Coronavirus
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Ob Lebensmittel während der Corona-Krise online zu bestellen überhaupt eine gute Idee ist? (Symbolbild) Bild: iStockphoto / ronstik

Corona: Engpässe beim Online-Shopping – Rewe meldet sich zu Wort

Passiert, gestückelt, mit Kräutern oder ohne: Die Zeiten, in denen man Stunden vor dem Supermarktregal verbringen konnte, um sich für eine Sorte Dosentomaten zu entscheiden, scheinen zunächst vorbei. Heutzutage nimmt man, was übrig ist – wenn etwas übrig ist.

Der Grund für diesen Zustand ist die Coronavirus-Pandemie: Obwohl keine Lebensmittelknappheit droht, geraten einige Menschen in Panik und kaufen auf Vorrat. Wem beim Lebensmittelkauf noch keine leeren Fächer und Kisten entgegengähnten, hat die Bilder von leergehamsterten Läden zumindest in den Medien gesehen.

Zur täglichen Versorgung mit Lebensmitteln kommt nun erschwerend hinzu, dass geraten wird, das Haus so wen wie möglich zu verlassen, um die Ansteckung mit Covid-19 zu vermindern. Die Lösung Online-Shopping liegt nun mehr als nahe: Was im Supermarkt nicht mehr erhältlich ist, bekommt man vielleicht noch online – und das, ohne selbst vor die Tür gehen zu müssen.

Wie gut funktionieren Online-Shops zu Zeiten von Corona?

"Stern TV" hat bei RTL den Test gemacht: Drei Mitarbeiter haben in Berlin, Köln und München verschiedene Online-Anbieter für Nahrungsmittel und Dinge alltäglichen Bedarfs getestet. Mit dabei waren: Rewe, Netto, Edeka24, Real und Amazon Fresh.

Die Aufgabe war, 20 Produkte, darunter auch momentan heiß begehrtes Toilettenpapier, in der jeweiligen Großstadt zu bestellen. Und das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Nur ein Händler konnte die gesamten Einkäufe in einem Zeitraum von 20 Stunden liefern.

Zunächst versuchen es die Probanden bei Netto: Bei Toilettenpapier herrscht dort Fehlanzeige, sämtliche Marken waren zum Bestellzeitpunkt ausverkauft. Auch bei frischen Lebensmitteln sieht es nicht viel besser aus. Am Ende sind in München nur fünf von 20 gewünschten Produkten bestellbar, in Köln und Berlin jeweils nur vier.

Bei Edeka24 gibt es Probleme mit dem Online-Shop

Bei Edeka24, dem Online-Shop von Edeka, sieht es nur geringfügig besser aus: Tobias aus München bekommt sieben Produkte. Leider gibt es offensichtlich eine technische Störung im Shop: Der Warenkorb wird ständig leer angezeigt. Die Erfahrung macht auch Kai in Berlin. Ob die Seite wohl vom Andrang überfordert ist?

Nachdem Kai beim Kundenservice von Edeka24 angerufen hatte, wird klar: Die Produkte sind allesamt ausverkauft, deswegen seien nur noch Wein und Spirituosen online erhältlich, wie ein Sprecher des Online-Supermarktes erklärt.

Deutlich mehr Glück hatten die "Stern TV"-Tester bei Real, wo eine Lieferung bis nächste Woche in allen drei Städten in Aussicht gestellt wird. Auch bei Amazon Fresh sollten die Einkäufe voraussichtlich eine Woche später eintreffen.

Bei Rewe lief der Einkauf am besten – außer in Berlin

Am erfolgreichsten war allerdings der Online-Einkauf bei Rewe – mit Ausnahme von Berlin, wo es für die kommenden Wochen keine Liefer-Slots mehr gibt. Thomas aus München hat allerdings alle gewünschten Produkte innerhalb von 48 Stunden bekommen, darunter Toilettenpapier, Ravioli und Tiefkühlpizza. Einziges Manko war nur, dass Thomas bei manchen Produkten von seiner Lieblingsmarke abweichen musste. Das kann man verschmerzen.

