Coronavirus
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach macht sich Sorgen. bild: screenshot ard

Lauterbach streitet sich bei "Maischberger" mit Lindner über Schweden: "Das ist kein Vorbild"

dirk Krampitz

"Es ist ein gefährlicher Tag aus der Sicht eines Epidemiologen", sagt Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, am Mittwochabend bei "Maischberger". Er meint die von Bund und Ländern am Mittwoch beschlossenen Lockerungen der Corona-Maßnahmen.

Beschlossen worden war nach langer Diskussion an diesem Tag: Die Bundesliga spielt ab 15. Mai wieder, die Kontaktbeschränkung wird großzügiger gefasst, aber bis Juni verlängert.

Wichtigster Punkt: Die Bundesländer übernehmen Verantwortung für weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen, es gibt eine Obergrenze für Neuinfektionen.

Lauterbach findet: "Wir brauchen jetzt Glück. Das, was wir jetzt beschlossen haben, ist ein Experiment." Mit seiner Position gerät er während der Sendung mit FDP-Chef Christian Lindner aneinander.

Bei "Maischberger" diskutieren diesmal:

Lauterbach streitet sich bei "Maischberger" mit Lindner über Schweden

Dass die Bundesliga wieder losgeht, findet Lauterbach zutiefst unverständlich. "Die Bundesliga startet mit einem Hygienekonzept, das den Namen nicht wert ist." Außerdem vermisst er ein gemeinsames Konzept für Schulen und einen Plan für die Situation, falls an mehreren Orten in Deutschland gleichzeitig der Fall für die Notbremse auftreten sollte. Aber er hat auch ein bisschen Hoffnung:

"Es wird besser werden, wenn wir gute Masken haben. Wir brauchen gute OP-Masken und die App muss endlich kommen und wir müssen mehr testen."

Karl Lauterbach

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Christian Lindner bei "Maischberger". bild: screenshot ard

FDP-Chef Christian Lindner hält die getroffenen Beschlüsse vom Mittwoch für richtig. "Ich habe ganz großen Respekt vor Ihrer Abwägung", sagt Lindner zu Lauterbach. Empfiehlt dann aber, nicht mehr nach Italien, sondern nach Schweden zu blicken. Dort gelten seit Beginn des Corona-Ausbruchs lockere Regeln.

"Machen die Schweden es besser als wir?", fragt Moderatorin Maischberger den SPD-Politiker. "Nein, die Schweden handeln unverantwortlich", antwortet Lauterbach. Die Sterblichkeit in Schweden sei drei- bis viermal so hoch wie in Deutschland. Das sei ein "erbärmliches Ergebnis" und könne kein Vorbild sein. "Grob gesprochen, werden dort sehr viele ältere Menschen geopfert, damit man da im Café sitzen kann."

Lindner widerspricht, das sei "etwas zu sehr zugespitzt". "Dass Ihre sozialdemokratischen Kollegen jetzt alle Unmenschen sind, da steckt auch ein klein bisschen eine deutsche Überheblichkeit drin, über andere in Europa zu urteilen."

Lauterbach erklärt, er gebe die Einschätzung von Wissenschaftlern wieder. Der FDP-Chef hält dagegen und betont: Die abschließende Bilanz, welche Strategie erfolgreicher war, könne erst in zwei oder drei Jahren gezogen werden. Die Lockerungen jetzt kämen eher zwei Wochen zu spät.

Lindner stellt dann noch seine wirtschaftlichen Pläne vor. Er will keine Abwrackprämie, da sie nur einer Branche nützt, er schlägt "massive Investitionen" in digitale Branchen und Forschung vor. Außerdem solle man die Jahre 2019 und 2020 steuerlich zusammenfassen, damit man jetzt keine Steuern für das vergangene Jahr zahlt, wenn man in diesem Jahr kaum etwas verdient.

Kerner bei "Maischberger": Fußball-Profis wurden nicht gefragt

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Johannes B. Kerner hat Bundesliga-Profis antelefoniert. bild: screenshot ard

Auch Sport-Moderator Johannes B. Kerner steht dem Bundesliganeustart kritisch gegenüber. Das Live-Video von Hertha BSC-Spieler Salomon Kalou, bei dem er entgegen der Hygieneregeln seine Kollegen abklatschte, sorgte für Skepsis.

