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Deshalb ist die 5. Staffel von "Black Mirror" so furchtbar

Warum die neue Staffel "Black Mirror" mit Miley Cyrus eine krasse Enttäuschung für Fans der Serie ist.

Während ich die Darsteller von "Bandersnatch" quasi eigenhändig mehrmals umbrachte, merkte ich, wie sie es mal wieder geschafft hatten. Die Verrückten von "Black Mirror". Mich einfach komplett zu brainfucken. Und das ist in der fünften Staffel genau einmal passiert. Doch das war noch nicht das Schlimmste.

Eine Spurensuche im Schnelldurchlauf.

+++ SPOILER-ALARM, na klar +++

Folge 1

Die erste Folge dreht sich um Danny (Anthony Mackie), seine Frau Theo (Nicole Beharie) und seinen besten Kumpel Karl (Yahya Abduk-Mateen II). Und während wir in Zeitsprüngen von der Studentenzeit in eine perfekte Vorstadtwelt hüpfen, in der Danny mit seiner kleinen Familie lebt, wissen wir: Das kann nicht lange gutgehen. Dann schenkt Karl Danny ein Virtual-Reality-Spiel, und in dem Moment, indem sich Danny einen Sender an die Schläfe klebt und in das Spiel abtaucht, ist klar: Jetzt geht was schief.

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Was dann passiert, ist der vielleicht einzige Schockmoment der ganzen Staffel: Danny und Karl schlafen miteinander. Also nicht sie selbst, sondern ihre virtuellen Körper, mit denen sie im Spiel eigentlich gegeneinander kämpfen sollten. Die beiden tun das von nun an öfter, was die sehr vorhersehbare Konsequenz hat, dass die Ehe des verheirateten Danny den Bach runter zu gehen droht.

Doch das geschieht nicht. Nicht in letzter Konsequenz. Die Krise wird überwunden, Karl überwindet mit etwas Hilfe (einem Kuss und einer Prügelei) auch seine Krise und am Schluss sind alle happy.

Keine Dystopie, sondern nahe Zukunft light

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Natürlich kann man jetzt sagen: Das ist total meta, weil es ja schon Virtual-Reality-Porn gibt, und sowas kann in Zukunft ja wirklich mal passieren. Und das stimmt auch. Aber "Black Mirror" hat seinen Fans beigebracht, dass die Zukunft schlimmer ist als alles, was man sich vorstellen könnte und dass diese Dystopien so real erscheinen, dass danach Artikel geschrieben werden, die Headlines haben wie "Dating-App wie in 'Black Mirror' kommt auf den Markt". Und diese Erwartung wird keinesfalls erfüllt.

Stattdessen kommt im Fall von "Striking Vipers" ein bisschen Beziehungsdrama mit Erektionsstörungen und ein Happy End mit dem jeder leben kann. Und das ist: Langweilig. Damit bricht Black Mirror seine eigene Regel:

Du darfst alles sein, nur nicht langweilig...

Folge 2

…, und legt in Folge zwei sogar noch einen drauf. Handlung und Ausgang der Folge sind so schnell zu durchschauen, dass ich mich zwingen musste, bis zum Ende durchzuhalten. Ich meine: Ein Typ entführt einen Mitarbeiter von Facebook (das in der Serie "Smithereens" heißt) und will mit dem Erfinder telefonieren, um ihm etwas zu beichten. Das ist die (grobe) Handlung.

Zukunftsvisionen die schon lange Realität sind

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Dem Zuschauer wird eine Spur aus Hinweisen gelegt, dass wahrscheinlich das Soziale Netzwerk der Grund für das Ableben der Verlobten des Entführers war. Leider sind die Hinweise keine versteckten Brotkrumen, sondern leuchtende Pfeile mitten auf dem Waldweg, was jede potentielle Spannung im Keim erstickt.

Dazu kommt, dass Andrew Scott, der den Entführer spielt, nach 20 Minuten mit dem Auto auf einem Feld strandet und dort bis zum Ende der Folge, die 70 Minuten dauert, stehen bleibt. Umkreist von Polizisten brüllt er dort abwechselnd in sein Handy oder aus dem Fenster, und ist hin und wieder mal Nett zu seiner Geisel.