An dieser Stelle ist noch zu erwähnen: Bei der Lieferung der Produkte wurde übrigens auf Hygieneregeln geachtet. Der Mitarbeiter von Rewe hat genügend Abstand gehalten und die Einkäufe vor die Tür gestellt, nachdem er geklingelt hatte.

Wir haben die Supermarkt-Ketten angefragt

Nach dem Online-Shopping-Experiment bei "Stern TV" hat watson alle in der Sendung getesteten Läden angefragt, wie sie auf einen möglichen Bestell-Ansturm vorbereitet sind und ob es Notfall-Pläne gibt. Bisher hat lediglich Rewe auf unsere Anfrage reagiert.

Eine Sprecherin bestätigt, dass Rewe beim Lieferservice, analog zum stationären Handel, "eine sehr stark erhöhte Nachfrage nach lang haltbaren Lebensmitteln, Nährmitteln, Konserven und Drogerieartikeln" verzeichnet. Weiterhin heißt es in ihrem Statement:

Die hohe Nachfrage kann aktuell Wartezeiten von ein bis zwei Wochen mit sich bringen – die Wartezeiten sind abhängig vom jeweiligen Liefergebiet und nicht der Regelfall. Von den außergewöhnlichen Wartezeiten aufgrund der außerplanmäßigen Nachfrage abgesehen haben wir eine sehr gut funktionierende Infrastruktur mit einer gesicherten Warenversorgung.

Die Kollegen im Online-Handel – sowie alle Kolleginnen und Kollegen in den Märkten, Lägern und Zentralen – machten seit Wochen einen grandiosen Job, lobt die Sprecherin weiterhin, und trügen dazu bei, dass die Mehrheit der Bevölkerung großes Vertrauen in die Versorgung mit Lebensmitteln hat.

Lob für den Online-Shop, weil er selbst zur Corona-Krise funktioniert

In der Sendung findet Thomas vor allem Lob für Rewe, weil der Einkauf technisch einwandfrei funktioniert hat:

"Der Shop war stabil, was in diesen Ausnahmezeiten bemerkenswert ist."

Obwohl die Online-Shopping-Lösung von Lebensmitteln zumindest in Köln und München gut funktioniert hat, rät Thomas davon ab, dass wir ab jetzt alle aufs digitale Einkaufen setzen. Aus Gründen der Solidarität, die während der Corona-Krise umso mehr gefragt ist, sollten wir versuchen, die Online-Shopping-Kapazitäten nicht zu sehr auszureizen:

"Wenn ich rausgehen darf und kann, sollte ich noch selber einkaufen gehen."

Nur so können wir gewährleisten, dass diejenigen unter uns, die wirklich auf Lieferungen angewiesen sind, zum Beispiel aufgrund von Krankheit oder hohem Alter, notwendige Nahrungsmittel bekommen.

Bitte nur online shoppen, wenn nötig – und nicht hamstern

Die mahnenden Worte sollten wir uns zu Herzen nehmen. Was das Experiment nämlich verdeutlicht hat, ist vor allem: Auch die Supermärkte sind durch die aktuelle Situation belastet. Es wird zwar keine Versorgungsengpässe mit Lebensmitteln geben, wie sämtliche Supermarktketten bereits betont haben. Dennoch sollten wir nun auch beim Einkaufen besonnen sein, um die Kapazitäten nicht unnötig auszuschöpfen.

Das bedeutet: nicht hamstern – und nicht unnötig online shoppen.

(ak)

Start-up-Idee: Edeka und Rewe testen Hygiene-Neuheit am Eingang

Wenn ihr in letzter Zeit mal einkaufen wart, habt ihr sie vielleicht gesehen: minder-motivierte Mitarbeiter des Supermarkts eures Vertrauens, die mit Sprühflasche und Lappen bewaffnet Einkaufswägen desinfizieren sollen. Der Desinfektionsvorgang sieht dann oft so aus: zwei Sprühstöße in die generelle Richtung des Wagens, kurz drüber gewischt und fertig.

Das Bild ist eines von dreifacher Unzufriedenheit: Die Mitarbeiter haben besseres zu tun (wer könnte es ihnen verdenken), die Märkte …

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