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Google Stadia könnte die Gaming-Branche umkrempeln. Bild: dpa / dpa

Google Stadia will Gaming-Konsolen überflüssig machen – wir haben den Dienst getestet

Am Dienstag startet Googles neuer Spiele-Streamingdienst Stadia. Damit sollen aktuelle Top-Videospiele auf jedem TV, Computer oder sogar Smartphone gezockt werden können. Funktioniert das wirklich?

Jan Mölleken / t-online

Der Internet-Konzern Google will die Gaming-Welt umkrempeln: Mussten Zocker sich bislang stets eine aktuelle Spielkonsole oder ein Spiele-PC anschaffen, um die neuesten Titel mit der besten Grafik spielen zu können, soll künftig ein Fernseher oder ein Uralt-PC ausreichen. Das zumindest verspricht der neue Spieledienst Stadia, der nun offiziell startet.

Der Trick dabei: Die aufwändige Berechnung von Grafik und Spielmechanik findet ausschließlich auf Google-Servern statt. So muss das Endgerät, an dem gespielt wird, nur die Steuerungsbefehle des Spielecontrollers weitergeben und die fertig berechneten Bilder empfangen. Das ist etwa so rechenintensiv wie einen HD-Film auf Netflix oder bei Youtube aus dem Internet zu streamen – so viel Rechenleistung bieten heute sehr viele Geräte.

Der Knackpunkt: Alles muss sehr schnell gehen. Zwischen einer Eingabe – etwa dem Druck aufs Bremspedal in einem Rennspiel – und einer auf dem Bildschirm sichtbaren Bremsung, dürfen nur wenige Millisekunden Zeit vergehen.

Sonst fühlt sich die Steuerung verzögert an und das Spiel macht keinen Spaß. Bei einem Vorabtest im Berliner Google-Büro konnten wir den Dienst ausprobieren. Das sind unsere Eindrücke:

Stadia lässt sich schnell einrichten

Wir konnten den neuen Dienst an einem Fernseher, auf einem Mittelklasse-Smartphone und auf einem eher leistungsschwachen Notebook ausprobieren. Die Einrichtung an den jeweiligen Geräten ist dabei recht einfach. Nötig sind nur der Stadia-Gamecontroller, die Stadia-App und für das Spielen am Fernseher einen Chromecast-Adapter.

Der erste Test erfolgte am Handy, einem Google Pixel 3a. Grundsätzlich sind aber die meisten Android- und iOS-Smartphones geeignet. Das Handy wird mit einem kleinen Gestell auf den Gamecontroller geklemmt und mit einem USB-Kabel mit diesem verbunden. Danach mussten wir lediglich die App starten und ein Spiel aus der Bibliothek auswählen.

Keine Downloads, keine Updates

Ein großer Vorteil: Anders als bei PC- oder Konsolenspielen ist das Spiel immer auf aktuellen Stand. Zwangspausen, weil vor dem Spielstart wieder mal ein Update heruntergeladen und installiert werden muss, entfallen. Die Games selbst müssen ebenfalls nicht installiert werden. Sie sind direkt nach dem Kauf spielbar.

Im Test startete "Mortal Kombat 11" ohne lange Wartezeit – quasi wie auf einem Gaming-PC. In einer kurzen Runde gegen den Computer waren keine störenden Verzögerungen beim Drücken der Tasten auszumachen. Das Spiel lief flüssig und sah erheblich besser aus, als das, was Smartphone-Apps grafisch zu bieten haben.

Blitzschnell vom Smartphone auf den Fernseher

Mit einem Tastendruck gelang der Wechsel vom Handy-Display auf den großen 4K-Fernseher. Das Spiel musste dafür nicht neu geladen werden – die Übergabe war in wenigen Sekunden erledigt.

Ähnlich schnell funktioniert auch der Wechsel in ein anderes Spiel: Nach einer weiteren Runde "Mortal Kombat 11" wechselten wir über die Menütaste zum Online-Shooter Destiny 2. Auch das Spiel lief auf dem Fernseher flüssig in 4K-Auflösung. Störende Verzögerungen gab es nicht.

