Hafermilch selbst herzustellen ist leichter, als gedacht.
Hafermilch selbst herzustellen ist leichter, als gedacht.
Bild: iStockphoto / vladi79
Im Test

Hafermilch selbst machen: Braucht man Geräte oder Hilfsmittel? Wir machen den Test

29.03.2021, 11:3001.04.2021, 11:31

Kuhmilch zu trinken ist für viele Menschen nicht mehr denkbar. In den letzten Jahren haben Pflanzenmilch-Sorten nicht nur den Markt, sondern auch die Herzen der Großstadtkids, Veganer und Bio-Liebhaber erobert. Gründe, zu Hafer-, Mandel-, Soja- oder Reismilch zu greifen, gibt es tausende. Zum Beispiel: Kein Tier musste dafür leiden. Für viele reicht allein das schon aus, nur pflanzliche Milch zu trinken. Es gibt aber noch mehr Gründe.

Milchkühe brauchen nicht nur Fläche, die landwirtschaftlich auch anders genutzt werden könnte, sie fressen auch Futter, das besser verarbeitet werden könnte – es besteht nämlich oft aus Soja und könnte genauso zu pflanzlichen Fleischalternativen, Tofu oder Tempeh verarbeitet werden. Dass die Kühe beim Verdauen erhebliche Mengen Methangas in die Luft abgeben, macht die Situation nicht besser. Eine einzige Kuh kann am Tag über 300 Liter Methan ausstoßen – das Gas ist 21 Mal schädlicher fürs Klima als Co2.

Pflanzliche Milch ist aus diesen Gründen besser fürs Tier und in der Regel auch besser fürs Klima. Hafermilch hat von allen Varianten die beste Ökobilanz – denn der Hafer wird oft regional angebaut und die Herstellung von Hafermilch verursacht weniger Treibhausgase und verbraucht weniger Energie als das tierische "Original".

Noch besser als Hafermilch zu kaufen, ist also nur eins: sie selbst herzustellen. Wenn wir regionalen Hafer in Bio-Qualität kaufen und Wasser aus der Leitung nehmen, sollte unser Haferdrink super klimafreundlich, frisch und lecker sein. Aber wie einfach ist es, Hafermilch selbst zu machen? Wir haben drei Methoden getestet.

Haferpulver von Organic Labs

Mein erstes Versuchsobjekt ist das Haferpulver der Marke Organic Labs. Derzeit wird eine solche Hafermilch-Basis von verschiedenen Herstellern angeboten, zum Beispiel Blue Farm und Kate & Carl – Organic Labs hat im direkten Preisvergleich aber am besten abgeschnitten.

Das Intro-Set: eine Glasflasche und die Super-Hafer-Basis.
Das Intro-Set: eine Glasflasche und die Super-Hafer-Basis.
bild: watson

Das Konzept ist denkbar einfach: Man gibt das Hafermilchpulver in ein Behältnis – im Starter-Kit war eine 0,5 Liter Glasflasche dabei, jedes andere Glasbehältnis eignet sich aber ebenso gut – und füllt es mit Wasser auf. Kurz schütteln und fertig! Das Pulver besteht außerdem aus nur drei Zutaten: Enzymatisch aufgeschlossenes Hafermehl, Rübenzucker und Meersalz. Wenn ihr euch jetzt fragt, was "enzymatisch aufgeschlossen" bedeutet – es beschreibt lediglich ein Verfahren, das den Hafer leicht wasserlöslich macht. Der Zuckergehalt ist übrigens sehr gering – deutlich geringer als bei allen gängigen Hafermilch-Sorten im Supermarkt.

Die mitgelieferte Packung enthält 500g Pulver, was für 50 Portionen reicht. Das hat laut Hersteller einige Vorteile: "90 Prozent weniger Gewicht spart Transportemissionen ein, zudem können wir den Verpackungsmüll um fast 90 Prozent reduzieren. Unser Beutel besteht zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, ist damit erdölfrei und zertifiziert industriell kompostierbar."

Hergestellt wird das Hafer-Pulver in der Nähe von München. Ganz so regional ist die Herkunft des Hafers aber leider nicht: "Wir beziehen unser Hafermehl, welches die Grundlage für Super Hafer bildet, von deutschen Mühlen. Der agrarische Ursprung des Hafers ist aktuell Deutschland, Litauen und Tschechien." Das soll zwar noch geändert werden, zurzeit fällt das Pulver in der Kategorie Regionalität durch.

Nun zum Geschmack: Ich finde den Haferdrink extrem lecker und cremig. Schmeckt eindeutig frischer als alles, was ich jemals aus dem Tetrapak in meine Tasse oder Müsli-Schale gegossen habe.

