Nach dem Chaos am Einlass wurde das Champions-League-Finale zwischen FC Liverpool und Real Madrid am Samstagabend mit 37 Minuten Verspätung angepfiffen.
Nach dem Chaos am Einlass wurde das Champions-League-Finale zwischen FC Liverpool und Real Madrid am Samstagabend mit 37 Minuten Verspätung angepfiffen.Bild: dpa / David Klein

Harte Kritik für ZDF und Dazn nach Fan-Chaos beim Champions-League-Finale

29.05.2022, 12:3629.05.2022, 12:49

So schnell werden Fans das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid gegen FC Liverpool am Samstagabend in Paris nicht vergessen: Nicht nur wegen des 1:0 Siegs der Spanier und dem Interview-Ausraster von Toni Kroos – sondern auch wegen des signifikant verspäteten Anpfiffs des Spiels.

Das Match wurde zunächst um 15 Minuten und dann noch zwei weitere Male nach hinten verschoben. Letztendlich begann es erst um 21.37 Uhr – also 37 Minuten nach dem geplantem Anpfiff.

Grund für die Verspätung war, dass vieler der insgesamt 75.000 Zuschauer nicht schnell genug die Sicherheitskontrolle passieren und auf die Tribüne gelangen konnten. Die Veranstalter hatten auf den Anzeigetafeln als Ursache zunächst "Sicherheitsgründe" und dann "verspätetes Eintreffen von Fans" angegeben.

Chaos und Tränengas vor Champions-League-Anpfiff

In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Bilder und Videos von chaotischen Zuständen und langen Warteschlangen rund um die Arena. Im Netz berichteten Beteiligte über Desorganisation und stundenlange Wartezeiten. Ein weiteres Problem, Fans ohne Tickets kletterten über die Absperrzäune und versuchten so, Zugang zum Stadion zu bekommen.

In einigen Videos ist zu sehen, wie die Polizei Tränengas gegen wartende Zuschauer einsetzte, um sie vom Stadion wegzudrängen – darunter anscheinend auch gegen Kinder und Familien. Laut Polizeiangaben gab es insgesamt 68 Festnahmen und 238 Verletzte.

UEFA sieht Schuld für Eskalation bei den Zuschauern

Die UEFA teilte in einem Statement mit, dass der Auslöser für die Eskalation tausende Anhänger gewesen seien, die gefälschte Tickets gekauft hatten und die Drehkreuze nicht passieren konnten. "Dadurch ist es zu einem Stau an Fans gekommen, die alle reinwollten", hieß es weiter. Der Anpfiff sei dann verschoben worden, um möglichst vielen Fans mit Tickets den Einlass zu gewähren.

Bereits während des Spieles beantragte der FC Liverpool eine offizielle Untersuchung der "inakzeptablen" Vorgänge. "Wir sind sehr enttäuscht von den Problemen beim Stadion-Einlass und dem Zusammenbruch des Sicherheitsbereichs, dem Liverpool-Fans heute Abend im Stade de France ausgesetzt waren", schrieb der britische Klub in einem Statement.

Nach Europa-League-Desaster: Erneute Kritik an UEFA-Organisation

Im Netz wird die UEFA für die Unorganisiertheit der Veranstaltung und die Schuldzuweisung an die Fans heftig kritisiert. "Ich bin nicht sicher, dass es möglich ist, ein Event schlechter zu organisieren, sogar falls man es versuchen würde", twitterte die englische Fußball-Legende Gary Lineker. "Absolut chaotisch und gefährlich."

Auch der Sportjournalist Andy Kelly schaltete sich ein: "Kaum zu glauben, dass UEFA im Stadion verkündet hat, dass der verschobene Anpfiff wegen 'spät ankommenden Fans' gewesen sei. Das ist eine absolute Lüge. Die Fans um mich herum waren alle zweieinhalb Stunden vor Anpfiff da", berichtete er. "Es kam zur Verzögerung wegen ungeschicktem Polizeieinsatz und der unverzeihlichen Schließung von Toren für Fans mit Tickets."

"Extrem fragwürdige" Medienberichte

Doch nicht nur die UEFA steht in der Kritik, auch die in Deutschland übertragenden Sender ZDF und Dazn wurden angeprangert. Das ZDF soll während der Live-Übertragung des Spieles ebenfalls die Fans für den verspäteten Anpfiff verantwortlich gemacht habe.

"Extrem fragwürdig, Jochen Breyer, live im ZDF jetzt ohne jeden Beleg, Liverpool-Fans, die laut diversen Tweets seit über drei Stunden vor dem Stadion stehen, verantwortlich zu machen, weil einige über Zäune klettern", schrieb der Journalist Andrej Reisin auf Twitter.

Der ZDF-Reporter hatte aufgrund der Intervention im Netz, seine Aussage während der Pause anschließend korrigiert und auch die andere Seite des Geschehens ausführlich beleuchtet.

Auch Dazn steht in der Kritik

Das "Bündnis Aktiver Fußball-Fans" tadelte außerdem die Berichterstattung des Sportstreamingdienstes Dazn. "Unfassbares Framing", schrieb ein BAFF-Sprecher.

"Jetzt find Fans ohne Ticket schuld. Keine Ahnung was vor Ort passiert, Bilder zeigen, die überhaupt nicht passen und dann das obligatorische 'Bilder, die wir als Sportfans nicht sehen wollen' und 'hoffen, dass es friedlich bleibt'. Erbärmlich."

Dazn-Experte Sami Khedira wollte über die Zuschauer-Situation auch kein Wort verlieren, "weil nur wichtig ist, was aufn Platz passiert."

(fw)

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