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Sweet 16: Youssoufa Moukoko, Toptalent bei Borussia Dortmund. Bild: www.imago-images.de / Noah Wedel/Kirchner-Media

Instagram-Hype, Millionen-Deal und Rassismus – 7 Fakten über Youssoufa Moukoko

Endlich ist er 16. Mit Vorschusslorbeeren ohne Ende könnte der vielerorts als "Wunderkind" gepriesene Youssoufa Moukoko im Spiel bei Hertha BSC am Samstag (20.30 Uhr/Sky) erstmals im Kader von Borussia Dortmund stehen.

In der Junioren-Bundesliga schien der linksfüßige Torjäger zuletzt unterfordert: In 73 Spielen der höchsten Klasse bei der U17 und U19 traf er unglaubliche 127 Mal.

Youssoufa Moukoko polarisiert. Viele sehen in ihm den nächsten Superstar der Nationalmannschaft, Joachim Löw nennt ihn "eine Granate", manche nennen ihn gar das "Next Big Thing" im Weltfußball, den nächsten Messi. Viele andere hingegen zweifeln. Daran, dass er auch im Profibereich alles kurz und klein schießen wird. Vor allem am Alter des 2004 in Yaoundé, Kamerun, geborenen Deutschen, der im mit zehn Jahren nach Hamburg kam. Vor allem, weil er gegen teils drei Jahre ältere Jugendliche so groß aufspielt.

 SOCCER - U16, AUT vs GER, test match HIPPACH,AUSTRIA,11.SEP.17 - SOCCER - OEFB international match Länderspiel Under-16, Austria vs Germany, test match. Image shows Youssoufa Moukoko GER during warm-up. PUBLICATIONxINxGERxHUNxONLY GEPAxpictures/xThomasxBachun

Für die deutsche U20-Nationalmannschaft kam Moukoko bereits zwei Mal zum Einsatz. Hier trainiert er bei der U16 des DFB, für die er vier Mal spielte und drei Mal traf. Bild: www.imago-images.de / GEPA pictures/ Thomas Bachun

Der nun 16-jährige Jugendspieler von Borussia Dortmund, der 2016 aus dem Nachwuchs des FC St. Pauli zum BVB wechselte, trifft und trifft und trifft. Für St. Pauli schoss er als Zehnjähriger 23 Tore in 13 Spielen in der U15-Regionalliga. Für die U17 von Dortmund – wohlgemerkt im Alter von erst 14 Jahren – schoss er 83 Tore in zwei Saisons.

Werbedeals, Instagram-Hype, Rassismus – wir erklären euch das Phänomen Youssoufa Moukoko:

Er war schon mit 14 Kapitän der U17 von Borussia Dortmund

Haben wir eigentlich schon erwähnt, dass Moukoko noch sehr jung ist? Der 16-Jährige war schon 2018 als 14-Jähriger zusammen mit Rilind Hetemi, damals 17, Kapitän der Dortmunder B-Jugend. Die beiden wechselten sich ab mit dem Tragen der Kapitänsbinde.

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Im Juni 2018: Rilind Hetemi (l.) und Youssoufa Moukoko teilten sich in der B-Jugend das Kapitänsamt. Bild: imago sportfotodienst / Deutzmann Sport- und Pressefoto

BVB-Jugendtrainer Trainer Sebastian Geppert erklärte die Maßnahme damals auf der Webseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wie folgt: "In diesem Fall war es so, dass beide gerne Kapitän sein wollten, beide vom Team voll anerkannt werden und beide auch schon in der vergangenen Saison dabei waren. Daher haben wir uns auf dieses – in der Tat etwas ungewöhnliche – Modell verständigt."

Der BVB hat ihn aus der C-Jugend direkt in die A-Jugend befördert

Im Jahr 2019 hat der BVB Moukoko, der damals auch noch für die C-Jugend spielberechtigt gewesen wäre, direkt in die U19 befördert. Damit übersprang er eine ganze Altersklasse im Jugendfußball. Dortmunds Nachwuchs-Chef Lars Ricken sagte zu dieser Entscheidung gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Wir sehen diese Altersklasse für ihn als den richtigen Jahrgang an. Das entspricht seiner Leistungsfähigkeit."