Es braucht schnelles Internet

Wie schön die Spiele auf den heimischen Geräten aussehen, hängt maßgeblich von deiner Internetleitung ab. Google gibt an, dass für den Dienst mindestens Internet mit 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) Bandbreite nötig sind. Das reiche allerdings nur für eine Auflösung von 720p.

Um Spiele in 1080p – also Full HD – sehen zu können, sollten es bereits zwischen 15 und 25 Mbit/s sein. Für 4K-Auflösung schließlich empfiehlt Google einen Internetanschluss mit mindestens 35 Mbit/s. Ob die eigene Leitung genügend Leistung bringt, verrät der Google-Stadia-Speedtest.

Natürlich ist der eigene Internet-Anschluss nur ein Teil der Gleichung. Damit die Spielebilder flüssig und vor allem verzögerungsfrei im Wohnzimmer landen, darf der Weg zu den Stadia-Servern nicht zu weit sein. Google verspricht, dass das in ganz Deutschland kein Problem sein soll. Das verantwortliche Rechenzentrum stehe in Frankfurt und binde von Flensburg bis Berchtesgaden die gesamte Republik schnell an.

Ob das tatsächlich so ist, muss sich erst noch herausstellen. Zumindest in Berlin war keine störende Verzögerung zu spüren. Allerdings ist davon auszugehen, dass Google für die Presse-Demonstration die besten Voraussetzungen geschaffen hatte. Das Stadia-System war laut Speedtest mit einer 100-Mbit/s-Leitung mit dem Internet verbunden.

Eine Frage des Preises

Wie hoch die Auflösung der Spiele ist, hängt allerdings von einem weiteren Aspekt ab: Um in voller 4K-Auflösung spielen zu können, benötigen Spieler ein kostenpflichtiges Stadia-Pro-Abo. Für 10 Euro monatlich bekommen Käuferinnen und Käufer neben der höchsten Spieleauflösung außerdem 5.1-Surround-Sound sowie einige kostenlose Spiele und Rabatte beim Kauf neuer Spieletitel. Ab dem kommenden Jahr ist außerdem Stadia Base als kostenloses Angebot verfügbar. Hier können Spiele allerdings maximal mit 1080p-Auflösung gespielt werden.

Wer heute noch einsteigen möchte, kann die Stadia Premiere Edition für 129 Euro vorbestellen oder auch noch bis Mitte kommenden Jahres kaufen. Im Preis enthalten sind ein Stadia-Controller, ein Chromecast Ultra, um den Fernseher mit Stadia zu verbinden, und drei Monate Stadia Pro.

Derzeit nur wenige Spiele

Damit du ein Spiel über Stadia spielen kannst, muss dieses jedoch erst vom Anbieter für den Dienst verfügbar gemacht und anschließend von dir gekauft werden. Zum Start ist die Liste der vefügbaren Titel noch kurz. Allerdings sollen noch in diesem Jahr weitere, aktuelle Spiele folgen, etwa Borderlands 3. Für das kommende Jahr ist unter anderem Cyberpunk 2077 angekündigt.

Problematisch ist jedoch: Spiele die du bereits für andere Plattformen besitzt, können nicht mit Stadia genutzt werden, selbst wenn sie dort verfügbar sind. Willst du einen Titel also auch auf Stadia spielen, musst du ihn noch einmal kaufen.

Die Spielepreise sollen auf dem Niveau anderer Spiele-Plattformen liegen, erklärte Google auf Nachfrage. Im kommenden Jahr soll übrigens auch eine Family-Sharing-Option kommen, wie es sie etwa schon bei Steam gibt.

Fazit: Nichts überstürzen

Stadia hat das Potenzial die Spiele-Branche umzukrempeln. Gaming auf Stadia löst im besten Fall viele Probleme, macht Spielen viel einfacher und für die meisten Nutzer und Nutzerinnen teuer Konsolen oder Spiele-PCs überflüssig.

Momentan ist davon aber noch wenig zu sehen. Wer jetzt einsteigt, kann bisher 24 Spiele spielen. Viele versprochene Optionen – etwa der kostenlose Stadia-Base-Tarif – sind derzeit noch nicht verfügbar.

Doch zum Start einer neuen Plattform ist das normal. Im kommenden Jahr könnte das schon ganz anders aussehen. Der Erfolg von Stadia steht und fällt also damit, wie gut die Performance im Alltag ist.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de.

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