Man spraying vegetables in the garden

Pestizide belasten die Umwelt erheblich. Bild: iStockphoto / fotokostic

Studie: Einsatz von Pestiziden könnte bis 2030 halbiert werden – durch Pestizid-Abgabe

Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind Pestizide eine der häufigsten Ursachen für akute und schleichende Vergiftungen. Sie sind schädlich für Umwelt, Mensch und Tier, trotzdem lassen sich immer wieder Pestizidrückstände auf Lebensmitteln finden. Die Europäische Kommission hat sich nun zum Ziel gesetzt, den Einsatz von Pestiziden bis 2030 um 50 Prozent zu verringern. Mit einer Pestizid-Abgabe lässt sich dieses Ziel auch erreichen – das legt eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) nahe.

Eine Halbierung der Pestizide in Deutschland bis 2030 ist möglich, wie die Studie, die im Auftrags eines breiten Bündnisses entstanden ist, zeigt. Die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, WWF, die GLS-Bank, Foodwatch und viele andere Organisationen sind daran beteiligt. Die Autoren der Studie untersuchten, wie eine Abgabe auf Pestizide zu konzipieren ist, die den Absatz an Pestiziden und die damit behandelbare Fläche in Deutschland halbiert.

Hierfür haben die Forscher den Pestizideinsatz in Deutschland und Dänemark genauer analysiert und ein Datenbankmodell entwickelt. Durch eine Simulation konnten die Effekte der verschiedenen Abgabenkonzepte auf Preise, Absatzmengen und die behandelbare Fläche sowie das Aufkommen ermittelt werden.

Pestizideinsatz gefährdet die Biodiversität

In einer Pressemitteilung sagt GLS-Bank-Vorstandssprecher Thomas Jorberg: "Ein Dutzend NGOs im Bündnis mit der GLS Bank unterstützen eine Pestizid-Abgabe – weil der aktuelle Pestizideinsatz die Biodiversität gefährdet und zu hohen Schäden führt. Die Studie zeigt, dass mit einer Pestizid-Abgabe eine effektive Reduzierung der ausgebrachten Menge möglich ist. Die Gelder aus der Abgabe sollten für den ökologischen Umbau an die Landwirtschaft zurückfließen."

Eine Abgabe sollte Herbizide und Insektizide höher besteuern, fordert der Pestizidexperte und Mitautor der Studie, Lars Neumeister – "da von ihnen direkt und mittelbar vielfältige negative Effekte für die biologische Vielfalt – wie Insekten und Vögel – ausgehen und zugleich viele nicht-chemische Alternativen bestehen". Dadurch würde sich die Anwendung der Pestizide im Schnitt um 35 Prozent pro Hektar verteuern – das gilt jedoch nicht pauschal, sondern abhängig von der Wirksamkeit der jeweiligen eingesetzten Chemikalien.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner habe es in ihrer Amtszeit nicht geschafft, die Abhängigkeit der Landwirtschaft von Pestiziden zu reduzieren, kritisieren die Verbände und die GLS-Bank. "Wenn der im Herbst neu gewählten Bundesregierung der Schutz der Artenvielfalt am Herzen liegt, dann muss sie eine Pestizid-Abgabe als ein wichtiges Instrument umsetzen, um die Ziele der europäischen Agrarstrategie Farm2Fork zu erreichen."

(sb)

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