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Es kann nur einen geben: Joe Biden ist der Gewinner beim "Super Tuesday". Für Bernie Sanders wird es eng. Bild: Getty images/imago images/zuma/watson

Die größte Aufgabe steht dem Vorwahl-Gewinner noch bevor

thomas jäger

Eines steht nach den Ergebnissen des "Super Tuesday" fest: Gewinnen die Demokraten die Präsidentschaftswahl, wird der nächste amerikanische Präsident im Weißen Haus seinen achtzigjährigen Geburtstag feiern.

Denn jetzt ist es ein Wettkampf zwischen zwei alten weißen Männern. Bernie Sanders, der als Favorit in die gestrigen Vorwahlen ging ist 78 Jahre und wird im September 79. Joe Biden, der als Spitzenreiter aus den Wahlen herausging, nachdem man ihm vor ein paar Tagen noch wenig zugetraut hat, ist 77 und wird einige Tage nach den Wahlen Anfang November 78. Dagegen wirkt Donald Trump, der für die Republikaner antreten wird, mit seinen 73 Jahren schon fast jung.

Gerade bei den Demokraten verwundert es, dass sie nach den beiden letzten Präsidenten aus ihren Reihen, Bill Clinton und Barack Obama, die beide sehr jung ins Weiße Haus einzogen, nun einen so alten Kandidaten auswählen. Und das, obwohl Frauen, Junge, Afro-Amerikaner und Hispanics besonders wichtige Wählergruppen für sie sind, ohne die kein demokratischer Kandidat gewinnen kann. Wie kam es dazu und was hat der "Super Tuesday" geändert?

Unser Gastautor

Thomas Jäger

Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln. Herausgeber der "Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik" ("ZfAS") und der Buchreihe "Globale Gesellschaft und internationale Beziehungen". Außerdem gehört er dem wissenschaftlichen Direktorium des Instituts für Europäische Politik und des wissenschaftlichen Beirats des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr an.

Dazu muss man kurz zurückblicken auf die Vorwahlen 2016:

Denn damals wollten die Parteifunktionäre unbedingt Hillary Clinton durchsetzen. Gerüchteweise wurde Joe Biden mit Druck davon abgehalten, selbst zu kandidieren, obwohl er als Vizepräsident von Obama dazu prädestiniert gewesen wäre.

Dann kam Bernie Sanders, ein Außenseiter, der nicht einmal der demokratischen Partei angehört, sondern als Unabhängiger auf ihrem Ticket läuft. Er forderte eine politische Revolution und viele fanden das aufregend und gut. Er machte Clinton das Leben ausgesprochen schwer, unterlag ihr nur knapp und baute seitdem vier Jahre lang sein Wahlkampfteam intensiv auf. Er hatte vor "Super Tuesday" das meiste Geld (abgesehen von Bloomberg), die breiteste Organisation und den größten Zulauf.

Die Anti-Sanders-Koalition

Die demokratischen Parteifunktionäre fürchteten deshalb, dass er (übrigens ganz ähnlich wie Trump bei den Republikaner) die Partei kapern und ihr ein ganz anderes, sozialistisches Programm überstülpen könnte. Deshalb bedrängten sie die Mitbewerber von Joe Biden auf der moderaten Seite der Demokraten, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, kurz vor den Wahlen am Dienstag auszusteigen und Joe Biden zu unterstützen. Sie schmiedeten eine Anti-Sanders-Koalition, weil sie wussten, dass sie ihre Kräfte bündeln mussten, um zu gewinnen. Und das hatte Erfolg.

Denn anders als die Umfragen erwarten ließen, gewann Biden am Dienstag viel mehr Staaten und Delegierte als Sanders. Ganz ausgezählt ist noch nicht, aber Biden hat bisher neun Staaten gewonnen und Sanders drei. Bei zwei Bundesstaaten ist das Ergebnis noch zu eng, aber wahrscheinlich bekommt jeder noch einen dazu. In Delegiertenstimmen heißt das, dass Biden nun der Spitzenreiter ist und knapp hundert Delegierte mehr als Sanders hat.

Da die Ergebnisse für Michael Bloomberg (ebenfalls ein moderater Demokrat – er zog nach dem Super Tuesday seine Kandidatur zurück) enttäuschend sind und Elizabeth Warren (eine linke Demokratin) bis zum Parteitag weitermachen will und Sanders dadurch wichtige Stimmen nimmt, ist die Lage nun klar: Biden ist der Kandidat der Parteifunktionäre und sie werden ihn kräftig unterstützen. Sanders muss dagegenhalten und hoffen, dass die linken Stimmen sich nicht zwischen ihm und Warren teilen.

Die größte Aufgabe liegt noch vor dem Gewinner

Die Ergebnisse des "Super Tuesday" haben die Lage in der demokratischen Partei auf den Kopf gestellt. Aus dem Joe, der es nicht kann, wurde das Joementum, das Biden jetzt zur Kandidatur tragen soll. Biden darf jetzt nur keinen größeren Fehler machen, was ihm sehr schwer fallen wird. Denn dafür ist er bekannt. Wenn ihm dies einigermaßen gelingt, weiß Donald Trump jetzt ein bisschen mehr, auf wen er sich einzustellen hat.

Die größte Aufgabe aber liegt noch vor dem Kandidaten, egal wer es wird. Die Partei ist tief zerrissen zwischen einem moderaten und einem linken Flügel.

Wenn sie sich nicht hinter dem Kandidaten vereinen, werden sie die Wahlen nicht gewinnen können. Moderate Demokraten, die sich vehement gegen Sanders ausgesprochen haben, schlossen immer mit den Worten, dass sie ihn trotzdem wählen würden, wenn er es wird. Ob Sanders linke Basis einen Kandidaten Biden wählen wird, ist eher unsicher.

Dann kommt es darauf an, wie sehr sie Trump loswerden wollen und ob sie dafür einen Kandidaten akzeptieren, der für sie die Verkörperung des verabscheuten Establishments ist.

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