Bill Cosby (im weißen T-Shirt mittig hinten) mit seinem Team aus Anwältinnen und Sprechern vor seinem Haus – der Presse-Andrang war riesig.
Bill Cosby (im weißen T-Shirt mittig hinten) mit seinem Team aus Anwältinnen und Sprechern vor seinem Haus – der Presse-Andrang war riesig.
Bild: ap / Matt Slocum

"Kein fairer Prozess": US-Fernsehstar Bill Cosby aus Gefängnis entlassen – Urteil wegen sexuellen Missbrauchs aufgehoben

01.07.2021, 08:3101.07.2021, 11:49

Nach der Aufhebung seiner Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs ist der frühere US-Fernsehstar Bill Cosby aus dem Gefängnis entlassen worden. Bei der Ankunft an seinem Haus in Philadelphia zeigte er wartenden Journalisten das Victory-Zeichen. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Pennsylvania hatte die Verurteilung des 83-jährigen Schauspielers am Mittwoch gekippt. Zur Begründung erklärten die Richter, Cosby sei ein fairer Prozess verweigert worden.

Der frühere Serienstar wurde nach dem Urteil aus dem rund 56 Kilometer nordwestlich von Philadelphia gelegenen Gefängnis SCI Phoenix entlassen, wie die Behörden mitteilten. Seine Anwälte begleiteten ihn bis nach Hause, eine Stellungnahme gab Cosby zunächst nicht ab. Seine Freilassung ist ein herber Rückschlag für die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Frau unter Drogen gesetzt und missbraucht

Der mit der Sitcom "Die Bill Cosby Show" weltberühmt gewordene Schauspieler war 2018 schuldig gesprochen worden, im Jahr 2004 eine Frau sexuell missbraucht zu haben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Cosby sein Opfer Andrea Constand in seinem Haus in Philadelphia unter Drogen gesetzt und sich an der Frau vergangen hatte. 

Cosby wurde zu einer Strafe von mindestens drei und höchsten zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht bestätigte dies im Dezember 2019.

Er wurde von insgesamt mehr als 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, allerdings sind die meisten Fälle verjährt.

"Seltene Entscheidung, aber zwingend"

Der Supreme Court von Pennsylvania hob die Verurteilung nun aber auf. "Cosbys Verurteilungen und das gegen ihn verhängte Strafmaß sind aufgehoben, und er wird aus der Haft entlassen", heißt es in dem Urteil. Das sei zwar eine "schwerwiegende und seltene" Entscheidung, in diesem Fall aber "zwingend".

Die Richter verwiesen darauf, dass der damals ermittelnde Staatsanwalt nach der Aufdeckung der Vorwürfe 2005 zugesagt hatte, keinen Strafprozess gegen Cosby anzustrengen, wenn dieser in einem Zivilprozess um Entschädigung aussagt. Der Nachfolger des Staatsanwalts leitete später aber ein Strafverfahren gegen den Schauspieler ein. Dabei wurden Aussagen Cosbys aus dem Zivilverfahren gegen ihn verwendet. 

Ihm war versprochen worden, dass seine Aussagen nicht gegen ihn verwendet werden

Das sei ein "Affront gegen grundlegende Fairness" gewesen, erklärte der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania nun. Cosby war davon ausgegangen, dass er für seine Äußerungen im Zivilverfahren nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne.

Der Schauspieler wurde in den USA jahrzehntelang als "America's Dad" verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in der "Die Bill Cosby Show" war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Seine Verurteilung war der erste Schuldspruch gegen einen Prominenten nach Beginn der #MeToo-Bewegung.

(andi/afp)

Themen

Bei "Markus Lanz" kündigt FDP-Politiker an: "Ihr müsst länger arbeiten"

Der späte Wahlkampf-Spurt von Armin Laschet (CDU) mit seinem Kompetenzteam und generell die fehlenden Themen im Rennen um die Bundestagswahl – darüber spricht Markus Lanz in der ersten Sendung in dieser Woche mit seinen Gästen.

FDP-Grandseigneur Gerhart Baum hat den Eindruck, "der Wahlkampf kommt allmählich in Schwung". Die Bundestagsdebatte am Dienstag, in der Angela Merkel Partei für Armin Laschet ergriff, hat ihn beeindruckt. Aber er fragt sich auch: "Warum erst jetzt?". Und ebenso rätselt …

Artikel lesen
Link zum Artikel