Frauen
Bild

Am 8. März ist Weltfrauentag. Aber welche Bedeutung hat der Tag? Bild: Moment RF / Christoph Hetzmannseder

Wir haben 16 Menschen gefragt: Was bedeutet dir der Weltfrauentag?

Ein Tag im Jahr soll ausschließlich den Frauen gewidmet werden, der Internationale Weltfrauentag am 8. März. Eigenartig, könnte man nun denken – nur einer von 365 Tagen soll dem weiblichen Geschlecht gehören. Machen sie doch die Hälfte der Bevölkerung aus.

Während manche den Tag nutzen, um der Partnerin eine Blume mit nach Hause zu bringen, nehmen ihn andere zum Anlass, um auf herrschende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern hinzuweisen. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Frauen verdienen immer noch viel zu häufig weniger als Männer. Sind häufiger von Armut bedroht. Von Gewalt. Werden häufiger sexuell belästigt.

Es ist nur ein Tag im Jahr – der dafür sorgen soll, dass bald immer Weltfrauentag ist

Für jeden Menschen bedeutet der Weltfrauentag etwas anderes – dass er aber eine große Bedeutung hat, kann jeder unterschreiben, der sich schon einmal mit ihm beschäftigt hat.

Watson hat zum Anlass des 8. März mit 16 Politikerinnen und Politikern, mit Influencerinnen, Aktivistinnen und weiteren Menschen gesprochen, die sich für Frauenrechte einsetzen, um herauszufinden, welche Rolle der Weltfrauentag für sie spielt. Das sind ihre Antworten.

Kristina Hänel, Frauenärztin

Bild

Für Frauenärztin Kristina Hänel ist der Weltfrauentag ein Anlass, daran zu denken, wie viel Gleichberechtigung schon erreicht wurde. Bild: imago images / Jürgen Heinrich

"Der Weltfrauentag hat für mich eine besondere emotionale Bedeutung. Auch wenn ein einzelner Tag natürlich nicht genug ist, um Gleichberechtigung zu erreichen. Dennoch darf seine Wirkung nicht unterschätzt werden. Er erregt Aufmerksamkeit, legt den Finger in die Wunde der Ungerechtigkeit und verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Es ist gut zu wissen, dass sich Frauen dafür einsetzen, dass gleichberechtigte Lebensverhältnisse irgendwann einmal Realität werden. Außerdem ist er ein schöner Anlass, an das zu erinnern, was durch Gleichberechtigung bereits erreicht wurde.

Doch darauf können wir uns nicht ausruhen, weil es sonst rückwärtsgeht. Daher müssen sich die Frauen an diesem Tag solidarisieren, gemeinsam auf die Straße gehen und für Ihre Rechte kämpfen. Nur so kann erreicht werden, was ich mir für die Zukunft wünsche: Eine Welt, in der Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, sexuellen Identität, ihres Glaubens oder sonstiger Unterschiede benachteiligt, ausgegrenzt oder schlecht behandelt werden."

Kristina Hänel wurde 2017 auf Grundlage des Strafrechtsparagrafen 219a zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Website über Schwangerschaftsabbrüche informierte. Seitdem ist sie zur Symbolfigur der Frauen im Kampf gegen Paragraf 219a und für weibliche Selbstbestimmung geworden. 2019 wurde Hänel mit dem Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich-Böll-Stiftung ausgezeichnet, der Frauen ehrt, die sich für die Geschlechterdemokratie einsetzen.

Asha Hedayati, Anwältin für Familien- und Migrationsrecht

Bild

Auf Twitter berichtet Asha Hedayati unter @frauasha über die Frauen, die ihr täglich begegnen. Bild: Hannes Leitlein

"Als Anwältin von gewaltbetroffenen Frauen will ich keine Blumen zum Weltfrauentag, sondern Maßnahmen gegen Altersarmut bei Frauen, Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische schlechtere Bezahlung und gute Bezahlung von Care-Arbeit. Es gibt noch immer viel zu viele Frauen, die sich nicht aus ihren Gewaltbeziehungen befreien, weil sie von ihren Partner wirtschaftlich abhängig sind.

Gleichberechtigung und Gleichstellung sind der beste Schutz vor Gewalt gegen Frauen und Femiziden."

