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Bild: iStockphoto / imago / watson-montage

Ehemaliger McDonald's-Chef rechnet ab: "Fast Food ist Kindesmisshandlung"

Harald Sükar war Geschäftsführer von McDonald’s Österreich und Spitzenmanager in Europa. Nun plagt ihn das schlechte Gewissen. In seinem Buch "Die Fast Food Falle" rechnet er mit der Junkfood-Industrie ab.

Philipp Löpfe / watson.ch

Was passiert, wenn wir einen Big Mac verzehren? In den ersten zehn Minuten fühlen wir uns happy. Die hochkalorische Kost löst in unserem Gehirn ein Glücksgefühl aus. Nach 20 Minuten gelüstet es uns nach einem zweiten Big Mac, weil der viele Zucker im Brötchen nach mehr schreit.

Weitere zehn Minuten später sind wir durstig. Schuld daran ist das Salz, das unseren Körper dehydriert hat. Weil wir bei McDonald’s sind, löschen wir den Durst mit einem Coke. Nach 40 Minuten sind wir richtig hungrig. Der Verdauungstrakt hat den Maissirup absorbiert, unser Zuckerspiegel spielt verrückt.

Nach einer Stunde sollte eigentlich die Verdauung einsetzen. Beim Big Mac dauert es wegen den Transfettsäuren länger. Bis diese restlos abgebaut sind, können mehr als sieben Wochen verstreichen.

So schildert Harald Sükar das Big-Mac-Erlebnis aus Sicht des Verdauungstrakts. Sein Fazit ist vernichtend: "Fast Food ist Kindesmisshandlung", stellt er fest. Sein Rat eindeutig:

"Geht nicht hin! Nicht zu McDonald’s. Nicht zu Burger King. Nicht zu einem Fast-Food-Riesen. Schon gar nicht mit euren Kindern. Nicht einmal ausnahmsweise."

Sükar weiß, wovon er spricht. Er war 13 Jahre lang Geschäftsführer von McDonald’s Österreich und kennt den Laden in- und auswendig. Er will sich auch nicht an seinem ehemaligen Arbeitgeber rächen. Was die Ernährung betrifft, hat er sich ganz einfach vom Saulus zum Paulus gewandelt.

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Wurde vom Saulus zum Paulus: Harald Sükar. privat

Vieles an der Organisation des Fast-Food-Riesen fasziniert ihn noch heute. "Ich habe bis heute keinen einzigen Gastronomiebetrieb kennengelernt, wo das nur annähernd so perfekt abläuft", lobt er.

Auch die verbreitete Ansicht, wonach im Big Mac gelegentlich Mäuse- oder Gammelfleisch verarbeitet werden, widerlegt er vehement. McDonald’s hat die strengsten Hygienevorschriften, die man sich vorstellen kann, und kann diese auch durchsetzen. "Wenn wir vor etwas wirklich Angst hatten, dann vor einem Lebensmittelskandal im eigenen Haus", so Sükar.

Das Problem von Fast Food, nicht nur von McDonald’s, ist nicht die Hygiene. Es sind zu viele Kalorien, zu viel Zucker, Salz und Fett.

Das ist zwar nicht neu. Sükar macht Anleihen beim Kultfilm "Super Size Me" von Morgan Spurlock. Gerne zitiert er auch den Bestseller von Michael Moss "Salz, Zucker, Fett". Man kann dies jedoch nicht genug wiederholen, und Sükar macht das sehr gut.

Und das sind die Kernpunkte von Sükars Kritik:

Fast Food macht uns dick und krank

Der Aufstieg von Fast und Convenience-Food geht parallel mit der Zunahme von Übergewicht und Krankheit. Der Anteil an stark Übergewichtigen hat in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen. Rund zwei Milliarden Menschen sind inzwischen zu dick.

Exemplarisch hat dies Morgan Spurlock in seinem Film "Super Size Me" aufgezeigt. Er hat sich 30 Tage lang nur von McDonald’s-Produkten ernährt. Nach Ende dieser Kur hatte er elf Kilo zugelegt und seine Gesundheit ruiniert.

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Eine Zusammenfassung des Kultfilmes "Super Size Me". Video: YouTube/Wideoteka Nowej Gry

Fast Food ist mittlerweile zu einem Gesundheitsproblem für die gesamte Bevölkerung geworden. In den USA sinkt die Lebenserwartung bereits. "[…] die zahllosen Krankheiten im Gefolge unserer veränderten Ernährungsgewohnheiten [haben] längst begonnen, dafür zu sorgen, dass wir wieder früher abtreten müssen. Spitzenmedizin hin, Technik her", stellt Sükar fest.

Fast Food macht süchtig

Als ehemaliger Spitzenmanager weiß Sükar, dass McDonald’s nicht von gelegentlichen Besuchern lebt. "Nur ein verschwindend geringer Teil der McDonald’s-Kunden kommt tatsächlich alle heiligen Zeiten mal", so Sükar. "Fast alle sind Stammkunden, fast alle Heavy oder Super Heavy User. Und: Nur ein verschwindend kleiner Teil greift ausschließlich oder hauptsächlich zu Salat und Mineralwasser."

