geforce NOW. Microsoft plant ebenfalls mit Projext X-Cloud ins Rennen zu gehen. Aktuell befindet sich der Dienst jedoch noch in einer geschlossenen Beta, heißt, nur ein erlesener Kreis hat Zugang. Die derzeit frei zugänglichen Dienste haben allesamt ihre Vor- und Nachteile.

Playstation NOW läuft etwa auf der PS4 ebenso wie auf Windows PCs. Nutzer können für bis zu zehn Euro im Monat auf über 600 Playstation-Titel zugreifen. Auf Smartphones und Tablets läuft der Dienst jedoch nicht. Das geht wiederum mit Google Stadia – zumindest bei einigen Samsung und Pixl-Geräten. Dort ist die Auswahl jedoch wesentlich knapper. Rund 60 Spiele stehen zur Verfügung.

Eine Mitgliedschaft kostet nichts, die Spiele dafür den Vollpreis. Für knapp zehn Euro können Nutzer aber ein Pro Abo abschließen. Dort stehen dann 17 Titel zur freien Verfügung. Wer am Fernseher mit einer 4K-Auflösung spielen möchte, muss sich einen Adapter, Chromecast, sowie einen speziellen Controller für 129 Euro kaufen. Ob das wirklich nötig ist, sei dahingestellt.

Das Problem mit Geforce NOW

Auch Geforce NOW läuft auf Smartphones. Und auch dort müssen die Spiele für den Vollpreis gekauft werden. Dort können Nutzer alle Spiele nutzen, die sie bereits besitzen. Dafür müssen sie sich einfach mittels Geforce NOW in dem Store einloggen, etwa Steam, bei dem sie ein Spiel erworben haben. Jedoch kooperiert nicht jeder mit dem Dienst.

Spieleentwickler Bethesda, bekannt für Fallout, entfernte etwa all seine Ableger aus dem Sortiment. Weiterer Nachteil: Bei einer gratis Mitgliedschaft müssen Spieler erst in eine Warteschlange, bis sie loslegen können – und das dann nur für eine Stunde. Danach müssen sie sich erneut einreihen. Für 5,49 Euro im Monat fällt dieser Umstand weg.

Es wird deutlich: Jeder Dienst versucht nach seiner eigenen Partitur zu spielen – und doch ähneln sich die Lieder irgendwie.

Es braucht nicht viel

Das Schöne an den Diensten ist, dass sie die Barrieren für Videospiele senken. Nicht jeder kann sich einen Gaming-Pc mit allem möglichen Schnickschnack leisten. Selbiges gilt für Spielkonsolen. Ein einzelnes Spiel ist hingegen verkraftbarer. Weiterhin wird in der Regel keine allzu leistungsfähige Leitung benötigt. Je nach Anbieter und Auflösung schwankt die Voraussetzung zwischen 10 und 35 Megabyte.

Auch in Sachen Spielbarkeit gab es bisher nur wenig zu bemängeln. Hier zählt die Latenz, also die Verzögerung zwischen Eingabe des Nutzers und der Rückmeldung der Server. Bisher soll sie bei allen Anbietern kurz genug ausfallen, um für die Spieler zumindest kaum spürbar zu sein. Die Spielfigur wird also direkt springen, sobald wir die zugehörige Taste drücken. Gelegentlich soll es aber trotzdem zu kleinen Verzögerungen, etwa bei Stadia, kommen, die gerade Spielern im Online-Wettkampf das Leben kosten könnten.

Wie so häufig hat die Medaille zwei Seiten. Im Falle der Cloud-Dienste lässt sie sich sogar noch aufklappen. Denn leider gibt es noch weitere, mehr oder weniger deutliche Problemchen, die sie derzeit noch von der Pole Position in der Videospielbranche trennen.

Dschungel aus Diensten und Spielen

Da wären etwa die Spiele. Ein Blick in die Bibliotheken von Playstation NOW und Google Stadia verdeutlicht, dass die spielbaren Titel nicht mehr allzu frisch sind. Wer auf Stand sein möchte, ist weiterhin auf Konsolen oder Computer angewiesen. Geforce NOW umgeht dieses Problem zwar, doch da scheitert es an der Mitgliedschaft. Gefühlt lässt sich die kostenpflichtige kaum umgehen.

Mal im Ernst: Wer möchte sich ein Spiel kaufen, um dann zu warten, bis er sich lediglich für eine Stunde vergnügen kann. Abgesehen davon müssen sich Nutzer vor dem Kauf vergewissern, ob ein Spiel GeforceNOW tauglich ist.

Weiterhin hat nicht jeder Streamingdienst dasselbe Angebot. Das erinnert an Netflix oder Amazon Prime. Bestimmte Filme und Serien sind nur auf einer Plattform verfügbar.

Also heißt es, weitere Abos abschließen oder eben verzichten. Außerdem sind es bislang eine Menge Dienste, die um Kunden buhlen. Microsoft wird demnächst hinzukommen. Schnell könnten sich Interessenten in dem Dschungel aus Diensten und ihren Angeboten verlieren. Abschreckend.

Viel ist eben nicht immer gut

Das größte Problem ist jedoch die Aufmerksamkeit der Nutzer. Schauen wir etwa auf Netflix. Es ist keine Seltenheit, Serien zu beginnen und noch vor Ende abzubrechen. Manchmal aus Langeweile, manchmal, weil eine andere interessante Serie aufploppt. In der Regel liegt es aber am fehlenden Durchhaltevermögen. Mit steigender Auswahl schrumpft schlicht die Geduld. Jetzt kann man aber bei Netflix eine Serie nebenher laufen lassen und sich anderweitig beschäftigen. Bei Videospielen geht das nicht. Man muss voll dabei sein.

Selbst bei nur 17 Spielen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, vorzeitig abzubrechen. Könnte es doch noch ein interessanteres geben. Nur leider haben auch gefeierte Titel wie Red Dead Redemption 2 ihre Längen. Playstation NOW, Stadia und Microsofts Ableger könnte hier der Vorzug der freien Verfügbarkeit schnell zum Verhängnis werden.

Vielleicht nur etwas für Liebhaber

Eigentlich sind die Dienste eine nette Idee. Leider stecken sie noch immer in ihren Anfängen, so lang es sie auch schon gibt. Natürlich schwinden die Barrieren, was gerade Videospiel-Neulingen zugute kommen könnte. Doch bei den frei verfügbaren Bibliotheken kann die Auswahl gerade für Neueinsteiger erschlagend sein. Bei den kaufpflichtigen Titeln ist es hingegen der Preis und die Frage nach dem Was.

Bislang scheinen die Dienste noch ein nettes Gimmick zu sein, das für Veteranen durchaus verlockend ist. Nur besitzen gerade sie meist Spielkonsolen oder PCs. Ob sie also langfristig auf Cloud-Gaming zurückgreifen, scheint aktuell eher unwahrscheinlich. Doch wer weiß, wie es wird, wenn das Orchester fertig gestimmt hat. Dann könnten die Dienste künftig den Ton angeben – oder sich gehörig verspielen.

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