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Sommer bei H&M: Das sind die ekligsten Dinge, die mir als Verkäuferin passiert sind

selina moorbach*

Selina Moorbach (Name redaktionell geändert) hat über ein Jahr lang für die schwedische Modekette gearbeitet. watson.de hat sie erzählt, wie die Kunden im Sommer zu Tieren werden und welche Abteilung die widerlichste war.

Wer es trotz Temperaturen über der 30-Grad-Marke und Weltuntergangs-Gewittern in ganz Deutschland noch nicht bemerkt haben sollte: Wir befinden uns gerade mitten im Sommer – und somit der mit Abstand unangenehmsten und ekelhaftesten Zeit für den Einzelhandel.

Ich habe über ein Jahr lang beim schwedischen Mode-Riesen H&M gejobbt und habe dort jede Saison mitgemacht. Weihnachtskaufrausch, Saison-Sales, Designer-Kollaborationen, Bestandsinventuren... ich war bei jedem Elend dabei.

Man kann an keinen zwei Händen abzählen, wie oft ich Menschen zum Tier werden gesehen habe. Ich wurde als "faul und unfähig" bezeichnet, weil ein Teil nicht mehr in der gewünschten Größe vorhanden war oder musste diskutieren, warum ich Unterwäsche mit offensichtlichen "Tragespuren" nicht zurücknehmen könne. Würde ich jede Strapaze aufzählen, wäre ich wohl bis morgen beschäftigt.

Allerdings gibt es in Sachen Ekel-Faktor eine Zeit im Jahr, die allen anderen weit voraus ist: Den Sommer!

Zwar ist man als Verkäufer (meist) vor den schwitzig-schwülen Temperaturen im klimatisierten Laden geschützt, allerdings verschont einen das nicht vor den anderen Grauen, die der Sommer so mit sich bringt.

Hört auf, euren Müll im Laden zu verteilen!

Das fängt zum Beispiel damit an, dass Sommer die Zeit des "Draußen-Essens" ist. Es gehört zum Lebensgefühl der heißen Tage mit einem kalten Getränk oder einem Eis in der Hand durch die Stadt zu schlendern. Allerdings hat die Sache einen Haken:

Wohin mit dem Eisbecher oder dem Starbucks-Cup, wenn man im Laden freie Hände zum Durchwühlen der Kleidung braucht? Für viele Kunden lautet da leider die selbstverständliche Antwort:

"Den Müll einfach zwischen der Mode oder auf den Regalen platzieren! Am besten verstecke ich den klebrig-nassen Eisbecher noch unter einem Stapel T-Shirts!"

Im Sommer war ich mir daher oftmals nicht sicher, ob ich zur Reinigung des Ladens oder zum Verkauf der Kleidung angestellt war. Denn es gab mit Abstand keine andere Zeit im Jahr, in der ich mehr Essensverpackungen, Taschentücher (ist ja auch Heuschnupfen-Zeit!) und sonstigen Müll wegräumen musste.

Zu dem ganzen Übel kommen dann noch Kleinkinder, die mit Schokoladen-Eis-verklebten Händen helle Kleidung begrabschen ohne, dass die Eltern auch nur ein Sterbenswörtchen von sich geben.

Die Hitze raubt Kunden Verstand und Manieren

Aber nicht nur den Kleinsten scheint es ganz besonders in der Sommerzeit an Manieren zu mangeln. Auch Erwachsene lassen ihre gute Kinderstube beim Betreten des Ladens bei der Hitze gerne an der Tür zurück.

Vielleicht überfordern sie die hohen Temperaturen. Die roten "Sale"-Schilder, die ab Juni langsam immer mehr aufpoppen verwirren die Kunden dann noch mehr. Und wahrscheinlich sollten die meisten von ihnen ihren Kopf eher am See abkühlen anstatt wie "Walking Dead"-Zombies durch die Läden zu wandeln.

Kunden am Wühltisch im Sommer-Sale be like...

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Fakt ist, dass ich nur zur Vorweihnachtszeit so viel Elend mit ansehen musste, wie im Hochsommer. Menschen stritten sich vor meinen Augen so sehr um Sale-Teile, dass ich Angst hatte gleich Zuschauer eines Live-Wrestling-Matches zu werden. Eltern erklärten ihren Kindern vor mir, warum es so degradierend sei in einem Laden wie H&M zu arbeiten, während sie selbigen Nachwuchs mit Kleidung eben dieses Ladens eindeckten. Und Kunden, die den Laden schreiend betraten und genauso wieder verlassen haben, gehörten eh zur Tagesordnung.

H&M-Umkleiden sind im Sommer die widerlichsten Plätze

Richtig ekelhaft war allerdings besonders die Arbeit an den Umkleiden. Zugegeben, das ganze Jahr über war das nicht unbedingt der schönste Dienst, aber im Sommer wurde mein Würgreflex dort ganz besonders auf die Probe gestellt.