Asha Hedayati hat eine Anwaltskanzlei in Berlin-Neukölln. Sie setzt sich unter anderem für Frauen ein, die versuchen, sich aus gewaltvollen Beziehungen zu lösen.

Katarina Barley, SPD-Politikerin

Bild

Katarina Barley ist eine deutsch-britische Juristin und war früher im Medizinrecht tätig. Bild: imago images / Pacific Press Agency

"Für mich persönlich ist der Weltfrauentag ein Tag der Begegnung und Gemeinschaft mit anderen Frauen. Wir brauchen noch viel mehr Solidarität untereinander. Und der Weltfrauentag ist Bilanztag: Was hat sich getan seit dem letzten Jahr – und wo müssen wir am dringendsten Druck machen?"

Katarina Barley ist Abgeordnete im Europäischen Parlament und stellvertretende Präsidentin. Bis vor einem Jahr war sie noch Bundesjustizministerin.

Helena Dalli, EU-Kommissarin für Gleichstellung

"Ich wünsche mir, dass wir eines Tages nicht mehr den Weltfrauentag feiern müssen, denn erst das würde bedeuten, dass wir die Gleichstellung der Geschlechter erreicht haben. Die Tatsache, dass wir die Welt immer noch auf diesen Tag aufmerksam machen müssen, heißt offensichtlich, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Ich werde deswegen weiter daran arbeiten, damit wir diesen Tag irgendwann abschaffen können."

Helena Dalli ist eine maltesische Politikerin und gehört der dortigen sozialdemokratischen Partei Partit Laburista an. Im Dezember 2019 hat sie das Amt als Kommissarin für Gleichstellung in der EU übernommen.

Julia Klöckner, CDU-Politikerin und Agrarministerin

Bild

Julia Klöckner ist seit März 2018 Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Bild: www.imago-images.de / Xander Heinl/photothek.net via www.imago-images.de

"Die Chancengerechtigkeit zwischen Mann und Frau bleibt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Meine Generation ist dankbar für die Vorarbeit vieler Männer und Frauen, die erkämpft haben, was heute selbstverständlich ist. Gleichberechtigung von Mann und Frau gilt für alle in unserem Land lebenden Menschen, unabhängig davon, wo sie herkommen.

Frauen, die in patriarchalisch geprägten Familien aufwachsen, nicht selbstbestimmt in Deutschland leben dürfen und sich von Männern gemachten Kleiderordnungen beugen müssen bis hin zur Vollverschleierung, verdienen unsere Solidarität und nicht unsere Ignoranz, die gerne mit Toleranz verwechselt wird."

Julia Klöckner ist ehrenamtliches Kuratoriumsmitglied beim Kinderhilfswerk Plan International, das sich auch für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen weltweit einsetzt.

Katja Kipping, Vorsitzende der Partei Die Linke

24.02.2020, Berlin, Deutschland - Pressekonferenz der Partei DIE LINKE zu den Auswirkungen der Buergerschaftswahl in Hamburg auf die Bundespolitik. Foto: Katja Kipping, Parteivorsitzende DIE LINKE. *** 24 02 2020, Berlin, Germany Press conference of the party DIE LINKE on the effects of the Hamburg state elections on federal politics Photo Katja Kipping, Chairwoman of DIE LINKE

Katja Kipping meint, der Weltfrauentag sei auch eine Gelegenheit, Danke zu sagen – aber auch weiter zu streiten. Bild: imago images / Reiner Zensen / Reiner Zensen via www.imago-images.de

"Der Internationale Frauentag heißt für mich, daran zu erinnern, dass wir auf den Schultern von Riesinnen stehen. Ohne die Errungenschaften der Frauenbewegungen der vergangenen Jahrhunderte könnte ich heute nicht an Wahlen teilnehmen, meinen Beruf frei wählen oder über meine Familienplanung selbst bestimmen. Es ist ein Tag, um Danke zu sagen und ein Tag, um für die offenen Forderungen, wie der gerechten Verteilung der Arbeit zwischen den Geschlechtern, weiter zu streiten."

Katja Kipping ist seit 2005 Mitglied des Bundestages, früher war sie Mitglied der PDS. Im Jahr 2012 übernahm sie gemeinsam mit Bernd Riexinger den Vorsitz der Partei Die Linke.

