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Bald kommt die Corona-Impfung auch in Deutschland, einige Menschen verbreiten seltsame Erzählungen über den Wirkstoff. Bild: iStockphoto / imacoconut

Patienten stellen verschwörerische Fragen zur Impfung: So genial reagiert ein Arzt

Ein kleiner Pieks, dann ist alles vorbei – und wir sind geschützt vor dem gefährlichen Virus, das nun schon seit Monaten auf der ganzen Welt tobt: Viel Hoffnung steckt in der Impfung gegen Corona. Die meisten Menschen wird es sicherlich freuen, dass auch hierzulande schon kurz nach Weihnachten, ab dem 27. Dezember, geimpft wird.

Und so beachtlich es auch ist, in welchem Tempo die Hersteller Biontech, Pfizer und Moderna die Stoffe gegen Covid-19 entwickelt haben, so beängstigend ist die Eile für manche Menschen. Wird die Corona-Impfung Nebenwirkungen haben? Ist sie sehr teuer?

So antwortet ein Arzt auf verschwörerische Fragen

Fragen wie diese wird Christian Kröner aus Pfuhl bei Neu-Ulm in Bayern in jüngster Zeit sicherlich häufiger gehört haben.

Es gibt allerdings auch Zweifel, die dem Hausarzt offenbar gehörig gegen den Strich gehen – und zwar, wenn er hört, dass durch die Corona-Impfung ein Mikrochip eingepflanzt werde oder sie im Zuge einer Weltverschwörung von Bill Gates veranlasst worden sei. Geschichten wie diese sind in verschwörungsgläubigen Kreisen beliebt, wie bei den selbsternannten Querdenkern oder unter "Reichsbürgern".

Um die immergleichen Fragen zu beantworten, hat Kröner einen humoristischen Zettel verfasst, eine Art FAQ für Corona-Impfzweifler.

Hier beantwortet der Arzt Christian Kröner die Fragen von Corona-Impfzweiflern:

Anfangs noch eher sachlich gehalten, erklärt der Mediziner, dass er allen Patienten die Impfung empfiehlt, sobald sie verfügbar ist, wie der Impfstoff getestet worden ist und dass er nicht, wie manche annehmen mögen, das Erbgut verändert.

Impfzweifler stellen teils sehr abwegige Fragen

Dass Kröners Geduld bei bestimmten Fragen allerdings am Ende ist, zeigt sich ab Punkt 8:

"8. Aber da wird ein Chip... NEIN!

9. Und Bill Gates... NEIN!"

Seinen Höhepunkt erreicht der Impfzettel ganz am Ende:

"10. Aber Sie sind doch von der Pharmaindustrie bezahlt... NEIN! Wir sind schon froh, wenn Ihre Krankenkasse gelegentlich mal etwas Geld für Ihre Behandlung rüberwachsen lässt."

Das Blatt Papier mit den ausgedruckten Fragen und Antworten ist auf sozialen Netzwerken in den Tagen rund um Weihnachten zigtausendfach weiterverbreitet und anerkennend kommentiert worden.

Dass sein Impf-Zettel so viel positives Feedback erfahren würde, hätte Kröner nicht gedacht. "Ich habe das einfach mal hingeklatscht", sagte der Hausarzt gegenüber der "Augsburger Allgemeinen". "Nach elf Stunden in der Praxis und 50 Mal die gleiche Frage" musste eine Lösung für die vielen, fast immer gleichen Fragen her. "Die Menschen kommen eigentlich wegen eines eingewachsenen Nagels, wollen aber dann doch wissen: Was halten Sie eigentlich von...", so Kröner.

Das Geschwurbel im Netz scheint ihn offenbar zu stören. Über Facebook, Telegram und andere soziale Netzwerke täten viele Menschen zu diesem Thema ihre Meinung kund, obwohl sie davon "keine Ahnung" haben. "Wenn mein Dach undicht ist und ich neue Ziegel möchte, frage ich doch auch einen Dachdecker", sagt der Arzt Kröner, der sich nach eigenen Angaben auf jeden Fall gegen Covid-19 impfen lassen würde.

Zwei Drittel der Deutschen will sich gegen Corona impfen lassen

Glücklicherweise teilen die meisten Menschen in Deutschland Kröners Meinung: Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben 32 Prozent der Befragten an, sich so schnell wie möglich impfen lassen zu wollen. Weitere 33 Prozent sind zwar ebenfalls dazu entschlossen, wollen aber trotzdem erst einmal mögliche Folgen der Impfung bei anderen abwarten. 19 Prozent haben sich gegen eine Impfung entschieden, 16 Prozent sind noch unentschlossen.

Vielleicht werden Ärzte wie Kröner dazu beitragen können, mit solchen Aktionen wie seinen Antworten auf Impfzweifler-Fragen den einen oder anderen über die Corona-Impfung aufzuklären und ein paar Gedanken anzustoßen.

(ak/mit Material von dpa)

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