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Die Auflösung, dass er auf sein Handy statt auf die Straße geschaut und deshalb den tödlichen Unfall verursacht hat, verpufft einfach, da diese Vorahnung den Zuschauer bereits 60 Minuten lang angesprungen hat. Abgesehen davon ist die Realität um einiges Härter als diese Folge "Black Mirror", oder habt ihr schon mal einfach so am Empfang von Facebook angerufen und wurdet zu einem Mitarbeiter durchgestellt, als ihr danach verlangt habt? Hahaha, guter Scherz.

Die traurige Realität ist auch, dass bereits seit Jahren hunderte Menschen pro Jahr sterben, weil sie mit dem Handy am Steuer hantieren. Mit der Zukunft hat die Folge auch deshalb wenig zu tun.

Folge 3

Miley Cyrus aka Ashley Oh aka Alexa auf Rädern

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Wer es durch die katastrophale Neuauflage von "Nicht auflegen" geschafft hat, wird nicht belohnt:

Die Idee, dass die profitorientierte Managerin des Superstars Ashley Oh (Miley Cyrus in Pink) den Inhalt des Hirns der Sängerin ausliest und in eine pinkfarbene Alexa kopiert, war der perfekte Anlauf zu einem Horrorszenario, bei dem am Ende die Menschheit ernsthaft von pinkfarbenen, rollenden Sprachassistenten bedroht wird. Richtiger "Black Mirror"-Stoff.

Doch: Daraus wird nichts.

Stattdessen entwickelt sich ein seichtes Teeniedrama, in dem ein Teenagermädchen, das keine Freunde, keine Mutter mehr, eine gemeine Gitarre spielende Schwester, einen sehr trotteligen Vater und ein großes Faible für Ashley Oh hat, die Welt vor einer raffgierigen Produzentin rettet. Am Ende tauscht Ashley Oh die pinkfarbene Perücke gegen eine Gitarre und ist total fucking happy und ich super fucking sauer, weil das nichts mehr mit "Black Mirror" zu tun hat.

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Die Erwartungen waren hoch – zu hoch?

Die fünfte Staffel hat drei Folgen. Das sind ebenso viele wie in Staffel eins, und kein Grund sauer zu sein. Die erste Staffel hat schließlich unser aller Hirn zermalmt. Und da war mein erstes Problem mit der jetzigen Staffel schon geboren: Die Erwartungshaltung. Denn die war nach "Bandersnatch" noch höher. Zu hoch vielleicht. Keine der drei Folgen kam an die WTF-Momente der vergangenen Staffeln an, – weil die Serie ohne Konsequenz zu Ende ging.

Weder Danny und der virtuelle Seitensprung, noch Billie, der Erfinder von "Smithereens", oder Ashely Ohs Managerin hatten wirklich krasse Konsequenz zu tragen. Es wird aber auch nicht klar gezeigt, dass Männer, Start-up-Milliardäre und skrupellose Manager meistens ungeschoren davon kommen. Nein. Am Ende sind eigentlich alle happy und wer nicht happy ist, wird nicht gezeigt.

Ungefähr diesen Gesichtsausdruck von Miley Cyrus hatte ich auch beim Schauen

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Führen die uns an der Nase herum?

Ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, ob "Black Mirror"-Produzent und Schreiber Charlie Brooker uns mit dieser komplett langweiligen, zu Rom-Com-verkommenen Staffel in eine Falle locken will und deshalb derart schlechten Stoff veröffentlicht, – um genau die Reaktion aus uns rauszukitzeln, die jetzt gerade läuft: Kritik und Ablehnung, Häme, Abrechnungen und Rants wie meiner hier. Nur um dann in drei Wochen alternative Enden zu liefern. Das wäre krass. Das wäre gut. Das wäre der Twist, den die Staffel braucht. Denn sonst ist und bleibt sie einfach eine Katastrophe, von der ich nur jedem abraten kann.

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