Für Martin Klempnow war 2020 trotz aller Umstände ein erfolgreiches Jahr.
Für Martin Klempnow war 2020 trotz aller Umstände ein erfolgreiches Jahr.
Bild: www.imago-images.de / Christoph Hardt
Interview

"Als würde ich mich selbst parodieren": Martin Klempnow kann über seine "Let's Dance"-Zeit nur lachen

30.12.2020, 09:2026.02.2021, 20:11

Für Martin Klempnow war 2020 trotz aller Widrigkeiten kein schlechtes Jahr. Er tanzte bei "Let's Dance", war mehrfach bei Pochers Late-Night-Show "Gefährlich ehrlich" zu Gast, stand außerdem für "Binge Reloaded" und die "heute show" vor der Kamera. Im Interview mit watson sprach er über sein turbulentes Jahr, die enge Verknüpfung von Politik und Comedy und verriet, warum Reality-TV-Shows für ihn keine Option sind.

watson: In vielen Comedy-Formaten, beispielsweise in der "heute show", wird Comedy mit Politik gemischt. Findest du, dass Comedy in den letzten Jahren immer politischer geworden ist?

Martin Klempnow: Ich glaube, Comedy war schon immer politisch. Denn es stellt die Gesellschaft dar. Selbst wenn man überspitzte Figuren wie Dennis aus Hürth als Beispiel nimmt, dann lachen die Menschen unter anderem darüber, weil sie eine Person im Kopf haben, an die sie die Figur erinnert. Im Kabarett waren Comedy und Politik schon immer eng verknüpft. Ich glaube, dass die Übergänge heute einfach fließender sind und das ist auch gut so!

Wieso?

Kabarett darf Comedy sein und Comedy darf auch Kabarett sein. Ich habe da noch nie Unterschiede gemacht und finde die Reglementierung typisch Deutsch. Wenn ich als Dennis aus Hürth unterwegs bin, passe ich genauso gut in eine Show von Carmen Nebel, der "heute show" oder zu Joko und Klaas. Es ist immer eine Parodie der Parodie.

Dennis aus Hürth ist deine Paraderolle. Die Figur spielst du seit über 10 Jahren. Veränderst du die Rolle mit der Zeit auch?

Man mag es kaum glauben, aber da steckt unglaublich viel Arbeit drin. Der Dennis von heute hat mit dem Dennis von damals zwar noch ein paar Parallelen, aber ich versuche ständig, ihn zu modernisieren.

Martin Klempnow kennen viele als Dennis aus Hürth.
Martin Klempnow kennen viele als Dennis aus Hürth.
Bild: TVNOW / Claudio Di Lucia

Wie denn zum Beispiel?

Ich arbeite beispielsweise an der Sprache. Die 21-Jährigen von heute interessieren sich für andere Dinge als die 21-Jährigen von damals. Ich recherchiere viel, bin oft unterwegs und halte die Ohren offen. Ich bin beispielsweise früher, also vor Corona, gerne die Partymeilen in den Städten auf und ab gegangen oder habe mich in Bars und Cafés gesetzt und den Leuten zugehört. Daher hole ich mir viele meiner Ideen. Ich denke aber auch immer wieder mal an meine eigene Jugend zurück. Dennis wächst quasi mit.

Du wirkst in zahlreichen TV- und mit "Binge Reloaded" nun auch in einem Streaming-Format mit. Gibt es eine Sendung, die du am liebsten machst?

Das ist eine schwierige Frage! Das ist, als würde man mit einem Kind in einen Spielzeugladen gehen und es dürfte sich nur eine Sache aussuchen. Bei meinem Job macht mir aber wirklich alles sehr viel Spaß. Vor allem die Vielfalt!

"Dann bin ich plötzlich Teil von 'Let’s Dance' und muss selbst über mich lachen, weil es sich anfühlt, als würde ich mich selbst parodieren."

Wie kann man sich diese vorstellen?

Ich mache "Binge Reloaded", die "heute show" und dann war ich auch noch auf Tour. Dann bin ich plötzlich Teil von "Let’s Dance" und muss selbst über mich lachen, weil es sich anfühlt, als würde ich mich selbst parodieren. Nebenbei betreibe ich außerdem noch ein Tonstudio, bin Autor und schreibe Musik für andere Leute. Das geht nur in diesem Beruf. Ich habe viel zu tun, aber es macht mir alles Spaß.

Du hast auch bereits mit Oliver Pocher für seine Late-Night-Show "Gefährlich ehrlich" vor der Kamera gestanden. Darin hast du Kubilay Özdemir aus dem "Sommerhaus" parodiert, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Pocher?

Es war wie immer mit Oli. Er hat fünf Minuten vorher angerufen und gesagt "Komm mal vorbei" (lacht). Ich habe dann gefragt, was er denn vorhabe und er meinte nur "mal gucken".

Auch bei "Pocher – gefährlich ehrlich" war Klempnow dabei.
Auch bei "Pocher – gefährlich ehrlich" war Klempnow dabei.
null / RTL/Screenshot

Und du bist dann direkt hin, ohne zu wissen, was dich erwartet?

