Israeli paramilitary border police officers stand guard as Jewish right-wing demonstrators demand the release of three Jews arrested in the shooting death of Mousa Hasoona, outside the District Court in Lod, Israel, Wednesday, May 12, 2021. Police say Hasoona was with a group of Arab rioters threatening Jewish homes, an account disputed by Lod's Arab residents. (AP Photo/Heidi Levine)

Israelische Grenzpolizisten schieben Wache, während jüdische rechte Demonstranten die Freilassung von drei Juden fordern, die wegen der Ermordung von eines arabischen Israelis verhaftet wurden. Bild: ap / Heidi Levine

Gewaltsame Ausschreitungen in Israel: Angst vor einem "Bürgerkrieg" wächst

Über Jahre galt Lod als Beispiel für die Koexistenz von jüdischen und arabischen Israelis. Seit Beginn der jüngsten Gewalteskalation zwischen militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen und der israelischen Armee herrscht aber auch in der Industriestadt im Zentrum Israels der Ausnahmezustand. Ein arabischer Israeli wurde bei gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet, eine Synagoge in Brand gesetzt. In der israelischen Politik mehren sich warnende Stimmen vor einem "Bürgerkrieg".

Die seit langem nur latent schwelenden Spannungen zwischen jüdischen und arabischen Bewohnern in Lod entluden sich Anfang der Woche in brutaler Gewalt. Vor dem Hintergrund der Raketenangriffe auf Israel aus dem Gazastreifen und israelischen Luftangriffen auf Gaza kam es am Abend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei dem der 32-jährige arabisch-israelische Familienvater Mussa Hassuna erschossen wurde. Am Rande seiner Beerdigung am Dienstag zündeten arabische Demonstranten Autos an, warfen Steine und Molotow-Cocktails.

Gewalt nimmt nicht ab

Die Gewalt nahm auch nicht ab, nachdem die Behörden den Notstand über Lod verhängten. Wie in den nördlichen Küstenstädten Haifa und Akko, in denen es ebenfalls eine große arabisch-israelische Gemeinschaft gibt, kam es in Lod am Mittwochabend erneut zu massiven Ausschreitungen, bei denen ein jüdischer Bewohner verletzt wurde. 

Nur Stunden später prügelte im südlich von Tel Aviv gelegenen Bat Yam eine Gruppe ultranationalistischer Juden einen mutmaßlich arabischen Mann bewusstlos. Der arabische Abgeordnete Issawi Fredj von der linksgerichteten Meretz-Partei deutete den Angriff als Zeichen dafür, dass sich Israel auf dem Weg in einen "Bürgerkrieg" befinde.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ermahnte beide Seiten zur Zurückhaltung und bezeichnete die Gewalt in israelischen Städten als "inakzeptabel". "Nichts rechtfertigt das Lynchen von Arabern durch Juden, und nichts rechtfertigt das Lynchen von Juden durch Araber", betonte er.

Verteidigungsminister Benny Gantz sprach am Donnerstag von einer "Notsituation angesichts der nationalen Gewalt" und kündigte die "massive" Entsendung von Streitkräften in israelische Städte an, um "sofort Recht und Ordnung durchzusetzen". 

Gegenseitige Vorwürfe

Die jüngste Gewalt hat in Lod das Vertrauen zwischen vielen Nachbarn erschüttert. "Die Araber versuchen uns zu töten!", sagt der 34-jährige Joel Frankenburg, während er auf die verkohlte Synagoge blickt. "Ich lebe seit zwölf Jahren hier, und die längste dieser Zeit war ich ein guter Nachbar." Nun hätten arabische Israelis Steine auf ihn geworfen, berichtet der Jude. Seine fünf Kinder habe er zu ihren Großeltern in eine andere Stadt gebracht.

Wael Abo Scharch sieht die Dinge anders. Der arabische Israeli macht jüdische Extremisten, die vor zehn Jahren begonnen hätten, sich in Lod niederzulassen, für die immensen Spannungen in der Stadt verantwortlich. "Seit diese Extremisten hier angekommen sind, haben sich die Dinge geändert."

Wie angespannt die Lage in Lod ist, verdeutlichte eine Demonstration dutzender Israelis vor dem Gerichtsgebäude von Lod am Mittwoch gegen die Festnahme dreier Juden im Zusammenhang mit der Tötung Hassunas. Angeführt wurden die Demonstranten von Meir Layosch, der eine halbautomatische Waffe bei sich trug und während des Protests einen Kinderwagen schob. 

"Wir sind nicht gewalttätig", sagte Layosch. "Aber wir müssen uns gegen Terroristen und Antisemiten schützen. Diese Menschen wollen uns nicht hierhaben. Aber ich habe eine Botschaft für sie: Wir bleiben, wo wir sind."

(om/afp)

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