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Erst zerstörte Rezo die CDU, jetzt die Bildungspolitik. Doch der Lehrer-Präsident kritisiert die Aussagen des Youtubers. Bild: screenshot youtube

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Lehrer-Präsident kritisiert Rezo: "Muss in Bildungspolitik noch an Expertise arbeiten"

Rezo hat offenbar mal wieder einen Nerv getroffen. Nachdem er mit "Die Zerstörung der CDU" eine ganze Partei in die Krise stürzte, kassiert er nun für sein Video zu den geplanten Schulöffnungen und Abiturprüfungen viel Lob in sozialen Netzwerken. Der Youtuber geht darin mit den beschlossenen Lockerungen der Maßnahmen recht hart ins Gericht und kritisiert, dass die Wiederöffnung der Schulen viel zu früh komme. Das Video wurde bislang rund eine Million mal angesehen.

Der Präsident des deutschen Lehrerverbands widerspricht ihm jedoch in einigen zentralen Punkten. "Ich weiß nicht, woher Rezo seine besondere Expertise für diese Aussagen zieht", erklärt Heinz-Peter Meidinger gegenüber watson. Die Schulöffnungen erfolgten aufgrund einer generellen Lockerung des Lockdowns durch Entscheidung aller Landesregierungen und der Bundesregierung auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts und der Einschätzung der Leopoldina.

Hygienemaßnahmen jetzt leichter umsetzbar

Rezo hatte erklärt, die Schulen seien gar nicht gut genug ausgestattet, um die erforderlichen Hygienemaßnahmen umzusetzen. Meidinger widerspricht: "Klar hätten wir uns mehr Vorlauf gewünscht, um Hygieneschutzmaßnahmen umzusetzen. Da aber nur 15 Prozent aller Schüler, nämlich die Abschlussklassen, jetzt zurückkehren, sind Abstandsgebot und Hygieneschutzmaßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt viel leichter umzusetzen, als wenn später die Mehrheit der Schüler zurückkehrt"."

Aus diesem Grund sei es auch wenig riskant, die Abitur- und andere Abschlussprüfungen jetzt durchzuführen, da aufgrund der Abwesenheit anderer Jahrgangsgruppen genügend Räume und auch Lehrer für Aufsichten zur Verfügung stünden.

23.04.2020, Nordrhein-Westfalen, Übach-Palenberg: Zwei Schüler, einer davon mit einer Schutzmaske, bearbeiten Informatikaufgaben im Informatik-Grundkurs des Abiturjahrgangs am Carolus-Magnus-Gymnasium. Knapp sechs Wochen nach der Schließung von Kitas und Schulen wegen der Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen öffnen die Schulen am Donnerstag wieder für Prüflinge. Foto: Jonas Güttler/dpa | Verwendung weltweit

Zwei Schüler, einer davon mit einer Schutzmaske, bearbeiten Informatikaufgaben im Informatik-Grundkurs eines Abiturjahrgangs in Nordrhein-Westfalen. Bild: dpa / Jonas Güttler

Durchschnittsabitur wäre ungerecht

Auch Rezos Vorschlag, ein Durchschnittsabitur durchzuführen, sieht Meidinger kritisch. "Das bedeutet den Verzicht auf Abiprüfungen. Abiprüfungen fallen im Durchschnitt rund ein oder zwei Zehntel schlechter aus als die Vornoten. Außerdem sind in Hessen und Rheinland-Pfalz die schriftlichen Abiprüfungen schon durch und man kann beim Durchschnittsabitur nicht, bei der Abiprüfung aber sehr wohl durchfallen. Daher würde ein Ausscheren von Ländern in Richtung Durchschnittsabitur eine neue Bildungsungerechtigkeit in Deutschland schaffen, nicht zuletzt in Bezug auf die Studienzulassung in zulassungsbeschränkten Fächern."

Das sei auch ungerecht gegenüber den Vorjahresabiturienten, die sich häufig auch in diesem Herbst noch auf Studienplätze bewerben würden:

"Nicht zuletzt deshalb haben manche Unis schon angekündigt, in einem solchen Fall bei 'Durchschnittsabiturienten' von ihrem Recht auf eigene Auswahlverfahren Gebrauch zu machen."

Genau das hatte Rezo in seinem Video verneint und auf das Hamburger Abkommen verwiesen, nach dem alle Bundesländer die Bildungsabschlüsse anderer Bundesländer respektieren müssen. Dieser Hinweis erschließe sich ihm nicht, erklärt Meidinger. "Im Hamburger Abkommen ist von einem Verzicht auf Abiprüfungen mit keinem Wort die Rede."

