Nase voll: Schalke-Profi Bastian Oczipka nach dem Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg. Es war die 24. Partie ohne Sieg für die Gelsenkrichener.
Nase voll: Schalke-Profi Bastian Oczipka nach dem Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg. Es war die 24. Partie ohne Sieg für die Gelsenkrichener.
Bild: Tim Rehbein/RHR-FOTO / imago images

Tasmania drückt jetzt Schalke die Daumen – um Negativrekord zu behalten

25.11.2020, 12:0726.11.2020, 09:52

Schalke 04 steht am Abgrund. Was sich derzeit beim Bundesligisten, der einst Stolz Hunderttausender Fans in ganz Fußballdeutschland war, abspielt, spottet jeder Beschreibung: Querelen im Training, Suspendierungen von Spielern, die Trennung von Kaderplaner Michael Reschke, Vedad Ibisevic wurde die Kündigung ausgesprochen.

In allen Bereichen scheint es auf Schalke gerade Auflösungserscheinungen zu geben. Die Grundlage all dieses Übels ist der anhaltende sportliche Misserfolg. Das 0:2 am achten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg war ein erneuter Offenbarungseid. Schalke ist mit nur drei Punkten auf dem Konto Letzter in der Tabelle. Schalke hat noch keinen Sieg in dieser Saison (außer im Pokal gegen Viertligist Schweinfurt). Schalke rast in vollem Tempo auf den vierten Abstieg in der Vereinsgeschichte zu. Seit 24 Bundesligaspielen (seit dem 25. Januar!) sind sie schon ohne Sieg.

Schalke 04 jagt Tasmania Berlins Negativrekord von 31 Spielen ohne Sieg

Die Königsblauen jagen damit auch den Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66. Tasmania, das ist die Chiffre des Misserfolgs. Das Synonym dafür, dass man zu schlecht ist, um in der Bundesliga mithalten zu können. Der Klub aus der Hauptstadt hält immer noch die Negativ-Bestmarke aus der Saison 1965/66 mit 31 Partien ohne Sieg. Betonung auf noch, denn Schalke steht in dieser Statistik nun auf dem zweiten Platz.

Ibisevic, Harit, Bentaleb: Gekündigt, suspendiert, suspendiert (v.l.n.r.).
Ibisevic, Harit, Bentaleb: Gekündigt, suspendiert, suspendiert (v.l.n.r.).
Bild: imago images / TEAM2

Das freut den Negativrekordhalter, möchte man meinen. Doch die Berliner zittern um ihre unrühmliche Bundesligabestmarke. "Ich würde mir nicht wünschen, dass Schalke den Rekord knackt. Ich glaube auch nicht daran", sagte der Vorstandsvorsitzende Almir Numic dem Sport Informationsdienst (SID) am Montag: "Das ist seit Jahrzehnten unser Rekord. Der gehört zur Tasmania-Identität."

Löst Schalke 04 bald Tasmania Berlin ab? Die Freude hält sich in Grenzen

Tasmania, 1973 neu gegründet, ist aktuell souveräner Tabellenführer der fünftklassigen Oberliga Nordost – und der Verein profitiert immer noch vom zweifelhaften Ruhm seiner ersten und einzigen Bundesligasaison in den Sechzigern.

Eine Saison in verschiedenen Graustufen: Ein Spieler von Tasmania (l.) versucht, sich gegen einen Spieler von Eintracht Braunschweig durchzusetzen.
Eine Saison in verschiedenen Graustufen: Ein Spieler von Tasmania (l.) versucht, sich gegen einen Spieler von Eintracht Braunschweig durchzusetzen.
Bild: imago/Rust

"Jeder kennt Tasmania. Zu Saisonbeginn wird in der Sportschau immer über uns gesprochen. Da stehen wir gratis in der Presse", sagte der Unternehmer Numic: "Da brauchen wir keine Werbekampagne. Es wäre schön, wenn das weiterhin so wäre."

Tasmania war 1965 nach dem Ausschluss von Hertha BSC per Verbandsbeschluss in die Liga gehoben worden, damit Berlin dort vertreten sein konnte.

(as/mit sid)

Unvergessen

Weil er betrunken ist, pfeift Schiri Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit

8. November 1975: Beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Hannover ist erst eine halbe Stunde vorbei, als Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder zur Halbzeit pfeift. Offenbar gab es zum Mittagessen Bier und Malteser-Schnaps.

Eine Stunde vor der Partie gegen Hannover erscheint ohne Vorankündigung in kurzen Hosen und einem luftigen Hemd der Schiedsrichter in der Spielerkabine.

Der Unparteiische möchte nur kurz dem Masseur zum Geburtstag gratulieren, doch den Spielern steigt sofort ein beißender Alkoholgeruch in die Nase. Horst-Dieter Höttges, Libero bei Bremen, erkennt die Situation sofort und nimmt den Schiedsrichter zu sich: "Mensch, Wolf-Dieter, du bist ja total blau", so der 31-jährige Verteidiger überrascht. …

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