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Nach dem Rauchstopp nimmt man zu, dieses Gerücht hält sich hartnäckig - mit Recht? Bild: iStock / Getty Images Plus / PredragImages

Mythos aufgedeckt! Nimmt man zu, wenn man aufhört, zu Rauchen?

Jedes typische Gespräch über das Rauchen kommt irgendwann an den Punkt, an dem es heißt "Ich würde ja aufhören, würde ich dadurch nicht zunehmen". Für viele ist die Angst vor zusätzlichen Kilos so stark, dass sie sich nicht von Zigaretten lossagen können.

Dafür ist auch die Tabakindustrie verantwortlich: Seit Jahrzehnten verknüpft sie eine schlanke Figur mit dem Rauchen. Bestes Beispiel: Ein Plakat von Lucky Strike von 1929 mit der Aufschrift "To keep a slender figure. Reach for a Lucky instead of a sweet". Das sich nach wie vor hartnäckig haltende Schönheitsideal einer schlanken Figur tut sein übriges.

Doch stimmt es wirklich, dass man an Gewicht gewinnt, wenn man sich endlich von der Zigarette trennt?

Die Antwort: Jein. Eine Gewichtszunahme ist möglich – aber letztlich liegt es an dir, wie sich dein Körper nach dem Rauchstopp verändert.

Rauchen mindert Appetit und kurbelt den Stoffwelchsel an

Wenn du rauchst, gelangt Nikotin durch Lunge und Blut-Hirn-Schranke in dein Gehirn. Hier wirkt es unter anderem anregend auf Sympathikus und Parasympathikus, zwei Bereiche des autonomen Nervensystems.

"Nikotin erreicht innerhalb von [...] ca. 10 Sekunden nach dem Einatmen das Gehirn, wo es seine Wirkung entfaltet."

BZgA

Die Folge: Magensaftproduktion und Darmaktivität steigen, wodurch die Verdauung angekurbelt wird. Gleichzeitig wird mehr Adrenalin freigesetzt, Herzfrequenz sowie Blutdruck steigen und Fette werden stärker abgebaut. Dadurch wird Nahrung, die du aufnimmst, letztlich schneller verstoffwechselt.

Wer raucht, verbrennt (kaum) mehr Kalorien am Tag

Raucher haben damit einen höheren Grundumsatz als Nichtraucher. Laut Studien sind die Unterschiede allerdings gering. Raucher verbrennen täglich knapp 200 Kalorien mehr, was einem um zehn Prozent erhöhten Grundumsatz entspricht.

Diese "zusätzlichen" 200 Kalorien können durch Sport oder Spazierengehen schnell ausgeglichen werden. Bei der Frage, wie hoch die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp wirklich ist, wird meist auf eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) verwiesen.

"Eine halbe Stunde täglich schnelles Gehen verbraucht rund 200 Kilokalorien, etwa genauso viel wie 20 Zigaretten vorher."

NetDoktor

Demnach haben Männer ein bis zwei Jahre nach dem Rauchstopp durchschnittlich 4,9 Kilo und Frauen 5,5 Kilo zugenommen. Der Durchschnittswert ist aber nur eine Orientierung, da jeder Körper anders auf den Rauchstopp reagiert. Denn die Studie zeigt auch: Einige Ex-Raucher halten ihr Gewicht oder nehmen ab.

Und auch bei denen, die an Gewicht zulegen, muss laut DKFZ berücksichtigt werden, dass Nichtraucher im Laufe der Zeit häufig in ähnlichem Ausmaß zunehmen. Der Rauchstopp ist also nicht zwingend für die Kilos verantwortlich.

Diese Personen nehmen am ehesten zu

Laut DKFZ gibt es Faktoren, die eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp begünstigen. Dies ist zum einen die Anzahl der Zigaretten: Je mehr du täglich geraucht hast, desto wahrscheinlicher eine Gewichtszunahme.

Gleiches gilt für jüngere und allein lebende Personen sowie Menschen mit "sozial schwachem Hintergrund". Auch eine genetische Veranlagung sei laut DKFZ nicht auszuschließen.

"Dabei wirkt sich
wahrscheinlich die vermehrte Nahrungsaufnahme stärker auf die Gewichtszunahme aus als der verringerte Grundumsatz."

Deutsches Krebsforschungszentrum,

Ein weiterer, wenn nicht der zentrale Faktor, der sich auf das Gewicht auswirkt, ist dein Verhalten nach dem Rauchstopp. Logisch: Wer neben Zigaretten auch auf gesunde Ernährung und Sport verzichtet, neigt zur Gewichtszunahme.

Wer nicht raucht, snackt

Nach dem Rauchstopp ersetzen viele Zigaretten durch Süßigkeiten oder Chips. Das Nikotin hat bisher bei jedem Zug dein Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, indem es für die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin und Endorphin sorgte. Die Folge: Ein wohliges und beruhigendes Gefühl.

Nach dem Rauchstopp übernehmen Süßes und Fettiges die Aktivierung des Belohnungssystems. Sie werden schnell zur Ersatzbefriedigung und zum Stimmungsaufheller. Auch Konditionierung spiel eine Rolle: Wenn du früher aus Routine zum Kaffee geraucht hast, greifst du nun zu Keksen, um etwas in der Hand zu haben.

Zudem kommt dein natürlicher Appetit zurück. Nikotin wirkt auf das „Brechzentrum“, das Übelkeit hervorruft und Appetit mindert. Heißt: Das Rauchen dämpfte konstant dein Hungergefühl, das nun zurückkehrt.

Es gilt: Always look on the bright side of life

Okay: Wer mit dem Rauchen aufhört, könnte zunehmen. Der Grundumsatz sinkt, das Hungergefühl kehrt zurück und du greifst zu Ersatzbefriedigungen. Letztlich liegt die Gewichtszunahme im Schnitt jedoch nicht über fünf Kilo. Wenn du dich also nach dem Rauchstopp nicht zurücklehnst, sondern auf Sport und Ernährung achtest, brauchst du nichts zu befürchten.

"Eine große Unterstützung für einen Rauchstopp und eine erfolgreiche Gewichtskontrolle ist es, sich auf die Vorteile eines Rauchstopps zu konzentrieren und nicht auf eventuelle Nachteile."

Deutsches Krebsforschungszentrum

Außerdem: Was machen schon die paar Kilos im Vergleich zu dem, was du geleistet hast? Mit dem Rauchen aufzuhören ist der größte Gefallen, den du dir tun konntest und auf den du mächtig stolz sein solltest!

Gesundheitliche Verbesserungen nach dem Rauchstopp

Drei Tage nach dem Rauchstopp bessert sich bereits die Funktion deiner Atemwege und nach drei bis neun Monate nehmen Husten und Atemwegsbeschwerden ab.

Bereits nach einer Woche sinkt der Blutdruck und nach zwei Jahren ist dein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen so hoch wie das lebenslanger Nichtraucher.

Innerhalb weniger Jahre ist dein Erkrankungsrisiko für die meisten tabakbedingten Krebsarten deutlich gesunken.

Außerdem wirst du körperlich fitter, gesünder sowie belastbarer, Verfärbungen der Zähne lassen nach und deine Haut wird glatter.

Und: Du sparst Geld. Wer pro Tag eine Schachtel für rund sieben Euro raucht, gibt pro Jahr über 2.250 Euro aus. Genug für einen Sommerurlaub.

Deutsches Krebsforschungszentrum

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