Sein Fazit fällt insgesamt also sehr kritisch aus. Er schätze manche kritischen Videos von Rezo durchaus, dieser leiste einen Beitrag dazu, Kinder und Jugendliche stärker für Politik zu interessieren:

"Aber in der Bildungspolitik muss er noch an seiner Expertise arbeiten."

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    Alle Leser-Kommentare
  • ᏚᎻᎪᎠᎾᎳ NᏌᏆᎬᏞᏞᎪ 24.04.2020 18:36
    Highlight Highlight "Im Hamburger Abkommen ist von einem Verzicht auf Abiprüfungen mit keinem Wort die Rede."

    Hauptsache die Aussage mit dem Hamburger Abkommen aus dem Kontext des Videos ziehen.
    Es ging darum, dass der Abschluss woanders nicht anerkannt werden könnte und dies durch das Hamburger Abkommen garnicht passieren könnte
    Und nicht, dass darin etwas von Verzicht von Abi Prüfungen steht.
    Wäre vielleicht sinnvoll das Video richtig anzusehen und zuzuhören bevor man sich dazu äußert..
  • G Lorenz 24.04.2020 17:29
    Highlight Highlight Hier werden einige Punkte angeführt, die Rezo tatsächlich völlig außen vorgelassen hat z.B. der Hinweise auf die Schülerzahl oder auf das HA und die Gründe für die Prüfungen, die im HA nicht stehen (da geht es nur um Zeugnisse). Auch hat Rezo immer wieder Argumente gegen Prüfungen mit denen gegen Schulöffnungen vermischt.
    Oder Faktenlage gar nicht erwähnt, siehe Maßnahmen anderer Länder oder Zulassungsbeschränkungen von Universitäten.
    Oder die Abiturienten*innen der Vorjahre und Zukunft.
    Hauptsache seiner Zielgruppe und deren Wunsch entsprechen (Videogrund waren ja auch die Zuschriften).
  • Cassie 24.04.2020 07:44
    Highlight Highlight allen gerecht zu werden kann nicht funktionieren,dazu noch alle diejenigen die auf ihre Extra,Ausnahmen beharren.Warum muss Schule oder sonstige derartige Einrichtungen von 8-16 Uhr gehen?Lehrer und sonstige könnten im 3 SchichtSchichtdienst wie andere Arbeitnehmer auch arbeiten/unterrichten.Von 6/7 Uhr bis 22 Uhr und auch bitte schön am Samstag.Jüngere Schüler bis Mittag,damit sie nach Schulunterricht noch dort essen könnten,andere jüngere Schüler die erst Mittags in Schule kommen,könnten vor Schulbeginn dort essen.Klassenräume sind genügend vorhanden aber stehen die meiste Zeit am Tag leer.
  • Kreuhn Kohrman 23.04.2020 20:53
    Highlight Highlight Ach lieber Herr Meidinger, Rezo hat es doch nun wirklich haarklein erklärt. Was genau haben Sie denn da jetzt nicht verstanden ? Bei Ihrer wenig fundierten Kritik an Resos Aussagen scheint sich das Thema "Inkompetenz" fast irgendwie fortzusetzen... peinlich.
    • Tinta62 24.04.2020 18:44
      Highlight Highlight Völlig richtig und ziemlich peinlich für Herrn Meidinger. Schade, dass er die Berufskollegs völlig vergisst. Da werden nämlich jetzt bis zu 1000 Schüler durchgeschleust. Die stehen zur Zeit im Abitur, machen die Fachhochschulreife oder befinden sich in Prüfungen im dualen System.....Aber Frau Gebauer weist schon darauf hin, dass es tote Schüler, Lehrer und Eltern geben wird. Dafür bemüht man dann den schulpsychogischen Dienst. Also alles nicht so schlimm!
  • stahlbau-grauerwolf 23.04.2020 18:28
    Highlight Highlight nur mal so nebenbei, Durchnittszabitur?
    noch niegehört, neues Wort.
    Ein Abitur und damit die Hochschulreife kann man auch
    im Abendstudium erreichen oder nachholen
    geht alles auch nach Corona
    der Mensch vermag viel, unglaublich viel, wenn er nur
    ernstlich will. J.W.v. Goethe.
    eigene Erfahrung.
  • tanzmaus 23.04.2020 15:57
    Highlight Highlight Herr Meidinger mag für die Hygiene-& Abstandsregeln ja durchaus recht haben wenn es um die Durchführbarkeit mit den wenigen Schülern im Abi bzw in Abschkussprüfungen geht. Aber dann folgen im Wochenrhythmus die anderen Jahrgänge und dann wirds eng, egal ob die Klassen halbiert werden oder der Unterrichtsbeginn zeitversetzt idt etc. Die meisten Schulen können das dann nicht mehr leisten. Dafür ist die Vorbereitungszeit zu kurz.

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