Bild

Die Kurzfassung des Interviews mit Bill Gates wurde am Mittwochabend bei "Maischberger. Die Woche" ausgestrahlt. bild: screenshot ard

"Schwer zu verstehen": Bill Gates äußert sich bei "Maischberger" zu Verschwörungsmythen über ihn

Am Mittwochabend sprach Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger in ihrer Sendung "Maischberger. Die Woche" mit einem prominenten Gast: Bill Gates. Darin betonte der Gründer des Software-Giganten Microsoft die Wichtigkeit der Impfstoffproduktion im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Es ging allerdings auch um den Klimawandel und die Verschwörungsmythen, die sich um seine Person ranken. Gates engagiert sich in der mit seiner Frau gegründeten Stiftung namens "Bill & Melinda Gates Foundation" seit Jahren unter anderem für die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. Impfgegner und andere Verschwörungsideologen dichten Gates seit Ausbruch der Corona-Pandemie an, die Seuche nutzen zu wollen, um die internationale Politik zu dominieren.

Das Interview mit Gates wurde einige Tage vor der Ausstrahlung aufgezeichnet, erklärte Sandra Maischberger. In der Sendung war dann eine Kurzfassung des Gesprächs zu sehen. Das gesamte Interview dauerte 45 Minuten und ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

Zunächst machte Gates in dem Gespräch Hoffnung, dass die Pandemie mit dem Impfstoff in den reichen Ländern bis zum Ende des Jahres besiegt sei. "Für den Rest der Welt wird es viel Großzügigkeit erfordern. Deutschland und sie USA sind ja involviert, finanzielle Unterstützung zu leisten – Wenn wir es richtig angehen, sollte bis Ende 2022 die ganze Welt durchgeimpft sein." Das hänge im Wesentlichen von der Produktion der Impfstoffe ab, so Gates. "Wir müssen es schaffen, dass die Impfstoffproduktion im Milliarden-Dosen-Bereich funktioniert"

Gates: Akzeptanz der Impfstoffe entscheidend für Erfolg der Impfkampagne

Gates äußerte Verständnis dafür, dass manchen Menschen die Impfung Angst mache. Impfstoffe würden "immer kontrovers diskutiert". Letzten Endes sei die Akzeptanz bei der Bevölkerung entscheidend für den Erfolg der Impfkampagne. Bei der Frage, ob es Sinn mache, in Deutschland eine Impfpflicht einzuführen, hält sich Gates bedeckt. Es müsse "jedes Land für sich selbst entscheiden, was am besten ist", erklärte er.

Gates kann Verschwörungsmythen über sich nicht nachvollziehen

Sandra Maischberger sprach Gates dann auch auf die vielen Verschwörungsmythen an, die sich um seine Person ranken. Ob ihm überhaupt bewusst sei, dass es in Deutschland viele Menschen gebe, die ihn als Feinbild erkennen, fragte sie. "Es gibt Demonstrationen, da sind sie in einem Sträflingsanzug abgebildet", erklärte sie ihm. Da musste auch Bill Gates schlucken. Die Logik hinter der Verschwörungserzählung, dass er versuche, Menschen einen Mikrochip implantieren zu wollen, verstehe er gar nicht. Gates wörtlich:

"Es ist schwer zu verstehen, warum ich überhaupt den Wunsch haben sollte, Menschen zu überwachen und was die Verbindung zwischen Mikrochips und Impfungen ist"

Er finde es irgendwie ironisch, dass sich ein Teil dieser Verschwörungserzählungen entweder auf ihn oder auf den medizinischen Chefberater des US-Präsidenten Anthony Fauci beziehen, so Gates. Denn er und Fauci würden ihr Bestes tun, um die Impfproduktion zu steigern. Diese Erzählungen seien "so abgedreht", dass es schwer sei, darauf überhaupt zu antworten.