Meine Kollegin und ich hatten an vielen Tagen schon zur Vorsicht ein Raumspray am Eingang stehen, das wir viertelstündig versprühen mussten, da der Gestank aus den Umkleiden unerträglich war. Zu allem Übel arbeiteten wir in der Kinderabteilung, an dessen Umkleidekabinen eine Wickelstation angeschlossen war.

Wenn man sich der Garderobe an warmen Sommertagen nur näherte, waberte einem bereits der Duft gefüllter Babywindeln, beissendes Schweißes und schwitzender Füße entgegen. Eine Kombination, die absolut tödlich sein kann.

Doch auch damit nicht genug. In dieser Geruchsatmosphäre musste ich dann noch verschwitzte Kleidung berühren und aufbügeln. Dieser konnte man oft ansehen, anriechen und anfühlen, dass dem vorherigen Träger sehr heiß gewesen sein musste.

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Bademode ist der Endgegner eines jeden H&M-Verkäufers

Meinen ekelhaftesten Tag in meiner "Sales-Advisor-Karriere" beim Modediscounter hatte ich allerdings, als ich im Hochsommer in der Unterwäsche und Accessoires-Abteilung aushelfen musste. Denn was wird im Sommer natürlich am häufigsten gekauft und anprobiert? Na klar, Bademode!

Daher war meine Schicht an dieser Umkleide nicht nur die wohl stressigste, die ich je hatte, sondern auch die widerwärtigste. Während ich verzweifelt versucht habe, in Rekordzeit trotz kompliziertem Bügelsystem eine Badehose nach der nächsten aufzubügeln, kam ich immer wieder in Berührung mit den Hygienestreifen an der Innenseite der Hosen.

Damit nicht genug. Da diese nach mehrmaligen Tragen oft ihre Klebekraft verloren, fielen sie oftmals raus und klebten, ehe ich mich versehen konnte, an sämtlichen Stellen um mich herum und teils sogar an mir. Nun war es an mir mit nackten Fingern die Streifen zu entfernen und wegzuschmeißen. Ich habe mich geschüttelt vor Ekel und mit den Kollegen mitgefühlt, die jeden Tag in dieser Abteilung arbeiten mussten.

Aus dem Grund mein Appell an alle Kunden in der Sommerzeit:

Bitte bedenkt, auch wenn euch heiß ist und ihr gestresst seid, den Verkäufern geht es wahrscheinlich gerade nicht besser.

Seid freundlich, respektvoll, lasst euren Müll nicht herumliegen und tragt ein Deo mit euch. Damit wäre den Verkäufern weit geholfen!

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    Alle Leser-Kommentare
  • JanaBanana 19.06.2019 18:04
    Highlight Highlight Ich wohne in Thüringen und arbeite auch im Einzelhandel. Hier sind die Kunden zu 99 Prozent nicht unangenehm. Es handelt sich aber um den Lebensmittelbereich. Manchmal probieren Leute das Obst und spucken die Erdbeerstiele oder die Kirsch-und Pflaumenkerne auf den Boden. Ab und an wird aus Flaschen getrunken und die Flaschen wieder zurück ins Regal gestellt. Ich weiß nicht, ob ich das laut Chef darf, aber habe schon 4 mal was dazu gesagt. Entweder spricht man (angeblich) kein Deutsch oder es wird abgestritten.
  • Bloodyjudge 15.06.2019 16:46
    Highlight Highlight Viele wissen sich zum Einen nicht zu benehmen, zum anderen ist es nicht direkt der Sommer oder die Hitze - es sind die Leute selbst.
    Entweder sie wissen es nicht, wie es ist direkt mit Kunden in Kontakt zu sein, oder fühlen sich "mächtig" wenn sie auch Mal eklig sein dürfen, wie ihre eigenen Kunden.
    Nicht zu vergessen - Regeln würden helfen, evtl durchgreifen, kündigen ist auch eine Option.
    Jedoch sich alles gefallen lassen ist keine wirkliche Option.
    Arbeite selbst täglich mit Kunden direkt, die muss man einfach nur erziehen und auch respektvollen Umgang beibringen, dann geht das. Meistens.
  • Maria65 15.06.2019 15:14
    Highlight Highlight Hallo! Ich möchte nur insgesamt anmerken, wer sich vor Allem und Alles dermaßen ekelt und widerlich findet, darf keinen Beruf mit Menschen ergreifen. Einen Tag im Krankenhaus, in einer Arztpraxis (Urin- und Stuhluntersuchungen, Erbrochenes...) oder in einem Altenheim zu arbeiten würde Frau..... erkennen lassen, dass es wesentlich unangenehmere Dinge gibt als die gelöste Plastikfolie einer Hypgieneeinlage eines Badeanzuges. Wo ich zustimmen kann ist, dass einige Eltern, (nicht alle und auch nicht der Großteil) ihre Kinder vollkommen gewähren lassen
    • JanaBanana 19.06.2019 18:05
      Highlight Highlight Es ist die Respektlosigkeit, die auch irgendwo erniedrigend ist. Das ist das Problem. Pflege ist natürlich auch nicht ohne.

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