Ein 16-jähriger Tatverdächtiger sitzt nach dem vermuteten Anschlag auf eine Synagoge in Hagen ist weiterhin in Untersuchungshaft.
Ein 16-jähriger Tatverdächtiger sitzt nach dem vermuteten Anschlag auf eine Synagoge in Hagen ist weiterhin in Untersuchungshaft.Bild: dpa / Roberto Pfeil

Hagener Synagoge: Ermittlungen gegen 16-Jährigen gehen weiter

Er soll sich mit einem IS-Terroristen über das Bauen von Bomben ausgetauscht haben. Einen islamistischen Anschlagsplan auf die Synagoge in Hagen bestreitet er aber. Die Ermittler müssen nun entscheiden, ob der festgenommene 16-jährige Syrer frei kommt.
17.09.2021, 16:43

Im Fall der mutmaßlichen Anschlagspläne auf die Synagoge in Hagen prüfen die Ermittler weiter, ob ein dringender Tatverdacht gegen den festgenommenen 16-Jährigen vorliegt. Davon hängt ab, ob gegen den jugendlichen Syrer ein Haftbefehl beantragt und er einem Richter vorgeführt wird, oder er noch am Freitag freigelassen werden muss, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft. Weder der Jugendliche, noch seine Familienangehörigen seien dem Staatsschutz zuvor als Islamisten bekannt gewesen.

Verdächtiger bestreitet Planung eines Anschlags

Der 16-Jährige war wegen eines befürchteten Anschlags auf die Hagener Synagoge am Donnerstag festgenommen worden. Er hatte zugegeben, über den Messengerdienst "Telegram" Kontakt zu einem Bombenbau-Experten unterhalten zu haben, Anschlagsabsichten auf die Synagoge aber bestritten. Er war auch am Freitagmorgen noch in Polizeigewahrsam. Der Tatvorwurf: Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, es habe gute Gründe gegeben für den schnellen Zugriff der Polizei: Bei dem Kontaktmann des Jugendlichen soll es sich um einen Angehörigen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) handeln.

Der Anwalt des 16-Jährigen, Ihsan Tanyolu, rechnete allerdings mit der baldigen Freilassung seines Mandanten und ging nicht vom Erlass eines Haftbefehls aus. "Es hat sich kein Tatvorwurf erhärtet, der das rechtfertigen würde", sagte der Hagener Strafrechtler der Deutschen Presse-Agentur. Zu Einlassungen des 16-Jährigen in dessen Vernehmung wollte er sich nicht äußern.

"Islamistisch motivierte Bedrohungslage": Ermittlungen gehen weiter

Unterdessen laufen die Ermittlungen weiter. Mit Durchsuchungen und Festnahmen war die Polizei einem "sehr ernstzunehmenden und konkreten Hinweis" nachgegangen, dass zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Anschlag auf die Hagener Synagoge gedroht habe, hatte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag berichtet. Der Hinweis lasse auf eine "islamistisch motivierte Bedrohungslage" schließen.

Der Syrer war am Donnerstag wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Terroranschlags festgenommen worden. Durchsuchungen bei dem 16-Jährigen hatten keine Bombenbauteile zutage gefördert. Die Synagoge war bereits am Mittwochabend abgeriegelt worden. Auch dort fanden sich keine verdächtigen Gegenstände. Der Vater des 16-Jährigen war Sicherheitskreisen zufolge 2014 nach Deutschland gekommen und als Flüchtling anerkannt worden.

Es wurden elektronische Medien wie Handys und Speichermedien sichergestellt, die noch ausgewertet werden müssen. Der Vater und zwei Brüder des 16-Jährigen, die die Polizei zunächst ebenfalls in Gewahrsam genommen hatte, waren bereits am Donnerstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Hinweis soll von einem ausländischen Geheimdienst an den Bundesnachrichtendienst (BND) gegangen sein.

(vdv/dpa)

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