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Lars Ricken hat 1997 als 17-Jähriger mit Dortmund die Champions League gewonnen. Jetzt ist er Nachwuchskoordinator seines Heimatvereins. Bild: imago sportfotodienst

Moukoko selbst erklärte damals zu eventuellen Erwartungshaltungen: "Ich hoffe nicht, dass die Leute denken, dass ich in der U19 wieder 46 Tore schieße. Ich muss da erstmal klarkommen und sehen, was da so passiert."

Seine aktuelle Bilanz in dieser Spielklasse: 23 Spiele, 44 Tore, zehn Vorlagen...

Er hat einen millionenschweren Deal mit Nike – und bereits einen sehr gut dotierten BVB-Vertrag

Seine Topleistungen haben auch Sportartikelhersteller Nike auf den Plan gerufen. Das US-Unternehmen, das gerne erfolgreiche Sportler eng an sich bindet, hat mit Moukoko im April 2019 bereits einen langfristigen Ausrüster- und Werbedeal abgeschlossen. Volumen: Angeblich rund zehn Millionen Euro.

Beim BVB hat Moukoko laut "Bild"-Informationen einen Fördervertrag bis 2023 unterschrieben, der ihm 350.000 Euro pro Jahr einbringt. Spätestens mit seiner Volljährigkeit wird er einen Profivertrag erhalten, dann dürfte diese Summe nochmal erhöht werden.

753.000 Follower auf Instagram – er ist schon jetzt ein kleiner Star

Sein Konto ist privat. Wer Youssoufa Moukoko folgen will, der muss erstmal eine Anfrage stellen. Über 700.000 Mal hat Moukoko diese Anfrage mittlerweile schon bestätigt. Genauer: 753.000 Follower hat der Offensivallrounder. Zum Vergleich: BVB-Mittelfeldabräumer Thomas Delaney hat 154.000, Dortmunds Nationalspieler Nico Schulz 160.000.

Vor allem hat Moukoko viele jugendliche Fans, die ihn bewundern, seine Karriere verfolgen und ihn auf Moukoko-Insta-Fanpages als Star und "größtes Talent der Welt" verehren. Als Teenager weiß er, wie man mit seinen Followern kommuniziert und sie bei Laune hält. Regelmäßig geht er auf Instagram live, macht "Q&As", wird dann mit Fragen und Kommentaren bombardiert, die er brav beantwortet.

Dabei scheint er aber einordnen zu können, dass er erst ganz am Anfang seiner Fußballerkarriere steht. Einmal fragte man ihn via Instagram, wie es sei ein Star zu sein. Seine Antwort: "Ich bin kein Star".

"Einfach Moukoko getroffen" – Dieser Schnappschuss steht sinnbildlich für die Popularität, die der junge BVB-Spieler bereits hat.

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Youssoufa Moukoko posiert mit jungen Fans für ein Selfie. Die schwarzen Zensierbalken haben wir hinzugefügt. bild: screenshot instagram/watson-montage

Die leidige Altersfrage und der Rassismus

Viele winken seit Jahren ab, wenn sie den Namen Youssoufa Moukoko hören, zweifeln an seinem Alter. Der Tenor lautete bereits vor zwei Jahren, als er in der B-Jugend groß aufspielte: Ein 14-Jähriger kann physisch nicht so stark sein, ein 14-Jähriger kann nicht so gut Fußball spielen. Der muss älter sein, weil er ja aus Afrika komme und das Alter da ja oft nur geschätzt werde.

Moukoko und seiner Familie wird seit Jahren vorgeworfen, dass der Stürmer älter sei – und das, obwohl sein Vater eine amtliche deutsche Geburtsurkunde vorlegte. Bei Talenten mit anderer Hautfarbe wäre das undenkbar.

Lars Ricken betonte derweil immer, das angegebene Alter sei Fakt, der Verein verwies auf die beglaubigte Geburtsurkunde. Der DFB erklärte auf Anfrage der "Bild", man vertraue "in dieser Angelegenheit den Angaben des Heimatvereins des Spielers".

