Bürgermeister Peter Tschentscher beriet am Dienstag gemeinsam mit Angela Merkel und den 15 anderen Ministerpräsidenten über die Corona-Maßnahmen.
Bürgermeister Peter Tschentscher beriet am Dienstag gemeinsam mit Angela Merkel und den 15 anderen Ministerpräsidenten über die Corona-Maßnahmen.
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"Markus Lanz": Journalistinnen stellen sich gegen Hamburgs Bürgermeister

06.01.2021, 06:3306.01.2021, 12:31

Ein neues Jahr und doch bleibt vieles beim Alten. In dieser ersten "Markus Lanz"-Sendung im Jahr 2021 ist Corona noch immer das Topthema. Kein Wunder: Schließlich wurden pünktlich zum Sendestart der Talkshow neue Beschlüsse in der Corona-Politik verkündet. Am Dienstagabend trat Angela Merkel nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer vor die Kameras. Die Kanzlerin verkündete: Der Lockdown wird bis Ende Januar verlängert, einige Maßnahmen sogar noch verschärft.

Moderator Markus Lanz diskutierte die neuen Beschlüsse sowie den Impfstart in Deutschland unter anderem mit Peter Tschentscher, dem Bürgermeister Hamburgs (SPD), sowie mit Journalistin Claudia Kade. Die "Welt"-Politikexpertin warf der Bundesregierung Versäumnisse sowie Fehler in der Impfstoffbeschaffung vor.

Das waren die Gäste bei „Markus Lanz“ am 5. Januar 2021:

  • Peter Tschentscher, Politiker
  • Cerstin Gammelin, Journalistin
  • Claudia Kade, Journalistin
  • Prof. Peter Kremsner, Infektiologe
  • Diana Zimmermann, Journalistin

Corona-Maßnahmen: Peter Tschentscher fährt lieber auf Sicht

"Wir lernen nun so hässliche Wörter wie Bewegungsradius", stellte Markus Lanz in der Einführung zu seiner Auftaktsendung im Januar 2021 bezüglich der neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern fest. Peter Tschentscher verteidigte die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Bürger in Hotspot-Gebieten sowie die Schulschließungen. Es gelte nun auf der sicheren Seite zu sein und die Infektionszahlen so schnell wie möglich zu senken.

"Jeder kleine Beitrag zum Infektionsgeschehen ist in dieser Situation jetzt ein Problem", erklärte Tschentscher.

Journalistin Cerstin Gammelin kritiserte, der strengere Lockdown käme zu spät: "Die Beschlüsse, die heute gefasst worden sind, die hätten im November gefasst werden müssen." Die Redakteurin der "Süddeutschen Zeitung" kritisierte, die Lockdown-Maßnahmen in Deutschland würden sich mit Verlaub "hinziehen wie ein lang gezogener Kaugummi".

Journalistin Cerstin Gammelin analysiert das Agieren der teilnehmenden Akteure in der Corona-Pandemie.
Journalistin Cerstin Gammelin analysiert das Agieren der teilnehmenden Akteure in der Corona-Pandemie.
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Der Erfolg der Einschränkungen sei jedoch gering – und die Folgen gleichzeitig teuer. Claudia Kade stimmte ihrer Kollegin hier zu. Bildhaft sprach auch sie von "Salami-Entscheidungen, die alle mürbe machen".

SPD-Mann Peter Tschentscher gab zu, dass der Lockdown-light im November im Rückblick ein Fehler gewesen sei, schob die Verantwortung jedoch dem Bund zu: "Das kam als Empfehlung vom Bund und wir haben das so gemacht." Sowohl Cerstin Gammelin als auch Claudia Kade widersprachen dem Bürgermeister von Hamburg an dieser Stelle vehement.

Kanzlerin Merkel habe sehr deutlich gesagt, sie hätte sich den November-Lockdown gewünscht, sei aber, so Claudia Kade, am Widerstand der Länder gescheitert. Verantwortung hin oder her – auch der Infektiologe in der Runde, Prof. Peter Kremsner, zeigte sich sicher:

"Richtig harte Maßnahmen bringen ganz sicher mehr."

Corona-Impfung: Scharfe Kritik an Impfstoff-Beschaffung

Alle Gäste bei "Markus Lanz" waren sich an diesem Abend zumindest in einem Punkt einig: Es sei völlig richtig gewesen, den Corona-Impfstoff innerhalb der EU und nicht im Alleingang zu bestellen. Dennoch lief der Impfstart in Deutschland bisher schleppend. Erfahrungsberichte zeugen von fehlenden Impfdosen und chaotischer Terminvergabe. Peter Tschentscher (SPD) machte in der ZDF-Talkshow klar: "Wir hätten uns natürlich sehr gewünscht, dass wir gerade zum Impfstart mehr Impfstoff bekommen." Wie auch seine Partei, forderte Tschentscher Transparenz und Aufklärung über mögliche Fehler bei der Impfstoffbeschaffung.

Journalistin Claudia Kade wirft der Bundesregierung bei der Impfstoff-Beschaffung "großes Versagen" vor.
Journalistin Claudia Kade wirft der Bundesregierung bei der Impfstoff-Beschaffung "großes Versagen" vor.
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Claudia Kade kritisierte "die Instransparenz auf EU-Ebene und in Deutschland" bei den Verhandlungen über die Impfstoff-Beschaffung. Der Fehler der Bundesregierung liege außerdem darin, sich in der finalen Phase der europäischen Verhandlungen nicht stärker auf den Biontech-Impfstoff fokussiert zu haben. Ähnlich starke Kritik kam in den vergangenen Tagen nicht nur aus der Opposition, sondern auch von der SPD. Moderator Markus Lanz fragte neugierig in die Runde: "Ist das jetzt nicht ein Schwarze-Peter-Spiel, das hier abläuft?" Cerstin Gammelin urteilte:

"Es gab Angriffe, die waren einfach unanständig."

Die Journalistin witterte hier einen Zusammenhang: "Zum Jahresanfang ist nicht nur die Impfkampagne gestartet, sondern auch der Wahlkampf." Schließlich stehe in Deutschland ein Super-Wahljahr bevor. Dies nutze die SPD derzeit politisch für sich. Peter Tschentscher wies den Vorwurf, der von allen Seiten stellvertretend für seine Partei auf ihn einprasselte, von sich, und schob die Verantwortung auf das Gesundheitsministerium. Claudia Kade hielt mit Blick auf die Kritik der SPD dagegen: "Ich finde gut, dass man aufklärt, dass man Fragen klärt. Aber ehrlich gesagt, so demonstrativ wie das jetzt gemacht wird, das wird der Pandemie nicht gerecht."

Infektiologe Prof. Peter Kremsner befand kurzfristige, harte Corona-Maßnahmen für wirkungsvoller als einen Lockdown light.
Infektiologe Prof. Peter Kremsner befand kurzfristige, harte Corona-Maßnahmen für wirkungsvoller als einen Lockdown light.
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Infektiologe Prof. Peter Kremsner blickte optimistisch auf das Thema Corona-Impfung. Kremsner meinte: "Wir sollten trotz aller Ungeduld zufrieden sein." Damit lieferte der Infektiologe einen positiven Ausgang zu einer munteren und durchaus hitzigen Diskussion an diesem Abend bei "Markus Lanz".

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