Fazit

Mich überzeugt die super leichte Handhabung, bei der man sich nicht dreckig macht und nichts daneben gehen kann. Dass es besser für die Umwelt ist, eine 500 Gramm Packung Haferpulver zu kaufen, als jede Woche einen neuen Liter Hafermilch, leuchtet mir ein. Das Intro-Set inklusive Flasche hat allerdings 14 Euro gekostet, die Basis ohne Flasche liegt bei 10 Euro, woraus sich 5 Liter Pflanzendrink machen lassen. Daraus ergibt sich ein Literpreis von 2 Euro. Das ist auf jeden Fall teurer als eine günstige Hafermilch von Edeka, dm oder den Discountern. Der Preis in Kombination mit der Herkunft des Hafers, der einfachen Handhabung und dem leckeren Geschmack ergibt für mich die Bewertung 3 von 5.

Vegan Milker von Chufa Mix

Der Vegan Milker der Marke Chufa Mix verspricht: 1 Liter Milch in 1 Minute. Klingt sehr vielversprechend. Trotzdem frage ich mich, ob ich wirklich ein weiteres Gerät in meiner Küche brauche und die Hafermilch-Herstellung nicht auch leichter geht. In der Packung enthalten sind ein Filter, ein Krug, ein Deckel und ein Mörser. Was man allerdings zusätzlich braucht, ist ein Stabmixer. Dieser ist nicht im Lieferumfang enthalten. Ich besitze zwar einen, finde es aber angesichts der Kosten von knapp 36 Euro etwas fragwürdig, dass das Gerät an sich gar nicht zur Herstellung von Pflanzenmilch ausreicht.

Der Vegan-Milker allene reicht zur Herstellung von Pflanzenmilch nicht aus.
Der Vegan-Milker allene reicht zur Herstellung von Pflanzenmilch nicht aus.
bild: watson

Und so geht's: In den Behälter füllt man heißes Wasser, anschließend setzt man den Filter ein und befüllt ihn mit Haferflocken. In einen Liter Wasser kommen 50-100g Haferflocken – abhängig davon, wie dickflüssig man den eigenen Drink mag. Mit einem Stabmixer wird nun der Hafer innerhalb des Filters zerkleinert. Sofort färbt sich das Wasser weiß und es bildet sich nach und nach eine cremige Konsistenz. Mit dem Mörser drücke ich dann die Hafermasse nach unten. Es geht super schnell und das Ergebnis ist top! Ich habe zusätzlich zu den Haferflocken noch zwei Datteln und eine Prise Salz hinzugegeben und es schmeckt himmlisch.

Mit einem Stabmixer werden die Haferflocken zerkleinert.
Mit einem Stabmixer werden die Haferflocken zerkleinert.
bild: watson

Fazit

Der Vegan Milker ist super geeignet für jede Art von Nussmilch. Cashews, Mandeln, Kürbiskerne – eingeweicht und anschließend mit dem Stabmixer zerkleinert wird alles zum leckeren Pflanzendrink, und das im Handumdrehen. Ein Negativpunkt ist allerdings die Reinigung: nachdem ich die Milch in ein Behältnis gefüllt habe, muss ich insgesamt vier Teile sauber machen. Außerdem finde ich es wirklich nicht gerechtfertigt, so viel Geld zu bezahlen, obwohl man zusätzlich auch noch einen Stabmixer braucht – klarer Minuspunkt.

Zusätzlich nimmt der Vegan Milker Platz in der Küche ein und das Gerät besteht aus Kunststoff. Dieser ist zwar laut Hersteller "frei von toxischen Komponenten wie BPA, PVC, Formaldehyd usw.", besonders gut für die Umwelt ist das Plastikding aber sicher nicht. Ein weiterer Störfaktor: der Vertrieb erfolgt von den Kanarischen Inseln. Von da wird er auf der ganzen Welt per Flugzeug versandt, die Klimabilanz ist dementsprechend mies. Da man den Vegan Milker aber zur Herstellung von allen Pflanzenmilch-Sorten verwenden kann und der Prozess super schnell und einfach geht, gebe ich dem Produkt noch die Bewertung 3,5 von 5.

Nussmilchbeutel von Eco You

Beide Arten, Hafermilch zu Hause herzustellen, haben mich bisher nicht ganz überzeugt. Also versuche ich es jetzt mit dem Nussmilchbeutel von Eco You. Dieses Säckchen besteht aus 100 % pflanzlicher Hanffaser, ist BPA-frei und biologisch abbaubar – das finde ich schonmal super. Außerdem ist es so schmal, dass ich es praktisch in jede Schublade stecken kann.