Maischberger hakte an dieser Stelle nochmal nach, um zwei "Kritikpunkte" aufzugreifen, wie sie es formuliert. Ob er durch die Investition in bestimmte Unternehmen nicht auch den Profit im Blick habe, fragte sie. "All meine Arbeit im Bereich der Impfstoffe ist komplett ehrenamtlich", beteuerte Gates. "Mein Reichtum vermindert sich jedes Jahr wegen der Stiftung", ergänzte er.

Der zweite Punkt, mit dem Maischberger Gates zumindest indirekt konfrontierte, zielte auch auf die Verschwörungserzählung, Gates plane mit seiner Impfung, die Weltbevölkerung zu dezimieren. Ob es ein Widerspruch sei, dass Gates auf der einen Seite die Überbevölkerung für eines der größten Probleme halte und auf der anderen Seite in medizinischen Fortschritt investiere.

"Das Wichtigste, das man über unsere Arbeit wissen muss, ist, dass sich Eltern erst dazu entscheiden, weniger Kinder zu bekommen, wenn mehr Kinder überleben". Es gebe kein Land in der Welt, das gute medizinische Versorgung und gleichzeitig Bevölkerungswachstum habe, versichert Gates.

Gates: Klimawandel könnte bedrohlicher als Corona sein

Das zweite wichtige Thema, mit dem sich Gates beschäftigt, ist der Klimawandel. Er glaubt, der Klimawandel könne für die Gesellschaft noch bedrohlicher sein, als das Coronavirus. "Es wird immer schlimmer, je mehr Treibhausgase wir emittieren. Deswegen ist es fantastisch, dass wir das Ziel haben, bis 2050 auf null Emissionen zu kommen und dass sich junge Leute darum kümmern. Aber wir haben leider keinen Plan", fasst Gates zusammen.

Bild

bild: screenshot ard

Allerdings sei Gates selbst nicht gerade der vorbildlichste Botschafter für nachhaltiges Leben, weil er große Häuser bewohne und einen Privatjet habe, mit dem er sogar zur Klimakonferenz nach Paris ist er mit dem Privatjet geflogen, wirft Maischberger ein. Gates hält dagegen: Er versuche Emissionen zu reduzieren, in dem er Bio-Kerosin kaufe, das dreimal so viel koste. Daher spreche er sich für Investitionen beispielsweise in Bio-Kerosin aus.

Außerdem spricht sich der Microsoft-Gründer für Atomkraft aus, da der Strombedarf massiv ansteigen wird, sobald auf Verbrennungsmotoren verzichtet wird. Der Strom müsse zuverlässig sein und könne nicht abhängig von den Wetterverhältnissen sein. Daher setzt er auf Atomkraft. "Ich habe ein Unternehmen, das wir nur aus Gründen des Klimaschutzes auf die Beine gestellt haben und das eine Konstruktion für supersichere Kernkrafttechnologie entwickelt hat, erklärt er. In Hinblick auf den Deutschen Atomausstieg appellierte er daher, sich "einen offenen Geist zu bewahren". Die Konstruktionen würden "ganz andere Sicherheitsstandards bieten als alles, was wir bisher kannten".

Hier seht ihr das ganze Video mit Bill Gates:

abspielen

Video: YouTube/maischberger. die woche

(lau)

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Abschied vom ZDF – Claus Kleber verlässt das "heute-journal" Ende des Jahres

Was ist nur bei den Öffentlich-Rechtlichen los? Diese Frage kommt wohl unweigerlich auf, wenn man sich ansieht, wie viele Nachrichtensprecher und Moderatoren in den vergangenen Wochen und Monaten der ARD abhandengekommen sind. Nun muss auch das ZDF einen schweren Abschied verkraften. Claus Kleber kehrt dem Sender den Rücken.

Nach 19 Jahren verlässt er das "heute-journal" zum Jahresende, wie ein ZDF-Sprecher gegenüber watson bestätigte:

Die "Bild" hatte zuvor über den Abschied des …

Artikel lesen
Link zum Artikel