Stubenrein sein und damit der Umwelt Gutes tun: Wenn das nur immer so einfach wäre (Symbolbild).
Stubenrein sein und damit der Umwelt Gutes tun: Wenn das nur immer so einfach wäre (Symbolbild).
Bild: iStockphoto / FooTToo
Nachhaltig

Forscher machen Kühe stubenrein, um die Umwelt zu schonen

16.09.2021, 12:39

Der Ausstoß an Treibhausgasemissionen durch Rinderhaltung ist immens. Laut Umweltbundesamt verursachten Ackerbau und Viehzucht im Jahr 2020 8,2 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen. Mistlagerungen, wiederkäuende Rinder und stark gedüngte Felder setzen Gase wie Methan und Lachgas und auch Ammoniak frei. Um dem entgegenzuwirken, hat sich ein Team von Wissenschaftlern aus Deutschland und Neuseeland etwas ausgedacht: die stubenreine Kuh. Mit dem Abfangen des Urins kann der Ausstoß von Treibhausgasen und die Nitratbelastung relevant reduziert werden.

Ursprünglich entstanden durch einen Witz, testeten die Forscherinnen und Forscher ihre Idee an 16 Kälbern. Mit Futterbelohnungen konditionierten sie die Tiere darauf, in eine bestimmte Stallecke zu urinieren. Die Ergebnisse seien, so die Forscher, mit denen dem Lernverhalten eines dreijährigen Kindes vergleichbar.

Der Tierverhaltensforscher Lindsay Matthews sagte in einem Interview des Fachmagazins Current Biology, dass die Reaktion der Leute auf den Test in die Bewertung "verrückte Wissenschaftler" fiele. Die Vorgehensweise sei aber durchaus sinnvoll.

Die Idee, Kühe stubenrein zu machen, entstand durch einen Witz

Gemessen an den Fakten behalten Matthews und sein Forschungsteam Recht. Denn abgesehen von der Treibhausgasbelastung durch die Freisetzung von Distickstoffmonoxid beim Urinieren der Kühe wird zudem eine hohe Menge an Nitrat an den Boden abgegeben. Diese Nitratablagerungen in Böden und Gewässern sind schädlich bis toxisch für die Umwelt. Wenn nur 10 bis 20 Prozent der Urinmenge aufgefangen werden könnte, sei das eine hohe Umweltentlastung.

Die Tests zeigen, dass Kühe sich generell auf Stubenreinheit konditionieren lassen. Nun gilt es, den Ansatz für große Herden kompatibel zu machen. In Neuseeland sind Rinder zudem meist auf der Weide, was eine Konditionierung auf einen "geeigneten" Weiden-Bereich zum Urinieren erschwert. Auch bleibt die Thematik des Kots offen, welcher in großen Mengen ebenso für Belastungen der Böden sorgt und mit falscher Fütterung nicht weniger schädlich ist.

Global wird bereits an weiteren Methoden zur Verringerung der Treibhausbelastung durch Vieh- und insbesondere Rinderhaltung geforscht. Tatsache bleibt jedoch, dass auch hier versucht wird, ein Teilproblem statt die Ursache zu lösen. Die artgerechte Haltung und zu große Menge der Tiere bleibt bei diesen Ansätzen ausgeklammert.

(lmk)

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