Großbritannien
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Die 5 peinlichsten Fails von Boris Johnson im Tory-Wahlkampf

Boris Johnson ist fast am Ziel. Am Dienstag wird das Ergebnis der Abstimmung unter den rund 160.000 Tory-Mitgliedern für die Nachfolge von Theresa May bekannt gegeben. Und Brexit-Hardliner Johnson gilt als haushoher Favorit für den Premier-Posten. Laut einer Umfrage der "Sun on Sunday" wollen 73 Prozent der wahlberechtigten Tory-Mitglieder Johnson wählen.

Aber warum eigentlich? Wer das Rennen um den Tory-Vorsitz und das Amt des Premierministers verfolgte, sah zahlreiche Pannen von Boris Johnson im Wahlkampf. Leere Stühle, Debatten über Frisuren und Räucherheringe: Oft erschien Johnson als Ziel des Spotts.

Doch die Pannen-Serie kann auch erklären, warum Johnson seinem Konkurrenten Jeremy Hunt so überlegen ist.

Fangen wir an mit dem leeren Stuhl.

Boris Johnsons No-Show

Am 3. Juni stieg Boris Johnson offiziell ins Rennen um die Nachfolge der gescheiterten Premierministerin Theresa May ein. Ein Video auf Twitter zeigte ihn mit neuer Frisur und neuer Ernsthaftigkeit. Sein zentrales Versprechen: Mit mir bekommt ihr endlich den Brexit.

Schon bald gab es aber Spott für den neuen Boris: Er schien Presseauftritten aus dem Weg zu gehen. Möchte der Mann, der sich so gerne in Live-Interviews verplappert, Peinlichkeiten vermeiden? Das jedenfalls war eine Lesart in der Öffentlichkeit.

Höhepunkt war dann, dass Boris Johnson Mitte Juni nicht zu einer Debatte mit den damals noch fünf verbleibenden Konkurrenten erschien. Die TV-Diskussion würde unübersichtlich ausfallen, war seine offizielle Begründung.

Der Sender entschied sich, einen leeren Stuhl für den abwesenden Johnson auf das Podium zu stellen:

Der Spott der Journalisten war Johnson für diesen Nicht-Auftritt sicher.

Boris Johnson und die Haare

Die wirre Friseur des britischen Politikers ist sein Markenzeichen, ähnlich wie die blonde Tolle von Donald Trump.

Johnsons Haare standen auch im Fokus der Episode um den Streit von Johnson mit seiner Lebensgefährtin Carrie Symonds. Freitag, den 20. Juni, war die Polizei zur Wohnung von Johnson in London gerufen worden, eine Nachbarin hatte einen lauten Streit gehört und sich Sorgen gemacht.

Der Streit beherrschte die Schlagzeilen der britischen Presse. Johnson selbst wollte sich nicht zu seinem Privatleben äußern. Am Montag darauf erschien dann ein Foto von Johnson und Symonds in mehreren Zeitungen, es sollte offenbar Harmonie ausdrücken.

Das Problem nur: Die Haare von Johnson sind auf dem Foto deutlich länger, als sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich waren. Hatte das PR-Team von Johnson ein altes Foto ausgegeben, um die Wogen zu glätten?

Genau das wurde Johnson im Interview mit LBC wiederholt gefragt (26 Mal!). Und wiederholt verweigerte er eine Antwort. Keine Antwort ist auch eine Antwort, das war der Tenor der Presse nach diesem gescheiterten Auftritt von Boris Johnson.

Was macht Boris Johnson eigentlich in seiner Freizeit?

Politiker und ihre Leidenschaften und Hobbies: ein kompliziertes Thema.

Theresa May wurde einmal gefragt, was das Unartigste gewesen sei, das sie jemals getan habe. Es wäre eine Möglichkeit für die oft so stoisch wirkende May gewesen, etwas menschlicher zu wirken. Ihre Antwort: "Oh Gott, nun, ich schätze, ich muss gestehen, als ich jünger war, liefen ich und meine Freunde durch Weizenfelder, die Bauern waren nicht allzu glücklich darüber."

Johnson verspottete May danach. Er erlebte kürzlich aber seinen eigenen "Weizenfeld"-Moment.

Ein Reporter fragte ihn, wie er sich entspanne. Boris Johnson kam mit einem äußerst skurrilen Hobby um die Ecke: Er bastle aus Holzkisten Busse.

Das ist die kurze Version der Antwort. Die lange, so kompliziert hervorgebrachte Antwort von Johnson seht ihr hier:

Der Gesichtsausdruck des Interviewers sprach dann auch Bände.

Boris Johnson, Handels-Experte

Ende Juni war dann klar: Das Rennen um die Nachfolge von May wird sich zwischen Boris Johnson, dem Ex-Außenminister, und Jeremy Hunt, dem amtierenden Außenminister entscheiden.

Boris Johnson konnte Konfrontationen nicht mehr aus dem Weg gehen. Und eine Blamage folgte bald.