Hengameh Yaghoobifarah, Autorin und DJ

"Der 8. März spielt für mich einerseits eine Rolle, weil in dem Zeitraum immer viele Anfragen für Interviews, Vorträge, Panels und so weiter kommen und ich als Feministin oft angefragt werde. Und andererseits spielt der Tag keine Rolle, weil jeder Tag für mich ein feministischer Kampftag ist und solange nicht jeden Tag diese Themen mehr besprochen werden, im öffentlichen Gedächtnis sind, bringt dieser eine Tag nicht viel. Es ist natürlich schön, einen Tag zu haben, der ja in Berlin auch ein Feiertag ist, aber trotzdem darf man sich nicht darauf ausruhen.

Auch wenn wir jeden Tag kämpfen, ist es wichtig, am 8. März auf die Straße zu gehen. Gegen femizide, sexualisierte Gewalt, Hurenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, staatliche Grenzen, Abschiebungen, Faschismus, Kapitalismus. Der 8. März ist dafür da, daran zu erinnern, dass Feminismus auch das alles angreifen muss und nicht nur für weiße middle-class Cis-Frauen in Führungspositionen da ist."

Hengameh Yaghoobifarah schreibt unter anderem seit 2016 die Kolumne "Habibitus" für die "Taz". Sie beschäftigt sich vor allem mit Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik.

Dorothee Bär, CSU-Politikerin und Digitalisierungs-Beauftragte

Bild

Dorothee Bär (CSU) gehört seit 2002 dem Bundestag an. Bild: imago images / Metodi Popow / M. Popow via www.imago-images.de

"Mit dem Weltfrauentag verbinde ich sehr mutige Frauen aus den unterschiedlichen Zeiten, in den verschiedensten Regionen der Welt und jeden Alters mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen, bekannt oder unbekannt, die ich für ihre Stärke sehr bewundere. Wir alle kämpfen jeden einzelnen Tag für gleiche Rechte und gleiche Behandlung von Frauen. Unser Ziel ist die Parität, das sind wir unseren Töchtern schuldig."

Bereits als Schülerin trat Dorothee Bär in die Junge Union und die CSU ein. Sie gehört seit 2002 dem Bundestag an.

Tessa Ganserer, Grüne Landtagsabgeordnete

Bild

Tessa Ganserer will den Weltfrauentag als Gelegenheit nehmen, Feminismus breiter zu denken. privat

"Noch immer werden Frauen in den verschiedensten Bereichen benachteiligt. Besonders prekär wird es für Frauen die auch anderen marginalisierten Gruppen angehören und zusätzlich aufgrund ihrer Religion, Herkunft oder sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Neben dem Sexismus den ich als Frau erlebe, habe ich auch mit Transfeindlichkeit zu kämpfen. Am Weltfrauentag will ich auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und wünsche mir, dass Feminismus intersektionaler gedacht wird. Support your sisters, not just your cis-ters!"

Tessa Ganserer ist queerpolitische Sprecherin und erste offen als transsexuell geoutete Parlamentarierin Deutschlands.

Ann-Sophie Claus, Unternehmerin

Ann-Sophie Claus (r.) ist Gründerin des Unternehmens "The Female Company"

"Es entsteht gerade eine ziemlich große Wende vom 'extremen Feminismus' in den 'modernen Feminismus'. Ersterer ist das Stereotyp, bei dem man sofort an Femen und 'oben ohne' denkt. Die meisten jungen Frauen heute möchten Feministinnen sein, aber nicht mit diesem radikalen Bild in Verbindung gebracht werden. Der Frauentag ist (für mich) dafür da, daran zu erinnern, dass wir den modernen Feminismus nur haben können, weil Frauen jahrzehntelang für Gleichberechtigung gekämpft und demonstriert haben und teilweise dafür sogar ins Gefängnis gegangen sind.

Man muss sich mal vorstellen, dass bis 1957 der Gehorsamsparagraf besagte, dass der Mann in einer Ehe über 'alle Angelegenheiten des gemeinschaftlichen Lebens' entscheiden durfte. Und dass eine Frau bis 1977 nur berufstätig sein durfte, wenn es 'mit ihren Pflichten in Ehe und Familie' vereinbar war...

Erst seit 1997 sind Vergewaltigungen in der Ehe strafbar! All das sind Gesetze, die durch starke Frauen geändert wurden! Für mich ist es ein Tag, an dem ein großes DANKESCHÖN an all diese Frauen rausgehen sollte, die unserer Generation und allen nachfolgenden den Weg bereitet haben."

