Nachhaltigkeit
Bundesministerium fuer Verkehr und digitale Infrastruktur, Invalidenstrasse, Berlin-Mitte, Deutschland, Europa, 16.04.2020. *** Federal Ministry of Transport and Digital Infrastructure, Invalidenstrasse, Berlin Mitte, Germany, Europe, 16 04 2020

In der Corona-Krise sind die Straßen in vielen Städten weniger dicht befahren. Welchen Effekt hat das für die Luft? Bild: www.imago-images.de / Raimund_Mueller_015773464150_mue

Forscher: Luft in Deutschland ist wegen Corona besser

Die Innenstädte sind leerer, die Menschen bleiben zu Hause: Laut Forschern der Universität Bremen könnte diese Folge der Corona-Beschränkungen auch einen positiven Effekt haben.

Ihre Auswertung ergab, dass die Stickstoffdioxid-Belastung in Deutschland in den vergangenen Wochen – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum – um mehr als 30 Prozent gesunken sei. Das berichtet der NDR am Samstag.

Für ihre Auswertung stützten sich die Wissenschaftler auf Satellitendaten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Der Satellit messe Spurengase in etwa 850 Kilometern Höhe, berichtet der NDR. Die Satellitendaten lieferten eher einen "Gesamtüberblick aus dem Weltraum" anstatt konkreten Aussagen über die Stickoxid-Belastung in einzelnen Städten.

Das haben die Forscher herausgefunden

Andreas Richter vom Bremer Institut für Umweltphysik erklärte dem NDR: In den Daten lasse sich feststellen, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien, Spanien, Frankreich und zahlreichen anderen europäischen Ländern die Stickstoffdioxid-Belastung zurückgegangen sei.

Weil auch in diesen Ländern Corona-Beschränkungen gelten, gehen die Wissenschaftler von einem "Corona-Effekt" aus. Stickstoffdioxid wird nämlich üblicherweise durch die Verbrennung von Öl und Kohle freigesetzt. Weniger Autos auf der Straße, bessere Luft in den Städten, so ihre Schlussfolgerung.

Allerdings hat nicht nur der Verkehr Auswirkungen auf die Stickstoffdioxid-Belastung, sondern auch das Wetter. Nicht alle Experten sind daher von einem "Corona-Effekt" überzeugt.

Andere Experten sind skeptisch

"Das günstige Wetter im Frühjahr könnte zu dem beobachteten Rückgang der lokalen Luftverschmutzung in den letzten Wochen beigetragen haben", schrieb zum Beispiel Henk Eskes, Atmosphärenforscher am Royal Netherlands Meteorological Institute, zuletzt im Fachmagazin "Nature".

Auch Ute Dauert vom Umweltbundesamt (UBA) ist noch skeptisch. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur kürzlich: Satellitendaten seien "nur eine Momentaufnahme der gesamten Luftsäule, lassen aber keine Rückschlüsse auf die Schadstoffbelastung am Boden zu".

Dem NDR sagte sie zudem: Stichproben in der ersten Woche des Corona-Lockdowns hätten in manchen Städten kaum Veränderungen gezeigt bei der Stickstoffdioxid-Belastung. In einigen Städten sei sogar eine höhere Belastung gemessen worden.

Auch eine Auswertung der am stärksten belasteten Messstationen durch die "Welt" kam zu dem Ergebnis: Es gebe keine eindeutige Tendenz.

Weitere Auswertungen über einen möglichen "Corona-Effekt" für die Luft in unseren Städten werden also notwendig sein.

Aber Dauert vom UBA sieht zumindest in der Corona-Krise schon eine positive Entwicklung: Die Menschen überdenken, wie viel sie sich fortbewegen wollen. Weniger Verkehr bedeute weniger schädliche Emissionen. "Gerade jetzt in der Krise hinterfragen wir doch: Welche Reise ist überhaupt notwendig und wo tut es auch ein Telefonat oder eine Videokonferenz?"

(ll/mit dpa)

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