Gänzlich ausgeräumt wurden die Bedenken nie. Es gibt durchaus nachvollziehbare Zweifel an seinem Alter. Sogar BVB-U23-Teammanager Ingo Preuß sagte 2017 in einem "Spox"-Interview: "Ich könnte mir bei Youssoufa vorstellen, dass sein Alter lediglich geschätzt worden ist. Vielleicht ist er in Wirklichkeit ein, zwei Jahre älter."

Selbst wenn, wäre er aber wahrscheinlich immer noch ein super Fußballer.

Statt seine Leistung zu respektieren, machen sich im Neidland Deutschland viele (Erwachsene) über ihn lustig. In den sozialen Netzwerken sind unter Artikeln über Moukoko, ob von "Bild", "Spox" oder der "Sportschau", negative Kommentare die Regel.

Das setzt der Nachwuchshoffnung zu: "Die letzte Saison war hart für mich. Mit den ganzen Geschichten", sagte Moukoko vergangenes Jahr über solche Kommentare.

Ein Großteil der öffentlichen Meinung zu Moukoko hat dabei mit Rassismus zu tun. Hier ein paar beispielhafte verletzende und auch rassistische Kommentare dieser Sorte:

"Wie lange soll der noch 14 sein?"

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"Witze über Moukoko werden einfach nicht alt... genau wie er selbst"

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"Nächstes Jahr mit 22 spielt er dann endlich in der A-Jugend."

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Er bricht Rekorde

In der U17-Bundesliga hat er einen Torrekord aufgestellt. Der 14-Jährige erzielte 2018/19 am letzten Spieltag der Weststaffel für Borussia Dortmund beim 6:0 beim MSV Duisburg seine Saisontore 44 bis 46. Damit übertraf er die seit 2013 bestehende Bestmarke des Ex-Schalkers Donis Avdijaj (44 Tore/heute beim FC Emmen in der Eredivisie).

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Damals auf Schalke: Donis Avdijaj. Bild: imago sportfotodienst / pmk

Moukoko kam 2018/19 in der U17-Bundesliga West in 25 Saisoneinsätzen auf einen Toreschnitt von 1,84. Er erzielte 42,8 Prozent der 93 Dortmunder Saisontore. Neun der 14 Vereine in der Weststaffel schossen insgesamt weniger Tore als Moukoko alleine.

Insgesamt hat er in der U17 für Dortmund 90 Tore in 56 Spielen, außerdem steuerte er 16 Assists bei.

German Wunderkind

Das alles macht ihn zu einem weltweit beachteten "Wunderkind". Noch nie gab es einen deutschen Spieler, der bereits in einem solch jungem Alter so viel Beachtung findet. Als Sebastian Deisler, Mesut Özil, Toni Kroos oder Kai Havertz in seinem Alter waren, kannten sie wahrscheinlich nur die krassesten Fußballnerds. Aber Moukoko kennt schon jeder 0815-Fußballfan.

Moukoko hat alle Voraussetzungen, irgendwann ein weltbekannter Fußballstar zu werden. Und das scheint er auch zu wissen, seine Karriereziele sind wenig bescheiden: "Wenn ich ehrlich bin, ist es mein Ziel, Profi in Dortmund zu werden, mit der Borussia die Champions League zu holen und den Ballon d'Or zu gewinnen", sagte er der "Sport Bild" im Winter 2018.

Eine Garantie für eine große Karriere ist das natürlich alles nicht.

October 22, 2017 - Washington, DC, USA - 20171022 - Former D.C. United player FREDDY ADU is seen during the D.C. United Legends match at RFK Stadium in Washington. Soccer 2017 - D.C. United Legends Match PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAm139 20171022_zap_m139_048 Copyright: xChuckxMyersx

Freddy Adu 2017 im Trikot von D.C. United. 2015 spielte er zwischenzeitlich bei Kupion PS in Finnland, kam damals aus der zweiten serbischen Liga. Bild: imago sportfotodienst / ZUMA Press

Negative Beispiele von hochgelobten und dann gescheiterten talentierten Teenagern gibt genügend. Der US-Amerikaner Freddy Adu galt – wie Moukoko – mit 14 Jahren auch schon als Wunderkind, hatte auch einen millionenschweren Nike-Vertrag in der Tasche und galt schon als der "neue Pelé". Heute, mit 31, steht er bei Österlen FF unter Vertrag. In Schwedens vierter Liga.

(as)

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