Ein Manko hat das Verfahren mit dem Beutel allerdings auch: Wie bei dem Vegan Milker reicht auch der Nussmilchbeutel alleine nicht aus, um Pflanzenmilch herzustellen. Denn bevor man den Hafer, zusammen mit Wasser durch den Beutel pressen kann, müssen die Zutaten in einem Mixer zerkleinert werden. Man füllt also ebenfalls die gewünschte Menge Haferflocken, gemeinsam mit Wasser und nach Belieben Salz, Datteln oder andere Süßstoffe in einen Mixer. Wenn alles vermischt ist, presst man die Flüssigkeit durch den Beutel. Das klappt ziemlich gut, das Ergebnis überzeugt ebenso.

Der Beutel ist wiederverwendbar und biologisch abbaubar.
Der Beutel ist wiederverwendbar und biologisch abbaubar.

Zu bemängeln habe ich bei dieser Prozedur allerdings das gleiche wie beim Vegan Milker: Man braucht ein zusätzliches Küchengerät und muss am Ende viel abwaschen. Ein klarer Pluspunkt ist allerdings der Preis: Momentan kostet der Beutel bei Eco You nur knapp 13 Euro.

Fazit

Genauso wie der Vegan Milker ist auch der Nussmilchbeutel für alle Arten von Nüssen und Kernen geeignet. Im direkten Vergleich überzeugt er mich aber durch den erheblichen Preisunterschied: 13 Euro sind super, dafür dass der Beutel wiederverwendbar, biologisch abbaubar und platzsparend ist. Die Milch schmeckt genauso gut, es kommt schließlich auf die Inhaltsstoffe an – und die kann ich selbst bestimmen. Der Nussmilchbeutel bekommt deswegen die Bewertung 4,5 von 5. Der kleine Abzug ist nur der Tatsache geschuldet, dass sich die Milch nicht aufschäumen lässt und dass man noch einen Mixer braucht, der die Haferflocken schrotet. Der Nussmilchbeutel ist mein absoluter Favorit und er wird sicher auch weiterhin bei mir zum Einsatz kommen.

Echte Alternative zur gekauften Hafermilch?

Nachdem ich die drei verschiedenen Methoden getestet habe, kann ich klar Vor- und Nachteile benennen. Generell ist es super, dass bei der Herstellung zu Hause keine unerwünschten Zusatzstoffe in der Pflanzenmilch landen. Außerdem entsteht weniger Verpackungsmüll, es wird vermutlich auch tendenziell weniger Milch weggeschüttet, weil man abhängig vom eigenen Bedarf selbst bestimmen kann, wie viel man zubereitet. Zudem schmeckt die Milch einfach viel frischer als gekaufte und sie lässt sich durch (natürliche) Süßungsmittel an den eigenen Geschmack anpassen.

Die Frische der Milch hat allerdings auch einen Nachteil: Sie hält sich nicht so lange wie gekaufte. Finde ich aber eigentlich nicht schlimm, da man ja keinen Liter herstellen muss, wenn man weiß, dass man nicht so viel Milch verbraucht.

Ein echtes Problem dagegen ist für mich, dass sich die Milch nicht aufschäumen lässt. In den letzten Jahren kommen immer mehr Pflanzenmilch-Packungen mit der Aufschrift "Barista" in die Regale. Von nahezu allen großen Firmen und sogar den Discountern gibt es mittlerweile Hafermilch, die sich gut aufschäumen lasst und somit perfekt für Cappuccino, Latte Macchiato und Co. geeignet ist. Da kann die selbst hergestellte Milch einfach nicht mithalten. Das Team von Organic Labs gibt auf der Website allerdings an, dass sie an einer Barista-Version arbeiten.

Im Müsli oder Smoothie finde ich die frische Milch super – und würde vor allem mit dem Nussmilchbeutel immer wieder selbst einen leckeren Drink herstellen. Für meinen Kaffee werde ich weiterhin Barista-Hafermilch kaufen.

Stefans Töchter sind Fans von Greta Thunberg: So beeinflusst das seine Familie

Stefan, 37, ist Vater von zwei Töchtern – und beide sind Fans von Greta Thunberg. Immer wieder entlarven sie Stefan, der eigentlich umweltbewusst ist, als Klimasünder – und stellen ihn auch schon mal beim Einkaufen im Supermarkt bloß. Warum Stefan das dennoch gut findet, erklärt er im Protokoll.

An Greta Thunberg kommt im Moment kaum einer vorbei – auch in meiner Familie ist der Kult um die Umweltaktivistin mittlerweile angekommen, vorrangig bei meinen Töchtern. Sich um seine Umwelt zu sorgen, ist für die beiden völlig selbstverständlich.

Meine Töchter sind gerade einmal fünf und sieben Jahre alt – und wissen aber ganz genau, dass die Erde immer wärmer wird, den Eisbären die Schollen wegschmelzen und das Ganze irgendwie mit Fliegen, Müll und Plastik zu tun hat. Und das lassen sie …

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