Da ihre Konzert-Partnerunternehmen in Kritik geraten, sieht sich die Band Coldplay nun Greenwashing Vorwürfen ausgesetzt.
Da ihre Konzert-Partnerunternehmen in Kritik geraten, sieht sich die Band Coldplay nun Greenwashing Vorwürfen ausgesetzt.Bild: picture alliance / Photoshot

"Coldplay wurde verarscht": Wie Greenwashing die Konzert-Tour der Band überschattet

13.05.2022, 14:47

In Wahrheit bleibt es bei einem "Head full of dreams": Mit weniger Reise-Emissionen, einer Baumpflanzaktion pro verkauftem Ticket und einer kinetisch angetriebene Tanzfläche hatte die britische Rockband Coldplay ihre "Music Of The Spheres World Tour" als besonders klimafreundliche Konzert-Tour gestalten wollen.

Um ihre Touring-Emissionen zu halbieren, kündigte Coldplay letzte Woche jedoch eine Partnerschaft mit der finnischen Ölgesellschaft Neste an und gerät damit momentan sehr in die Kritik des Greenwashings.

Sponsor rodete tausende Hektar Wald

Neste behauptet, der weltweit größte Produzent nachhaltiger Biokraftstoffe zu sein und damit umweltfreundlicher als andere Mineralölunternehmen und ein nachhaltiger Energielieferant zu sein. Laut einer Studie von Friends of the Earth hätten aber die Palmöllieferanten von Neste zwischen 2019 und 2020 mindestens 10.000 Hektar Wald in Ländern wie Indonesien und Malaysia gerodet. Das massenhafte Bäumeroden vom Partnerunternehmen fällt damit jetzt auch negativ auf Coldplay zurück, die nun in der Öffentlichkeit als "nützliche Idioten für Greenwashing" gebrandmarkt werden.

Coldplay kündigte Welttournee als ausdrücklich nachhaltig an

Denn die "Music Of The Spheres World Tour" sollte vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit stehen. Chris Martin und die anderen Bandmitglieder hatten dafür im Vorhinein eine "bestmögliche Version einer umweltfreundlichen Tour" versprochen.

"Neste benutzt Coldplay auf zynische Weise, um seinen Ruf grün zu waschen. Dies ist ein Unternehmen, das mit der Art der Entwaldung in Verbindung gebracht wird, die Chris Martin und seine Fans entsetzen würde. Es ist noch nicht zu spät, sie sollten ihre Partnerschaft mit Neste jetzt beenden und sich stattdessen auf wirklich saubere Lösungen konzentrieren", sagte Carlos Calvo Ambel, Senior Director der Transport and Environment Campaign Group (T&E) dazu gegenüber der Tageszeitung Guardian.

Auch BMW als Sponsor in der Kritik

Die Welttournee von Coldplay wurde separat davon aber auch für ihre Zusammenarbeit mit BMW kritisiert, die 40 wiederaufladbare Batterien für Elektrofahrzeuge zur Verfügung stellten, um die Shows mit Strom zu versorgen. Laut einem Bericht von Influence Map ist BMW ein einflussreicher Lobbyist der deutschen Autoindustrie. "Coldplay wurde verarscht", sagte Eoin Dubsky, Senior Campaign Manager der Verbraucherbewegung "Sum Of Us". "BMW setzt sich dafür ein, die EU daran zu hindern, eine Frist bis 2035 für emissionsfreie Fahrzeuge festzulegen, und sie konnten Coldplay nutzen.“

In einem veröffentlichten Pressestatement der Band heißt es, dass Coldplay sich auch an andere Elektroautohersteller gewandt hätte, BMW aber letztlich die Firma gewesen sei, die ihre Hilfe für eine umweltfreundlichere Gestaltung der Welttournee angeboten habe. "Wir haben keine Verbindung zu oder Einfluss auf ihre Unternehmenspolitik", verteidigte sich Coldplay in der aktuellen Pressemitteilung, "wir brauchen nur ihre Batterien, damit wir unsere Shows mit erneuerbarer Energie versorgen können."

(mcm)

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