Ann-Sophie Claus, Gründerin des jungen Unternehmens "The Female Company", das Bio-Periodenprodukte für Frauen anbietet und mit dem "Tampon Book" maßgeblich daran beteiligt war, dass die Tamponsteuer Anfang des Jahres 2020 nach viel Protest von 19 auf 7 Prozent gesenkt wurde.

Cynthia Barcomi,
Unternehmerin und Kochbuch-Ikone

imago images / Charles Yunck

Cynthia Barcomi lebt und arbeitet in Berlin. Bild: imago images / Charles Yunck

"Ich bin Mutter, Ehefrau, Schwester, Gastronomin, Autorin und Geschäftsfrau. Ich habe das Privileg von Bildung, die mir beigebracht hat, dass ich alles schaffen kann. Diesen Glauben an sich selbst, das Durchhaltevermögen hat aber leider nicht jede Frau. Am Weltfrauentag wünsche ich mir, dass Frauen mehr an sich selbst denken und an sich glauben, sodass die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit wird.

Seit dem ersten National Women’s Day in New York 1909 haben Frauen extrem viel erreicht – aber wir haben immer noch ganz viel vor uns! Es ist ein Tag, an dem Leute nachdenken können (sollen), was für eine wichtige Rolle Frauen in der Welt spielen. Wenn es ein Feiertag wäre, wäre es noch besser! (Der Weltfrauentag ist bisher nur in Berlin ein Feiertag, Anm. d. Red.) Gleichberechtigung muss angestrebt werden.

Der Weltfrauentag ist nur eine von vielen Sachen, die wir global tun können, um zumindest an einem Tag des Jahres die Aufmerksamkeit auf die Frauen zu lenken."

Cynthia Barcomi Friedman ist eine US-amerikanische Tänzerin, Konditorin, Fernsehköchin, Unternehmerin und Kochbuchautorin.

Lars Klingbeil, SPD-Politiker

BERLIN, GERMANY - DECEMBER 06: Lars Klingbeil, secretary general of Germany's social democratic SPD party, speaks the SPD federal party congress on December 6, 2019 in Berlin, Germany. SPD members recently voted for Norbert Walter-Borjans and Saskia Esken as the new co-leaders of the party and delegates are expected to confirm their election today. Their election has raised concerns that, because the two pushed a markedly left-wing platform, the SPD might break from its governing coalition with the German Christian Democrats (CDU/CSU). (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Lars Klingbeil fordert mehr Frauen in der SPD, um das 50:50-Ziel zu erreichen. Bild: Maja Hitij / Getty Images

"Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist für mich ganz selbstverständlich – nicht nur am Weltfrauentag. Dass es auch im Jahr 2020 immer noch so viele männliche Politikerkollegen gibt, die das anderes sehen, ärgert mich.

In der SPD haben wir das klare Ziel: 50:50. Ja, das erreichen wir noch nicht überall, aber auf Bundesebene gehen wir mit der neuen Doppelspitze, mit dem neugewählten Parteivorstand und unseren SPD-Ministerinnen und -Ministern im Kabinett sehr bewusst voran."

Lars Klingbeil ist seit 2009 Mitglied des Bundestages und war von 2003 bis 2007 stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos. Seit 2017 ist er Generalsekretär der SPD.

Kathrin Hendrich, Profi-Fußballerin

Bild

Seit 2018 spielt Kathrin Hendrich für den FC Bayern München. Bild: Sven Leifer via www.imago-images.de / Sven Leifer via www.imago-images.de

"Ich finde es gut, dass dieser Tag symbolisch für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen steht und der Tag die Gesellschaft nochmal daran erinnert, dass da einfach keine Unterschiede gemacht werden dürfen. Niemand hat durch die Gleichberechtigung irgendwelche Nachteile. Es lohnt sich also, dafür zu kämpfen."

Kathrin Hendrich ist Profi-Fußballerin beim FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft.

