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Kurt Beck will die Bundesländer zusammenlegen? Nein danke.

Saarländer max biederbeck

Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck will Bundesländer zusammenlegen. Der watson-Saarländer kann es nicht mehr hören.

07.08.18, 14:17 08.08.18, 14:56

Lieber Kurt Beck,

Es gibt da diese Szene vor Jahren, an die ich mich gerne erinnere: Ich bin gerade auf dem Weg zu meiner Universität nach Mannheim. Von Neunkirchen/Saar aus muss ich dafür in Homburg umsteigen. Es ist früher Vormittag, kalt und gerade hat es angefangen zu regnen.

Gefühlt regnet es immer, wenn ich in Homburg umsteige, um ins große Deutschland zu fahren. Ich hole mir also einen dieser verkohlten aber warmen Kiosk-Kaffees und hocke mich in die S-Bahn, die binnen weniger Minuten aus dem Saarland raustuckern wird.

Ortsrat der Ringe auf saarländisch: Die "moselfränkische" Version

Video: YouTube/David Schmelzer

In diesem Moment begreife ich: Homburg ist für mich so etwas wie die Grenzstadt Bree in "Herr der Ringe". Sie liegt direkt am Rande des Auenlands und ich bin auch nur einer dieser Hobbits auf dem Weg in die Welt. An mir vorbei rauscht der Wald, rauschen verblasste, heruntergekommene Häuser und nasse Wiesen. Irgendwie ist alles klein und eng. Eine Mischung aus Vertrautheit, Wehmut und auch ein wenig Ablehnung kommt in mir hoch.

Nun, Herr Beck, hatten Sie eine Idee, die mein Gefühl direkt anspricht. Ich verstehe das ja: Es ist heiß, keiner hört zu und mitten in diesem Sommerloch wollten Sie mal wieder eine Diskussion auslösen. Verschiedene Themen boten sich wohl an.

Sie wählten leider genau jenen Vorschlag, den ich so gar nicht mehr hören kann. Sie halten es „für wünschenswert“, aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz eine neue Einheit zu formen, „ohne dass die Menschen das innerlich ablehnen“.

Ich bin kein Patriot, Herr Beck, dennoch lehne ich das ab!

Sie sollten über mich wissen: Ich liebe Schwenken, aber ich meine den Grill, nicht das Schwenken von Fahnen. Ich bin ein Gegner von jeglichem Nationalismus. Ich verachte Chauvinismus. Im oben erwähnten Moment in Homburg habe ich allerdings begriffen, dass „Heimat“ auch etwas ganz Anderes bedeuten kann. Dass hinter dem Begriff eine Prägung steckt, die mich definiert, egal wo ich hingehe. Egal, was ich denke. Und egal, ob ich sie möchte oder nicht.

Ich lebe jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr im Saarland. 

Dehemm nennt ma enner wie mich „Exil-Saarlänner“.

Der verlässt das Auenland zwar, aber selbst im dicken Berlin bleibt er eben noch immer Hobbit. Irgendwie klein, irgendwie geritzt, irgendwie stolz. (Über die Haare an den Füßen wollen wir mal nicht reden.) Allé hop, Neinkeijer Bub äwe.

Dort schwätze ma übrigens Rheinfränkisch, wie in dem Video do:

Video: YouTube/Palutena

Wenn Sie, Herr Beck, all diese Gefühle nur einen Moment lang nachvolllziehen können, dann verstehen Sie sicher: Ihr Vorschlag ist nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern er wirkt auch anmaßend.

Sie wischen mit Ihm weg, dass es Menschen in ihren jeweiligen Regionen eben nicht allein um Geld, Verwaltung und organisatorische Effizienz geht. Sondern um Achtung. Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes wussten das – es gehört zum Föderalismus-Prinzip.

Es sieht nicht vor, die kleinsten Mitglieder einfach auszutilgen. Auch dann nicht, wenn es wirtschaftliche Probleme gibt. Wer das wieder und wieder versucht, der lässt nur Mehrheiten in der Demokratie zu. Und ein solcher Gedanke dürfte Ihnen als Sozialdemokrat eigentlich so garnicht gefallen, oder?

Sie waren lange Landesherr von Rheinland-Pfalz Herr Beck,

Glauben Sie mit all Ihrer Erfahrung vor Ort, dass Ihre Nachbarn im Saarland einer Zusammenlegung zustimmen würden, wenn es hart auf hart kommt?

Ich habe da ehrlich gesagt meine Zweifel. Und ich bin weiter weg als Sie. Auch meine anderen Exil-Freunde sind weiter weg als Sie. Wir sitzen in München, Hamburg und Köln. Trotzdem wissen wir:

Sischa, mir sinn Europäer, awwa mir sinn äwe ach Saarlänner, un mir hann genauso e Recht dezu ze gehere, wie alle annere ach.

Sie wollen Effizienz-Gewinn?

Ein Vorschlag: Als Chef der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung könnten Sie sich doch einmal mehr für Digitalisierung und den Breitbandausbau einsetzen. Wenn eine Bürokratie zum Beispiel ordentlich digital funktionieren würde, würde sie auch weniger Kosten verursachen. Egal, wo sie ihren Sitz hat.

Okay, zugegeben, kein so schlagzeilenträchtiges Thema wie die Forderung nach einer Bundesländerfusion. Aber eines mit echtem Mehrwert.

Dieser Hobbit wünscht Ihnen einen Guten Tag.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ares501 07.08.2018 14:39
    Highlight Berlin und Brandenburg haben die Fusion abgelehnt, weil Brandenburg sich nicht die Berliner Schulden ( ca.3 Mio.€ nach heutigem Stand) aufhalsen wollte.
    Und ich kann diesen Heimat Gedanken nachvollziehen , aber Effizienz und Funktion , sollten manchmal über Emotionen stehen. Aber wenn man sowas macht , müssten alle ran , also auch Bremen, Berlin und Hamburg müssten ihre "Autonomie" aufgeben.
    Nicht bloss das Saarland
    1 2 Melden
    • Max Biederbeck 07.08.2018 14:54
      Highlight Guter Punkt mit Brandenburg und Berlin, schaue ich mir nochmal an den Part! Danke dir!
      2 0 Melden
    • Ares501 07.08.2018 15:04
      Highlight Bitte sehr 😊, ansonsten ein guter Beitrag 👍
      2 0 Melden

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