Können nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander: Tessa (Josephine Langford) und Hardin (Hero Fiennes-Tiffin).
Können nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander: Tessa (Josephine Langford) und Hardin (Hero Fiennes-Tiffin).Bild: 2020 Constantin Film Verleih GmbH
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Sexy Liebes-Drama "After Truth": Warum der Streifen nicht unproblematisch ist

05.09.2020, 08:55

Trotz der momentanen Corona-Beschränkungen sind Kinogänger momentan ganz verrückt nach dieser Teenie-Romanze: Am Starttag (3. September) sahen knapp 100.000 Menschen "After Truth", die Fortsetzung des Überraschungs-Hits "After Passion" von 2019. Die Filme basieren auf Anna Todds Romanreihe und denken rund mehr als ein Jahrzehnt nach der "Twilight"-Trilogie das Grundkonstrukt Good-Girl-Meets-Bad-Boy weiter.

In diesem Fall ist Protagonist Hardin (Hero Fiennes-Tiffin) zwar kein Vampir, seine Tattoos, die dunklen Klamotten und die nicht ganz akkurat zurück gegelten Haare reichen nach außen hin aber, um ihm den Böse-Buben-Stempel aufzudrücken. Die Generation-Z-Bella-Swan heißt Tessa (Josephine Langford), geht nicht mehr zur Highschool, sondern aufs College, verguckt sich aber auch innerhalb von Sekunden in ihr Gegenüber, ohne dass sie sich so recht erklären kann, was genau da gerade in ihrer Gefühlswelt vor sich geht. Natürlich wird sie von ihren Freundinnen gewarnt, will sich außerdem aufs Lernen konzentrieren, aber Hardin umwirbt sie hartnäckig und, schwups, Tessa ist ihm auch schon verfallen.

Während der Zuschauer die beiden beim Kennenlernen beobachtet, fallen die Hüllen. Es folgen weichgezeichnete Bilder von Wassertropfen auf nackter Haut, geöffneten Mündern, angedeutetem Oralverkehr, untermalt von unterdrücktem Stöhnen. Trotz der vielerlei eingestreuten heißen Szenen bleibt es jugendfrei, "After Truth" dürfen auch Zwölfjährige schon sehen. "Wir sind süchtig nacheinander. Mit größter Lust und größtem Schmerz", wird Hardin nachher über die Beziehung der beiden sagen und, ohne zu spoilern, ahnt der Zuschauer, dass diese zwei nicht so schnell mit Vorstadtvilla, Gartenhaus und Hund gemeinsam alt werden.

Das macht "After Truth" besser als andere Liebes-Trilogien

Das klingt bis dato alles erst einmal nach einer Reißbrett-Teenie-Romanze mit Erotik-Film-Anleihen, wie es sie für ältere Semester ebenso in "Shades of Grey" oder "365 Days" gibt. Im Vergleich zu letzterem Streifen, in der der weibliche Hauptcharakter entführt und via Stockholm-Syndrom gefügig gemacht wird, handelt Tessa in der "After"-Reihe aus freien Stücken, entdeckt mit Hardin ihre Sexualität und traut sich mit fortschreitender Handlung auch auszusprechen, was ihr im Bett gefällt. Was das Franchise schon ein Stück fortschrittlicher macht als seine Konkurrenz.

Denn eine Bella Swan ließ in "Breaking Dawn 1" der "Twilight"-Saga in der Hochzeitsnacht alles mehr oder weniger über sich ergehen, war der passive Part der Beziehung. "50 Shades"-Anastasia ist in dieser Hinsicht, was auch der SM-Thematik des Films geschuldet ist, das extremere Beispiel.

"After Passion" und "After Truth" mit problematischem Konstrukt

Gleichgeblieben ist aber ein problematisches Konstrukt, das man so schon mindestens 427 Mal in Young-Adult-Streifen gesehen hat: Wenn du glaubst, mit 19 die Liebe deines Lebens gefunden zu haben, dann halte bitte unbedingt daran fest. Erst recht, wenn der Kerl ein Vollidiot ist und ihr eine toxische On-Off-Beziehung habt. Und erst recht, wenn du eigentlich finanziell unabhängig werden wolltest und deine Karriere aus den Augen verlierst, weil dein Typ lieber unter der Dusche rummachen will und dann deinen Arbeitskollegen verprügelt, weil der dich ein bisschen zu freundlich angeschaut hat.

Auch, dass es einen anderen Mann braucht, der erst das Interesse der Protagonistin erweckt und kurz mit ihr anbändelt, bevor sie dann doch wieder gebeutelt zum Bad Boy zurückkehrt (sorry, Jacob, Trevor und José), weil ihr die Normalität zu öde wird, vermittelt nicht gerade eine gesunde Vorstellung von einer erwachsenen, gut funktionierenden Beziehung.

Ja, Liebe ist verdammt kompliziert. Aber was mit 19 oder auch 39 Jahren noch schlimm genug ist, mitunter 12-jährigen (und beeinflussbaren) Zuschauern heutzutage als Liebes-Märchen vom Bad Boy zu erzählen, der seine Marotten und dunklen Charakterzüge ablegt, sobald er nur "Die Eine" trifft, ist keine kluge Grundprämisse, sondern abgedroschen. Und wirkt – so optisch ansehnlich und handwerklich gut gemacht "After Truth" auch ist – leider einfach nicht mehr zeitgemäß.

(ab)

"Spencer": Adelsexperte bewertet neuen Prinzessin-Diana-Film – "Eine solche Rückkehr in die Normalität gab es im wahren Leben leider nicht"

In dem neuen Film "Spencer" von Pablo Larraín, der ab dem 13. Januar in den deutschen Kinos läuft, schlüpft "Twilight"-Star Kristen Stewart in die Rolle von Prinzessin Diana, die am 31. August 1997 bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. "Spencer" ist jedoch kein klassisches Biopic, denn der Film behandelt nicht das ganze Leben von Lady Di, sondern konzentriert sich auf drei Tage im Jahr 1991. Im Mittelpunkt stehen die Weihnachtsfeiertage, die Diana zusammen mit der britischen Königsfamilie im Sandringham House in Norfolk verbrachte. Nach diesem Familienfest fasst Diana in dem Film den Entschluss, ihre Ehe mit Prinz Charles zu beenden.

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