Interview

Oliver und Boris Schumacher stellten bei "Das Ding des Jahres" ihre Erfindung vor. Bild: ProSieben/Willi Weber

Interview

"Ding des Jahres": Warum die Pulverseife trotz Plastikverpackung so nachhaltig ist

In der aktuellen Staffel von "Das Ding des Jahres" haben viele Erfindungen mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun. So stand auch das letzte Duell der Show von Mittwochabend ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Plastikfreie Verpackung vs. ein Seifenpulver, das sowohl als Shampoo, Duschgel, Handseife und Gesichtsreiniger eingesetzt werden kann. Klingt beides nach spannenden Ideen.

Denn mal ehrlich: Nicht jeder ist ein Fan von festen Shampoos und möchte dennoch Müll reduzieren. Ungefähr so ging es auch Oliver und Boris Schumacher aus Hamburg, den Erfindern von "All In Wash". Vor etwa einem Jahr begannen sie mit der Tüftelei und haben es nun geschafft, ihr Produkt auf den Markt zu bringen – und in der ProSieben-Show vorzustellen. Watson hat mit den Erfindern des Seifenpulvers über ihre Idee gesprochen.

watson: Wie seid ihr auf eure Idee gekommen?

Oliver und Boris Schumacher: Auf die Idee für "All In Wash" kamen wir ganz klassisch unter der Dusche, weil man da ja vor allem mit den ganzen Flaschen überhaupt in Berührung kommt. Da ist uns dann zum ersten Mal bewusst geworden, wie viel Plastik dieser Luxus, ein flüssiges Gel zu haben, überhaupt mit sich bringt. Zugleich ist es so, dass ein Stück Seife nicht unser Ding ist. Wir wollten schon etwas Flüssiges haben. Wir dachten uns, das muss aber doch einfacher und ohne so viel Verpackung gehen. Vor allem, weil der Großteil davon ja auch aus Wasser besteht.

Boris Schumacher will Müll vermeiden. Bild: ProSieben/Willi Weber

Wie genau kann man sich "All in Wash" vorstellen?

Dadurch, dass wir das Wasser weggelassen haben, haben wir ein hochkonzentriertes Pulver. Das kann sich der Kunde zu Hause mit kaltem Wasser anmischen, zwei Minuten kräftig rühren und nach etwa 15 Minuten Wartezeit, in der der Verdicker richtig wirkt, hat man dann ein flüssiges "All In Wash", das man für den Köper, die Haare und das Gesicht verwenden kann.

Natürlich steckt hinter vielen Produkten, die auf ein spezielles Bedürfnis ausgerichtet sind, sehr viel Marketing

Es ist ein Produkt für alles: Shampoo, Duschgel, Handseife und Gesichtsreiniger. Wenn das mit einem Produkt möglich ist, warum gibt es dann überhaupt noch so viele verschiedenen Haar- und Hautprodukte?

Zuallererst ist es ein Kann. Man muss es nicht für alle vier Sachen verwenden. Uns war es ein Anliegen, ein Produkt auf den Markt zu bringen, was für alle vier Bereiche verwendet werden kann und damit gleich vier Plastikflaschen auf einen Schlag zu ersetzt. Natürlich steckt hinter vielen Produkten, die auf ein spezielles Bedürfnis ausgerichtet sind, sehr viel Marketing. Für spezielle Bedürfnisse, wie besonders empfindliche Haut, sehr fettiges oder dünnes Haar, brauchst du durchaus ein Spezialprodukt. Für den durchschnittlichen, normalen Haar- und Hauttyp geht aber auch ein Kombiprodukt. Dadurch, dass wir Silikone und Parabene weglassen, können außerdem noch mehr Kunden unser Produkt benutzen.

Gibt es auch Menschen, für die es eher nicht geeignet wäre?

Jeder Körper, jedes Haar, ist anders. Es ist aber so, dass unser "All In Wash" kein Medizinprodukt ist. Für starke Akne oder Neurodermitis empfehlen wir es nicht. Auch bei starken Allergien und Unverträglichkeiten sollte man ein Spezialprodukt benutzen.

Das Ding des Jahres: Jury

Die Jury: Rewe-Chefeinkäufer Hans-Jürgen Moog, Joko Winterscheidt, Lena Gercke und Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer (v.l.). Bild: ProSieben/Willi Weber

Ist die Dosierung unter der Dusche unterschiedlich?

Nein, die Dosierung ist nicht unterschiedlich. Wir empfehlen sogar, wenn man es in der Dusche benutzt, es im Haar aufzuschäumen und dann von dort aus auf dem Körper zu verteilen. So können die speziellen Wirkstoffe im Haar auch nochmal länger einwirken.