Zucker ist der Grund für die Sucht. Das "weiße Gift" funktioniert in unserem Gehirn ähnlich wie Kokain. Junkfood enthält sehr viel Zucker. Ein Kind, das ein Happy Meal mit Dessert und Cola verdrückt, deckt den Zuckerbedarf für eine ganze Woche ab.

McDonald’s fixt die Kinder an

Der Gründer von McDonald’s, Ray Kroc, war kein begnadeter Koch, sondern ein Marketing-Genie. Er wusste: Wer die Kinder hat, der hat ausgesorgt. McDonald’s bietet nicht nur das Happy Meal für Kinder an. Es hat eine Kooperation mit Disney, verteilt Spielzeuge, organisiert Kindergeburtstage und hat Kinderspielplätze eingerichtet.

Vor allem gibt es den Clown Ronald McDonald. "Kaum ein Kind, das den Clown nicht kennt", schreibt Sükar. "[…] Der Bekanntheitsgrad Ronalds lag lange Zeit bei annähernd hundert Prozent und ist auch heute fast unverändert groß."

Bewegung ist keine Alternative

Wer sich viel bewegt, der kann auch bedenkenlos Fast Food essen. So rechtfertigen sich McDonald’s & Co. gegen den Vorwurf, Verursacher der Adipositas-Epidemie zu sein. Deshalb treten die Fast-Food-Riesen auch gerne als Sponsoren von Sportanlässen auf.

Ein Kilogramm Fettgewebe entspricht rund 7000 Kalorien. "Um dieses eine Kilogramm Fett wieder abzubauen, müsste man täglich fünfzehn Minuten joggen. Sieben Wochen lang", stellt Sükar fest und verweist auf zahlreiche Studien, die belegen, dass dem Übergewicht mit Sport allein nicht beizukommen ist.

Fast Food ist ein ökologisches Problem

Fast Food und industrielle Landwirtschaft sind siamesische Zwillinge. Die industrielle Landwirtschaft wiederum ist eine entscheidende Verursacherin für den Klimawandel und den Verlust an Biodiversität. "Nachhaltigkeit und Tierschutz sind das eine, Umweltschutz ist das andere", so Sükar. "Wir müssen nicht in die Regenwälder im fernen Brasilien blicken, um zu erkennen, was schiefläuft. […] Ein Blick vor die eigene Haustür genügt vollauf. Auch hier, mitten in Europa, führt der Mensch einen erbarmungslosen Krieg gegen die Natur."

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Cover von Sükars Buch.

Das steigende Umweltbewusstsein beginnt, unsere Essensgewohnheiten zu verändern. Gesundes Fast Food ist im Vormarsch. Der jüngste Schrei sind fleischlose Burger. In den USA hat sich dieser Trend in kürzester Zeit durchgesetzt. Pionierfirmen wie Beyond Burger und Impossible Food boomen. Auch die Multis springen auf den Trend auf. Nestle will zusammen mit McDonald’s den fleischlosen "Awesome Burger" lancieren.

Bayerische Politiker, die essen und trinken

Putzschwamm oder Dessert?

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    Alle Leser-Kommentare
  • wirdsonix 18.06.2019 07:18
    Highlight Highlight Und wenn wir uns alle fleischlos ernähren, dann ist das gesund? Ach so. Dann gibt's vegane Wurst mit Wurstgeschmack. Noch mal den Körper verarschen - aber über Aspartam motzen. Kapiert's doch mal. Zurück zu weniger Konsum und dann klappt das auch wieder.
  • wirdsonix 18.06.2019 07:15
    Highlight Highlight Ich weiß nicht. Keiner geht zu Mc Donalds. Keiner isst mehr Süßigkeiten - weil wir alle auf dem Anti-Zucker-Hype sind. Vor 20 Jahren durfte man kein Fett mehr essen. Mittlerweile glaube ich ganz einfach, dass weder Fett noch Zucker schuld sind - sondern die ZUTATEN. Ich für mich versuche alles auf Bio umzustellen. Und selbst dann weiß ich nicht wirklich welche Zusatzstoffe da untergemischt werden. Ich finde diese sind wahrscheinlich das Problem. Hilft nur Lebensmittel bio mit wenig oder keinen "Zugaben".
  • Dietmar Auerbach 17.06.2019 22:13
    Highlight Highlight Also die nächste Buch-Promo. Herr Sükar verkennt dabei ein wesentliches Problem seiner Pseudo-Argumentation: die industrielle Landwirtschaft hat es bereits vor McDreck gegeben. Es wird sie auch noch sehr lange geben. Und auch ohne McDreck würde sie es in der jetzigen Form geben. Remember: we feed the world. Um es mal ganz klar zu sagen: das von Sükar beschriebene früherer Tod-Szenario kann am Ende nur gut für den Planeten sein. Noch besser wären aber Kriege und Plagen. Klingt zynisch? Das ist das Buch von Sükar auch, bzw. das Ausschlachten des Themas McDreck.

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Es ist etwa 7 Uhr morgens und bitterkalt. Ich stehe inmitten einer kleinen Menschentraube vor einem Düsseldorfer Jobcenter und warte darauf, die Vorhalle betreten zu können. Punkt 7.30 Uhr öffnet sich die Glastür mit einem leisen elektronischen Summen – für uns der Startschuss: Schon rennen wir um die Wette zum Wartemarken-Automaten. Schließlich will niemand mehr Zeit im Jobcenter verbringen als notwendig.

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