Nach mehreren Fragen zum Krieg in der Ukraine verlor der Coach die Beherrschung.
Nach mehreren Fragen zum Krieg in der Ukraine verlor der Coach die Beherrschung.Bild: dpa / Nick Potts

"Hören Sie endlich mit diesen Fragen auf": Thomas Tuchel reagiert emotional auf Russland-Krise

02.03.2022, 13:11

Wie die Zukunft des FC Chelsea aussieht, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Die russische Invasion in die Ukraine und der damit verbundene Rücktritt Roman Abramowitschs sorgte innerhalb des FC Chelsea für große Unsicherheit. Der russische Oligarch, dem eine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen wird, gab am vergangenen Samstag die Verwaltung an die Treuhänder der wohltätigen Stiftung des FC Chelsea ab. Verkauft hat er den englischen Klub aber noch nicht.

Dementsprechend drehten sich die Fragen der anwesenden Journalisten auf der Chelsea-Pressekonferenz am Dienstag vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Luton Town fast ausschließlich um den Krieg in der Ukraine und den Rückzug von Klub-Boss Roman Abramowitsch. Als Chelsea-Trainer Thomas Tuchel wiederholt auf die dramatischen Entwicklungen in der Ukraine angesprochen wurde, verlor der Deutsche endgültig die Beherrschung.

"Sie müssen wirklich damit aufhören"

Der Deutsche räumte zunächst ein, dass er sich zur Rolle des russischen Chelsea-Eigners weder äußern wolle, noch könne: "Ich kenne keine Details, weiß nicht genug über all das. Es ist nicht an mir, das zu kommentieren", sagte Tuchel.

Jeder in Europa sei wegen des Kriegs gerade in einer Extremsituation, erklärte er. "Vielleicht ist das bei Ihnen auch so, aber Sie versuchen trotzdem, Ihre Arbeit so gut wie möglich zu machen, und das gilt auch für uns", beantwortete der 48-Jährige die Fragen zur Eskalation in der Ukraine. Immer wieder werde er nach dem Krieg gefragt, dabei wisse er nicht, was die Journalisten von ihm hören wollen, erklärte der Schwabe gereizt.

"Ihr fragt mich immer wieder nach dem Krieg. Wie oft soll ich es noch sagen? Es ist fürchterlich, einfach fürchterlich! Da gibt es keine zwei Meinungen. Aber warum sollen wir mehr von unserer Arbeit abgelenkt sein als ihr? Wir probieren alle, trotz allem unser Bestes zu geben."

Als ein britischer Journalist schließlich dennoch nach einer Einschätzung Tuchels zum "Horror des Krieges" verlangte, fiel ihm der Coach auf Englisch aufgeregt und gestikulierend ins Wort:

"Hören Sie, Sie müssen aufhören damit. Ich bin kein Politiker! Sie müssen wirklich damit aufhören. Ich kann es nur wiederholen – und ich fühle mich sogar schlecht dabei, es zu wiederholen, weil ich nie Krieg erlebt habe."

Mit spürbar zitternder Stimme, führte er weiter aus: "Ich fühle mich schlecht, darüber zu sprechen, weil ich sehr privilegiert bin. Ich sitze hier in Frieden. Ich tue alles, was ich kann, aber Sie müssen aufhören, mir diese Fragen zu stellen, weil ich keine Antworten für Sie habe!"

Man versuche, obwohl man sich im Auge des Sturms befände, ruhig zu bleiben, und sich auf den Sport zu konzentrieren. Man könne "den Lärm um uns, nicht kontrollieren". Und dennoch "Die Spieler haben ein Recht, sich darauf zu konzentrieren. Das möchte ich den Fans sagen."

Abramowitsch erwägt einen Verkauf des FC Chelsea

Bereits am Freitag, vor der knappen Elfer-Pleite im Ligapokal-Achtelfinale gegen Liverpool, räumte Tuchel ein, dass der russische Einmarsch in die Ukraine "viel Unsicherheit" für Chelsea bringe: "Wir sollten nicht so tun, als wäre das kein Problem".

Wie es mit dem Champions League Sieger und Klubweltmeister weitergehe, werde sich vermutlich in den kommenden Wochen zeigen. Klubbesitzer Abramowitsch erwägt nun offenbar nach den ersten angekündigten Rückzugsschritten einen Verkauf des FC Chelsea. Die Treuhänder zeigten sich bislang zurückhaltend.

Laut des englischen "Telegraph" glauben mögliche Interessenten, dass der 55-jährige Russe zu Gesprächen bereit sei. Mindestens drei Parteien wollen noch in dieser Woche Angebote hinterlegen. Ein Interessent sei offenbar der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss.

Wyss habe am Dienstag mit drei weiteren Personen ein Angebot erhalten, um Chelsea vom russischen Oligarchen zu kaufen, berichtete man. Abramowitsch wolle Chelsea "schnell loswerden". Ob Wyss, der als einer der reichsten und einflussreichsten Schweizer gilt, einen Kauf vorantreibt, werde sich in "vier bis fünf" Tagen zeigen.

(abd)

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