Wir arbeiten nicht mit Parfüm

Wo soll es preislich liegen, wenn ihr sagt, dass es kein Luxusgut sein soll?

Das Produkt ist zum Verkaufspreis von 18 Euro beim einmaligen Kauf und für 16 Euro im jederzeit kündbaren Abonnement erhältlich. Man erhält dafür 100 Gramm des Pulvers, womit man einen Liter "All In Wash" herstellen kann. Damit landet man bei etwa 1,60 bis 1,80 Euro pro 100 Milliliter, was dem Preis eines guten Markenprodukts entspricht.

Maximal zehn Inhaltsstoffe sollen enthalten sein. Welche wären es denn beispielsweise?

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählt zum einen das Tensid, die waschaktive Substanz. Das ist sodium cocoyl isethionate, ein besonders mildes Tensid, was im Volksmund auch als Babyschaum bezeichnet wird. Dann haben wir uns noch auf zwei Hauptwirkstoffe konzentriert: zum einen Aloe Vera und zum anderen Weizenprotein. Wir arbeiten nicht mit Parfüm, sondern nur mit reinen ätherischen Ölen.

So sieht das "All In Wash" aus. Bild: ProSieben/Willi Weber

Das Produkt soll ohne Karton verschickt werden. Wie ist es denn verpackt?

Das Pulver ist in einem kleinen, dünnen Beutel verpackt, weil der die Möglichkeit bietet, das Produkt zum einen darin aufzubewahren und zum anderen es darin direkt zu verschicken. Es hat die Höhe, es auch in einen Briefkasten zu stecken. Dadurch, dass wir sowohl das Wasser weglassen und auch noch auf so eine dünne Verpackung setzen, sparen wir 95 Prozent der Verpackung ein, wenn man es mit einem herkömmlichen Produkt vergleicht. Dabei ist noch völlig außen vor, was bei einer Onlinebestellung sonst noch an Verpackungsmüll obendrauf käme.

Fleisch kommt eben nicht aus der Tiefkühltruhe und Strom nicht einfach aus der Steckdose

Woraus besteht der Beutel?

Der ist aus einem 100 Prozent recyclebaren Monomaterialverbund aus Polypropylen.

Wie wichtig ist euch Nachhaltigkeit selbst?

Grundsätzlich ist es so, dass das Thema Nachhaltigkeit aktuell in aller Munde ist. Uns ist schon bewusst, dass jeder etwas dafür tun kann und auch sollte, um unseren Nachfahren eine bessere Welt zu hinterlassen. Wir sind gerade erst Onkel geworden und dann fragt man sich natürlich noch mehr: Kann ich etwas tun?

Und was tut ihr?

Natürlich achten wir auch auf die kleinen Dinge: Mehr zu Fuß gehen, Ökostrom beziehen, vegetarisch Leben. Es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, woher die Dinge kommen und sie nicht als selbstverständlich und ständig verfügbar hinzunehmen. Fleisch kommt eben nicht aus der Tiefkühltruhe und Strom nicht einfach aus der Steckdose.

In der Show keine Chance gegen den "Nachhälter"

Bei "Das Ding des Jahres" mussten sich die beiden Erfinder am Ende zwar dem Erfinder-Team rund um den "Nachhälter" geschlagen geben. 67 Prozent des Publikums stimmten für die nachhaltige Tüte aus Zellulose, die eine Plastikverpackung im Supermarkt ersetzen soll.

Titel: Das Ding des Jahres; 
Staffel: 3; 
Folge: 4; 
Person: Janin Ullmann; Edna Kleber;Christoph Kleber; 
Copyright: ProSieben/Willi Weber; 
Fotograf: Willi Weber; 
Bildredakteur: Jan Islinger; 
Dateiname: 1875643.jpg; 
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Die Erfinder vom "Nachhälter": Christoph Kleber und seine Frau Edna Kleber-Belizário. Bild: ProSieben/Willi Weber

Von den Juroren Lena Gercke, Joko Winterscheidt, Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer sowie Rewe-Chefeinkäufer Hans-Jürgen Moog bekamen Oliver und Boris Schumacher dennoch viel Lob. Nicht nur das Seifenpulver kam gut an, sondern auch das gesamte Konzept. Denn die Verpackung ist nachhaltig – obwohl sie aus Plastik besteht. Wie das funktioniert? Der Kunde soll die Verpackungsbeutel sammeln und wieder zurücksenden. "Wir kümmern uns dann in Zusammenarbeit mit Pressure Plastic und einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderungen um das Recycling und sorgen dafür, dass aus den Verpackungen sinnvolle, neue Gegenstände entstehen können", berichtete Boris Schumacher in der Sendung.

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