Kerner nennt das Video "eine Dummheit sondergleichen". Der Fußballfan hat im Zuge der Diskussion um den Start der Bundesliga mit Profis aus der ersten Liga telefoniert. Und weiß Erstaunliches zu berichten: "Sie wurden nicht gefragt, ob sie spielen wollen." Es gäbe einige, die auch Angst um ihre Gesundheit hätten.

Trotzdem geht es am 15. Mai los – als erste Profiliga weltweit. Kerner findet es schwierig – vor allem aus psychologischen Gründen, wenn die Profis spielen dürfen, die Amateure im Park aber noch nicht.

"Maischberger": Ist Merkel umgefallen?

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Gabor Steingart sieht "epochale Verschiebungen" in der Wirtschaft. bild: screenshot ard

Journalist Gabor Steingart wartet hingegen darauf, dass es wieder losgeht mit dem Leben. Für ihn kommen die Öffnungen aus wirtschaftlicher Sicht "spät, aber nicht zu spät". Seine Einschätzung: "Das wird eine teure Veranstaltung, aber es gibt keine Weltwirtschaftskrise – zumindest nicht in Deutschland".

Man müsse jetzt nur klug agieren angesichts der "epochalen Verschiebungen" in der Wirtschaft von analog zu digital. Beispielsweise sei die Videokonferenzsoftware Zoom jetzt mehr wert als die fünf größten Fluggesellschaften der Welt. Steingart empfiehlt: "Nicht mit vielem Geld eine alte Struktur und Industriegesellschaft konservieren." Einzelhändlern zum Beispiel sei es schon vor Corona nicht gut gegangen. "Wir müssen gucken, dass das Geld nicht den stationären Handel rettet, der vorher schon krank war."

"Sie ist umgefallen, aber sie ist elegant umgefallen", fasst Steingart seinen Eindruck zu Angela Merkel zusammen. Auch seine Berufskollegin Eva Quadbeck findet, es sei "ein schlechter Tag für Angela Merkel" gewesen. Und das ungerechterweise gerade wegen ihrer Corona-Erfolge: "Sie hat für den Erfolg gesorgt und dafür, dass wir wieder eröffnen können, und steht nun mit der Rücken zur Wand."

Die Ministerpräsidenten hätten die versteckte Botschaft ausgesendet: "keine fünfte Amtszeit für Angela Merkel". Allerdings könne es passieren, dass sie doch noch von jemanden zu einer weiteren Kandidatur aufgefordert werde. Markus Söder zum Beispiel, der selbst noch nicht bereit für eine Kandidatur sei, aber beispielsweise Armin Laschet verhindern wolle. "Es sind Szenarien denkbar."

Altmaier will sich nicht äußern zur Lufthansa

An Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fällt als Erstes auf, dass er entweder unglücklich sitzt und seine Hose zu weit hochgezogen hat, oder dass er seinen Anzug ein bis zwei Nummern zu klein gekauft hat.

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier hatte ein Hosenproblem. bild: screenshot ard

Altmaier nennt Corona "die Krise, die mir am meisten an die Nieren geht", weil sie jeden Menschen einzeln und direkt betreffe. Szenen wie in Italien "wollten wir mit aller Gewalt vermeiden". Das sei ein "Blick in den Abgrund" gewesen.

Er sei vorsichtig mit Prognosen:

"Das Virus ist kein alter Bekannter, wir kennen das Virus nicht".

Peter Altmaier

Der CDU-Minister nennt die jetzt beschlossenen Maßnahmen "Lockerungen mit Augenmaß". Auch, wenn er geöffnete Schwimmbäder in Hessen und gleichzeitig geschlossene Kitas nicht wirklich erklären kann. Wichtig sei für ihn, dass der gemeinsame Beschluss der Notbremse gefasst worden ist.

Zur Rettung der Lufthansa will er nichts sagen. "Alles, was ich sage, hat Börsenrelevanz."

Eine Kaufprämie will er für alle Autos, nicht nur für klimafreundliche: "Damit die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt".

Ob Angela Merkel nochmal antritt? "Ich glaube, dass diese Spekulationen absolut nichts sind, was wir jetzt brauchen."

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