Eine H&M-Filiale in Deutschland.
Eine H&M-Filiale in Deutschland.
Bild: Getty

"H&M will Personal loswerden": RTL macht dem Mode-Unternehmen schwere Vorwürfe

18.11.2019, 07:1218.11.2019, 09:35

Das RTL-Journal "Punkt 12" wirft der Modekette H&M vor, mit fragwürdigen Methoden ältere Mitarbeiter loswerden zu wollen. H&M widerspricht den Vorwürfen.

  • Ausgangspunkt für die Recherche von RTL war demnach eine Email eines H&M-Mitarbeiters an den Sender: "H&M schließt derzeit eine Filiale nach der nächsten und macht teilweise ein paar Meter weiter eine neue auf, um Personal loszuwerden."
  • In München sprach ein RTL-Reporter mit dem ehemaligen H&M-Mitarbeiter Peter Kawan, dem der Konzern nach 16 Jahren kürzlich gekündigt habe. "Ich glaube, dass sie einfach keine Mütter und ältere Kollegen haben wollen, die nicht mehr hochflexibel sind, die nicht immer mehr samstags arbeiten können", sagt er.
  • Eine RTL-Reporterin, die sich als Bewerberin für eine Stelle als H&M-Verkäuferin ausgibt, bekommt im Vorstellungsgespräch über die gekündigten Mitarbeiter zu hören: "Das ist nicht der Rede wert. Die kommen nicht zu uns."

Das sagt H&M zu den RTL-Vorwürfe

Der Modekonzern widerspricht der Darstellung von RTL. In einer Stellungnahme heißt es:

  • "Sehr gerne möchten wir selbstverständlich unsere Mitarbeiter*innen aus Schließungsgeschäften weiterbeschäftigen. Wir schreiben bei H&M alle offenen Stellen transparent aus." Jedes Geschäft aber sei ein eigener Betrieb und schreibe "Stellen bedarfsgerecht und individuell aus".
  • Und: "Wir freuen uns, dass wir 81 Prozent der bisherigen Bewerber*innen aus den beiden Schließungsgeschäften in München weiterbeschäftigen."

So reagiert ein Anwalt auf den RTL-Bericht

Felix Bußmann, Anwalt für Arbeitsrecht und Verdi-Gewerkschaftssekretär, sagt dem Sender: Die Firma H&M fahre "einen Knallhart-Kurs gegenüber ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern".

Bußmann behauptet: "Der Skandal in den jetzigen Schließungen ist, dass es genug Arbeitsplätze gibt für die Arbeitnehmer."

H&M unter Druck

Erst kürzlich sorgte ein Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") mit Spitzel-Vorwürfen über H&M für Aufsehen. Führungskräfte speicherten demnach Notizen aus Gesprächen mit Mitarbeitern ab, die dann versehentlich einem erweiterten internen Kreis zugänglich wurden.

In den Dateien aufgelistet waren laut "FAZ" nicht nur allgemeine Angaben über einzelne Angestellte am Standort, sondern auch private Details – auch zur Lebenssituation und zu Vorkommnissen im Privaten, wie die Zeitung unter Berufung auf eine "Person, die anonym bleiben will", berichtet.

Die Deutschlandzentrale von H&M in Hamburg bestätigte auf Anfrage der "FAZ" den Vorfall im Grundsatz: Ein Datenordner für Führungskräfte sei einem internen Kreis zugänglich gewesen. Eine Sprecherin kündigte an, dass die Daten wieder gesichert werden würden.

Auf Anfrage der "FAZ" kritisierte Verdi allerdings generell die Abspeicherung dieser persönlichen Daten von Mitarbeitern:

"Wenn Vorgesetzte heimlich analoge oder digitale Gesprächsnotizen über Mitarbeitergespräche anfertigen, verstößt das allein schon eklatant gegen den Datenschutz der Beschäftigten", erklärte die Gewerkschaft. "Die Ergebnisse hinsichtlich des Wohlbefindens und des Gesundheitszustandes der Betroffenen in Listen auszuwerten, ist ein weiterer Verstoß."

(ll/mit dpa)

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