In einem Interview mit der BBC präsentierte Johnson seinen Brexit-Plan. Der Plan sieht im Grunde vor, die EU am 31. Oktober zu verlassen, auch ohne Austrittsabkommen. Johnson glaubt, dass negative Auswirkungen dieses No-Deal-Brexits, den Ökonomen für eine Katastrophe halten, umgangen werden könnten – mithilfe einer Bestimmung aus dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT), einem internationalen Vertrag, der den Grundstein für die Welthandelsorganisation (WTO) legte.

Das erklärte Johnson BBC-Moderator Andrew Neil. Demnach würden nach dem Brexit ohne Vertrag dennoch die gleichen Handelsregeln wie bisher gelten. Zölle: überflüssig. Das sei mit Artikel 24, Paragraf 5b des GATT-Abkommens möglich, sollte die EU zustimmen.

Neil ließ Johnson eiskalt auflaufen. Er fragte Johnson, ob dieser wisse, was in Paragraf 5c stünde. Johnson verneinte.

Darin stehe, belehrte ihn Neil, dass Johnson für diese imaginierte "Übergangsphase" "nicht nur die Zustimmung der EU braucht, sondern man muss sich auch auf die Umrisse eines künftigen Handelsabkommens einigen und den Zeitplan, um das zu erreichen". Mit anderen Worten: Es wird nicht möglich sein.

Übrigens hat die EU mehrfach klar gestellt, dass eine solche Übergangsphase nur mit unterschriebenen Austrittsvertrag möglich ist.

Johnson und der Räucherhering

Boris Johnson zählt zu den lautstärksten Kritikern der EU in Großbritannien (dabei konnte er sich vor dem EU-Referendum noch sehr schwer entscheiden, ob er für oder gegen den Austritt sein würde).

Seine europskeptische Polemik ließ er erst am Mittwochabend wieder vom Stapel. Während seiner Rede holte er bei einem Auftritt einen in Plastik verpackten Räucherhering unter dem Pult hervor.

Mit dem Fisch in der rechten Hand wetterte er gegen Brüssel. Der Hering sei auf der Isle of Man hergestellt worden, erklärte Johnson. "Brüsseler Eurokraten" hätten angeordnet, dass er nur noch mit einem Eiskühlkissen verkauft werden dürfe. Dies sei "sinnlos, teuer, umweltschädlich". Fischer würden dadurch hohe, unnötige Kosten tragen.

Die EU, das bürokratische Monster? Falsch.

Das von Johnson kritisierte Kühlkissen aus Plastik basiere auf einer Vorschrift der britischen Regierung, entgegnete die EU-Kommission. "Der von Herrn Johnson beschriebene Fall fällt nicht in den Anwendungsbereich der EU-Gesetzgebung, und es liegt ausschließlich in der Zuständigkeit des Vereinigten Königreichs", sagte eine Kommissionsprecherin.

Pannen über Pannen – warum ist Johnson so erfolgreich?

Diese (noch unvollständige) Liste der Pannen von Boris Johnson macht deutlich: Der wahrscheinlich künftige Premierminister wirkt nicht immer wie der kompetenteste Politiker, um es vorsichtig auszudrücken.

Und dennoch wird er Großbritannien künftig regieren. Die Pannenserie kann aber auch erklären, warum.

Zum einen zeigen die fünf Beispiele deutlich, wie Johnson in den vergangenen Wochen im Tory-Wahlkampf die Schlagzeilen dominiert hat. Es verging kaum ein Tag ohne News über den Politiker. "Bad publicity is better than no publicity", heißt es. Jede PR ist gute PR.

Das Phänomen Boris Johnson funktioniert in dieser Hinsicht wie das Phänomen Donald Trump. Kein Skandal schien Trump im Wahlkampf 2016 aufhalten zu können. Vielmehr machte ihn jeder Skandal nur präsenter. Auch Johnson drückte seine Konkurrenten mit seiner Präsenz an die Wand.

Den Tory-Wählern ist es offenbar egal, dass sich ihr möglicher neuer Premier oft um Kopf um Kragen redet, dass er Paragraphen in Verträgen nicht kennt oder sich mit Vorschriften über Räucherheringe blamiert.

Denn die Fehler unterlaufen Johnson auch, weil er impulsiv ist, weil er offen spricht, weil er gerne Witze reißt. Johnson hebt sich dadurch deutlich ab von seinem Konkurrenten Jeremy Hunt. Johnson mag der Klassenclown der britischen Politik sein, im Vergleich zu ihm wirkt Hunt aber wie der Streber in der Klasse, der gerne übersehen wird.

Mit seinen Reden von der "großartigen" Zukunft Großbritanniens nach dem Brexit und seinem Pochen auf den Austritt, komme was wolle, holt Johnson zudem die konservativen Wähler ab, die bei der Europawahl in Scharen zur rechtspopulistischen Brexit-Partei abwanderten.

Seine Pannen-Serie wird Boris Johnson wohl bald in der Downing Street No. 10 fortsetzen.

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