Leben
Low angle view of a young woman in a towel, looking down towards the camera, gesturing towards a man with a small penis. Horizontal shot.

Bild: E+

Bin ich schuld? "Ich habe mich über den Penis meines Freundes lustig gemacht"

Beim Sex kann Humor nicht schaden. Denn wer alles immer bierernst nehmen will, was zwischen Körpern so passiert, der zieht dabei vermutlich auch zu oft den Bauch ein. Und das schadet auf Dauer der Lust. Glaubt uns das bitte einfach.

Reddit-Userin “sacredway” und ihr Freund wissen das. Und sie gehen offen damit um. Ihr Freund und sie, wie sie schreibt, haben schon öfters über seinen Penis gelacht. Der Penis, so "sacredway", sei zwar “großartig”, aber im nicht erigierten Zustand fünf Zentimeter lang. Also vergleichsweise klein. Denn erigiert kommt er – die beiden haben gemessen - auf gut 18 cm.

"Bin ich schuld?"

In dieser Reihe möchten wir euch Beziehungsfragen vorstellen, bei denen man sich fragt: Richtig oder falsch? Bin ich schuld, oder der/die andere? Manchmal gibt es darauf keine eindeutigen Antworten, manchmal aber doch. Wenn auch ihr eine Frage habt, mailt Gunda an gunda@watson.de

"Im Privaten, mache ich öfters Witzchen darüber, aber das macht ihm nichts aus, weil er weiß, dass er mich befriedigt."

"sacredway" auf reddit

Doch dann wurde das Private öffentlich. Die beiden waren mit Freunden zu einem Spieleabend verabredet. Bei dem Spiel mussten Hinweise aus einem Hut gezogen werden, die dann von den Spielenden beantwortet werden. Als “Dinge, die klein sind” dran kam, schrieb "sacredway": “der Penis meines Freundes". Und da alle Antworten laut vorgelesen wurden, lachte die Runde bei dieser Antwort. Auch ihr Freund.

"Einer seiner Freunde haute ihm noch auf den Rücken und rief: 'Haben wir alle schon gesehen, aber wir lieben dich trotzdem'. Noch mehr Lachen."

"sacredway" auf Reddit

Nach dem Spieleabend, als beide wieder zuhause waren, erklärte ihr Freund allerdings, wie verletzt er durch den Spruch sei. Schon seit Jahren schäme er sich in der Umkleidekabine, und musste sich schon öfters blöde Bemerkungen über seinen Penis anhören. Dieser Eindruck sei nun verstärkt worden. Er sei nicht sauer, nur enttäuscht. "Sacredway", so schreibt sie, entschuldigte sich bei ihm; er habe die Entschuldigung auch angenommen, aber so ganz lasse sie das Thema nicht los. Und sie fragt also bei Reddit: “Vielleicht hat er das einfach zu ernst genommen? Bin ich das A*** oder sollte er sich mal locker machen?

A*** oder nicht-A***?

Nun. Wir finden ja grundsätzlich, dass Verletzungen keine Verhandlungssache sind. Wenn etwas weh tut, tut es weh. Und wenn sich jemand verletzt fühlt, dann stimmt das erstmal. Insbesondere, wenn es so etwas Privates wie unsere Geschlechtsteile betrifft.

Denn unsere Geschlechtsteile sind nicht nur Körperteile wie Nase, Ohren, Mund. Zwischen unseren Beinen stecken Welten – auch wenn das Bild sprachlich etwas schief erscheint, ist es doch ziemlich treffend.

Denn wie eine Vulva oder ein Penis aussieht, das haben wir kulturell über Jahrtausende gelernt, nimmt unsere Umwelt nicht einfach nur als genetisches Schicksal wahr, sondern als viel mehr. Als Charakterstudie, als Persönlichkeitsmerkmal, sogar als Ausweis unserer Moral. Bei Männern gilt ein großer Penis als potent, der Mann entsprechend als kraftvoll, zeugungsfähig und als guter Liebhaber.

Wer hingegen “mit der Lupe suchen muss”, wird bemitleidet und darf sich entsprechend ungenügend fühlen. Schlimm genug, wenn solche Vorurteile in Umkleidekabinen verhandelt werden. Schlimmer noch, wenn die Scham über ein vermeintlich unzureichendes Organ mit ins Schlafzimmer wandert. Wie im vorliegenden Fall: Wenn die Sexpartnerin sich über die Größe mokiert und somit direkt den ganzen Mann haha-lustig beschämt.

Viele Studien zeigen, wie belastend diese Scham sein kann. Selbst dann, wenn der Penis einer durchschnittlichen Größe entspricht und selbst dann, wenn die Partnerin mit der Größe völlig zufrieden ist. Realität ist Ängsten eben oft egal.

Doch gehen diese Ängste zu oft unter – denn auch das gehört zum männlichen Vorurteilspaket: Männer sind nicht unsicher. Schwäche zeigen ist was für Memmen.

Aber sie sind da, die Unsicherheiten. Das zeigen auch Zahlen aus der Schönheitsindustrie. In Großbritannien haben sich beispielsweise die Eingriffe in plastischer Chirurgie bei Männern in den Jahren 2005 bis 2015 verdoppelt.

Für Männer gilt eben auch: Die Kampfzone hat sich ausgeweitet. Mussten sich traditionell nur Frauen gefallen lassen, dass ihre Körper immer mehr in den Blick von Optimierung geraten, sind nun also auch vermehrt die Männer dran. Wer das für Gleichberechtigung hält, darf sich allerdings fragen lassen, ob er nicht lieber sein Menschenbild nochmal optimieren will.

Auf den Fall von "sacredway" bezogen: Ja, die Bemerkung in großer Runde war komplett daneben. Denn wer unter die Gürtellinie zielt, der trifft nunmal. Erst recht, wenn es eine Person ist, der man sich intim anvertraut hat.

Liebe "sacredway", von uns daher noch ein genereller Tipp: Mach Dich bitte nicht über Geschlechtsteile lustig. Schlussendlich sagst du damit nämlich mehr über dich selbst als über ein paar Zentimeter Haut.

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