Genau, ich bin einfach spontan hingefahren. Ich schaue mir echt jeden Mist im TV an und Oli weiß das auch. Und er wusste eben auch, dass ich das "Sommerhaus der Stars" verfolge, weil mir da quasi Figuren zum Parodieren geschenkt werden. Oliver Pocher fragte mich dann nur, ob ich den Kubi mitbekommen hätte. Natürlich hatte ich das – und damit war klar: Da können wir was draus machen!

"Nein, das tue ich meiner Familie nicht an."

Könntest du dir auch vorstellen, selbst in solchen Reality-Formaten teilzunehmen?

Ich habe noch keine Anfragen bekommen und das muss auch nicht sein. Ich will den Leuten nicht zu nahetreten, es soll ja jeder das machen, worauf er Lust hat und ich verurteile niemanden, der da mitmacht, aber für mich wäre das absolut nichts. Dafür mache ich zum Glück zu viele andere Dinge, die mich beschäftigen. Also nein, das tue ich meiner Familie nicht an.

Du bist in diesem Jahr aber auch in einer Show angetreten, in der dich viele sicher nicht erwartet hätten: "Let’s Dance". Wie war das für dich?

Es war anders, als ich es erwartet hatte. Am Ende hat mich das Tanzen mehr beschäftigt als die Sendung selbst. Ich habe acht Stunden täglich trainiert und es war sehr schwer für mich, weil ich bis dahin noch nie getanzt habe. Es war mir fast schon unangenehm, dass die talentierte Marta Arndt, Weltmeisterin im Latein-Tanz, mit mir, tanzen musste. Das einzige, was ich also tun konnte, war, mich wenigstens zu bemühen. Das war ich ihr schuldig.

2020 nahm Martin Klempnow an "Let's Dance" teil.
2020 nahm Martin Klempnow an "Let's Dance" teil.
Bild: www.imago-images.de / APress

Und warst du zufrieden mit dir?

Trotz der vielen Verletzungen, die ich mir während der Zeit zugezogen habe, habe ich es einfach durchgezogen und habe mich dann auch sehr geärgert, als ich rausgeflogen bin. Fürs Finale hätte es nicht gereicht, aber eine weitere Runde hätte ich gerne noch geschafft. Ich hatte anfangs nur schwierige Tänze und hätte wenigstens gerne den einzigen Tanz vorgeführt, der meine Geschwindigkeit hat: den Walzer.

"Sie alle hat das sehr hart getroffen und sind mittlerweile in ihrer Existenz bedroht."

Die Dreharbeiten für "Let’s Dance" fielen ausgerechnet in die Zeit des ersten Corona-Lockdowns. Wie war es, während der Corona-Zeit zu drehen?

Alle haben das sehr ernst genommen. Ich persönlich habe mich in private Quarantäne begeben und hatte wirklich nur Kontakt zu meiner Tanzpartnerin Marta. Im Studio hatten wir dann alle kaum miteinander zu tun. Jedes Paar hat seinen Slot gekriegt und getanzt. Andererseits wusste man jedoch auch, dass sehr viele Menschen zuschauen und man bekam so viel positives Feedback.

Wie sah das aus?

Die Zuschauer waren sehr dankbar für die Ablenkung, denn wir waren das einzige Format dieser Art, das noch gelaufen ist. Ich habe Fotos von Freunden bekommen, die mit ihrer ganzen Familie, samt Schlafanzug vor dem Fernseher saßen und "Let’s Dance" schauten, das motiviert! Deshalb habe ich dort auch weniger den Klassenclown gespielt und mich mehr auf das Tanzen konzentriert.

Und wie war dieses Corona-Jahr allgemein für dich?

Schwierig. Ich hatte zwei fast ausverkaufte Touren, auch dank "Let’s Dance", und die mussten nun schon mehrfach verschoben werden. Neben den ganzen Unannehmlichkeiten, die den Kartenbesitzer bereitet wurden, tun mir natürlich in erster Linie vor allem die Menschen im Hintergrund sehr leid; die Veranstaltungstechniker, die Veranstalter und die, die in den Event-Hallen arbeiten. Sie alle hat das sehr hart getroffen und sind mittlerweile in ihrer Existenz bedroht.

Und wie hart trifft dich die Lage persönlich?

Ich bin glücklicherweise breit aufgestellt, weil ich nicht nur Live-Auftritte mache, sondern auch im Tonstudio arbeite und Sendungen wie "Binge Reloaded" drehe. So konnte ich meine Arbeit einfach auf andere Bereiche verlagern. Aber mir fehlt die Bühne und auch das Publikum sehr. Ich habe ein neues Programm, das dieses Jahr Premiere gefeiert hätte… aber es ist ja nur aufgeschoben. Ich versuche, positiv zu denken und will mich nicht beschweren, aber wie gesagt, das ist alles Kinderkacke im Vergleich wie es anderen gerade geht. Hauptsache alle bleiben gesund.

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