Einhändiger landet bei den Seahawks – das NFL-Märchen des Shaquem Griffin

29.04.2018, 12:21

Wir wissen nicht, ob die ersten Filmemacher aus Hollywood schon angerufen haben, aber lange dürfte es nicht mehr dauern: der einhändige College-Star Shaquem Griffin wurde von den Seattle Seahawks gedraftet und ist damit Profi in der besten Football-Liga der Welt.

Bild: imago/ZUMA Press

Zum Start der fünften NFL-Draft-Runde schlugen die Seattle Seahawks mit dem 141. Pick zu und schnappten sich Griffin. Das Besondere an dem Linebacker: Er ist schnell und super wendig – und hat seit seinem vierten Lebensjahr nur noch eine Hand.

Griffin wurde mit dem Amniotisches-Band-Syndrom an seiner linken Hand geboren. Wegen der großen Schmerzen soll er im Alter von vier Jahren mit einem Küchenmesser versucht haben, seine eigene Hand abzuschneiden. Seine Mutter konnte ihn jedoch im letzten Moment davon abhalten – die linke Hand musste Shaquem schließlich doch amputiert werden. ("ran"/"spox")

18 Jahre später ist der 22-jährige Linebacker ein Star im College-Football (Defensive MVP Peach Bowl, Defensiv Player of the Year American Athletic Conference) und überzeugte die letzten Zweifler im Draft Combine, wo die Spieler vor dem Draft den NFL-Verantwortlichen ihre athletischen, aber auch psychischen und mentalen Fähigkeiten zeigen können.

Griffin lief dort den 40 Yard-Sprint in 4,38 Sekunden – und war damit nicht nur mit großem Abstand der schnellste Linebacker in diesem Jahr, sondern auch der schnellste der letzten 12 Jahre. Die 100-Kilo-Hantel stemmte er mit einer speziellen Hilfevorrichtung für seine linke Hand ganze 20 Mal.

Mit diesen Leistungen beeindruckte Griffin offenbar vor allem die Scouts der Seahawks. 

Bei den Seahawks spielt übrigens auch sein Zwillingsbruder Shaquill Griffin – der mit Shaquem zuvor an der University of Florida Knights zusammen spielte und bereits 2017 von den Seahawks gedraftet wurde.

Wie das Märchen von Shaquem Griffin ausgeht, werden wir wohl erst in ein paar Jahren wissen. Er selbst machte aber schon klar, dass er nicht für einen Hollywood-Film in die NFL kommen will: "Ich will nicht nur die Feel-Good-Story sein", sagte Griffin nach dem Draft. "Ich will ein Football-Spieler sein, und ein guter dazu." ("Seattle Times")

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