Melodie Michelberger, Autorin und Aktivistin

Bild

Durch ihre Körper-positiven Unterwäschefotos erregte Melodie Michelberger Aufsehen. Bild: imago images / Sven Simon

"Frauen werden im 21. Jahrhundert immer noch in weiten Teilen des gesellschaftlichen Lebens – von Arbeit bis in das persönliche Umfeld – benachteiligt. Der internationale Frauen*Kampftag bedeutet für mich, Solidarität zu zeigen und die Menschen zu ehren, die für unsere Freiheit ihr Leben geopfert und gegen Ungerechtigkeiten gekämpft haben und immer noch kämpfen.

Auch geht es darum, Sichtbarkeit zu schaffen und feministische Stimmen zu verstärken, ohne dabei zu vergessen, dass der Frauen*tag noch weit davon entfernt ist, ein wirklich inklusiver Tag für uns alle zu sein. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur am 8. März, sondern auch an jedem anderen Tag gezielt Maßnahmen ergreifen, um die Diskriminierungen und Gewalt, die Frauen* tagtäglich erfahren, zu bekämpfen.

In diesem Sinne wünsche ich mir noch sehr viel mehr Solidarität mit allen Frauen* – geflüchteten Frauen*, migrantischen Frauen*, Sexarbeiter*innen, BIPoCs, behinderten Frauen* und Trans-, Inter-, und Nonbinary Menschen – Feminismus sollte als gesamtgesellschaftliches Thema verstanden werden, nicht als 'Frauenthema', mit dem sich Männer möglichst nicht befassen müssen."

Melodie Michelberger ist Body-Image-Aktivistin und setzt sich unter anderem für vielfältigere Schöhnheitsideale ein.

Jennifer Hauwehde, Influencerin und Bloggerin

"Der Weltfrauentag ist eine Chance, forciert und laut auf allen Kanälen darauf aufmerksam zu machen, dass wir von einer gleichberechtigten Welt noch sehr weit entfernt sind. Und wir alle mit unseren täglichen Entscheidungen, mit dem, was wir sagen und tun, dazu beitragen, dass diese Situation entweder zementiert wird, mit allen teilweise lebensbedrohlichen Konsequenzen für mindestens die Hälfte der Menschheit. Oder wir das bestehende patriarchale System ins Wanken bringen.

Das Alltägliche ist politisch und man fühlt sich ein wenig merkwürdig, das heute immer noch andauernd wiederholen zu müssen. Aber man muss angesichts historisch niedriger Frauenquoten im Bundestag, Menschen des öffentlichen Lebens, die zu Hetzjagden auf Frauen* aufrufen und Kopfgelder aussetzen, der unfassbaren Menge an unbezahlter Care-Arbeit, die einfach nicht gesehen wird. Man muss, wenn es für viele Menschen immer noch ein Problem ist, dass Frauen über die Möglichkeit von Abtreibung informiert werden, kinderlos oder polyamorisch leben. Man muss, je lauter, desto besser.

Ein einziger Tag wird nicht die dringend benötigten Weichen stellen. Aber er kann einen mächtigen Impuls von vielen setzen, die auf die richtigen Wege führen. Und vor allem: Frauen* empowern und zeigen, dass sie mit ihren Gedanken, Problemen, Gefühlen nicht allein sind und die derzeitige Situation nicht normal und okay so ist. Allein dafür ist der Weltfrauentag immens wichtig."

Jennifer Hauwehde hat den Nachhaltigkeits-Blog "Mehr als Grünzeug" gegründet.

Nadja Hermann, Autorin, Comic-Zeichnerin und Verhaltenstherapeutin

Nadja Herrmann hat uns anstelle eines Statements einen Comic geschickt:

Bild

Bild: Nadja Hermann

Nadja Hermann ist die Autorin der Comic-Reihe "Erzaehlmirnix" und des Buches "Fettlogik überwinden".

Sexuelle Belästigung: "Diese Reaktionen hätten wir uns von anderen gewünscht"

Es sind Situationen, die fast jede Frau in Deutschland schon erlebt hat: Vielleicht hat dich jemand auf der Straße schon mal angeflirtet und wollte einfach nicht locker lassen. Oder hat dich beschimpft, wenn du auf die Anmache nicht eingehen wolltest.

Vielleicht wurdest du im Club schon mal wild angetanzt und dabei berührt; vielleicht hat dich jemand geküsst, obwohl du es nicht wolltest; vielleicht hat auch ein Kollege einen anzüglichen Spruch über dein Dekolleté gemacht – und in jeder …

Artikel lesen
Link zum Artikel