24.10.2020, Berlin: Eine Streife der Bundespolizei geht am Kollwitz-Platz entlang. Im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen kontrollierten in der Nacht zahlreiche Polizeibeamte die Einhaltung der Sperrstunde und der Kontakteinschränkung. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Streife der Bundespolizei geht am Kollwitz-Platz entlang. Im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen kontrollierten in der Nacht zahlreiche Polizeibeamte die Einhaltung der Sperrstunde und der Kontakteinschränkung. Bild: ZB / Paul Zinken

Maskenverweigerer nötigen Bahn-Mitfahrer und grölen in Berliner Einkaufszentrum: "Masken ab"

Je länger die Pandemie andauert, desto mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Dennoch werden die verhängten Schutzmaßnahmen oft nicht eingehalten.

Hunderte Polizisten haben daher am Samstag in Berlin die Einhaltung der Corona-Regeln kontrolliert. Rund 1000 Polizisten sollten im Tagesverlauf im Einsatz sein - die Hälfte von der Bundespolizei. Der Großteil der Berliner hielt sich einer ersten Zwischenbilanz zufolge an die Regeln. Auch für den Sonntag waren Kontrollen geplant.

Es gab jedoch auch empörende Szenen, die sich in den sozialen Netzwerken verbreiteten und die ebenfalls die Polizei auf den Plan riefen.

Maskenverweigerer-Gruppe provoziert

Ein Journalist veröffentlichte auf Twitter ein Video, das eine Gruppe von circa 20 bis 30 Maskenverweigerern im Berliner Ringcenter zeigt. Auf dem Video ist zu sehen, wie die Meute im Chor die anderen Gäste im Einkaufszentrum auffordert: "Masken ab!"

Fährgäste der BVG seien in der U-Bahn dazu genötigt worden, ihre Masken abzunehmen, schilderte der Reporter auf Twitter:

Die Polizei bestätigte den Einsatz auf Twitter. Die Gruppe hat ihre Anti-Masken-Aktion demnach sogar live im Internet geteilt. Die Polizei hielt die Gruppe nach eigenen Angaben mehrfach auf und nahm die Personalien auf. Die Maskenverweigerer erwartet nun eine Anzeige.

Insgesamt hatte die Polizei jedoch Erfreulicheres aus der Hauptstadt zu berichten. Etwa 80 bis 90 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sowie Gäste hätten ihren Mund-Nasen-Schutz getragen und sich an die geforderten Sicherheitsabstände gehalten, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Berliner Polizei und der Bundespolizei. Gegen Abend sei aber erkennbar gewesen, dass die Akzeptanz zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sichtbar abnehme.

Tagsüber wurde vor allem auf Wochenmärkten, Einkaufsstraßen und in Grünanlagen die Einhaltung der Infektionsschutzverordnung kontrolliert. Leute ohne Maske kamen den Angaben zufolge den Aufforderungen der Beamten fast ausnahmslos nach und bedeckten Mund und Nase. Insgesamt 23 Ordnungswidrigkeitsverfahren mussten bei Unbelehrbaren eingeleitet werden, die sich nicht schützen wollten beziehungsweise keinen Mund-Nasen-Schutz bei sich hatten. Fünf Strafermittlungsverfahren leiteten die Einsatzkräfte unter anderem wegen Beleidigung und Widerstands sowie Urkundenfälschung ein.

Am Abend standen Gaststätten, Bars sowie Grün- und Erholungsanlagen vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln im Mittelpunkt.

Polizei löst Fetischparty auf

Eine Fetischparty mit Hunderten Gästen in einer angesagten Location in Berlin-Mitte fand am Samstagabend ein jähes Ende. Beamte der Berliner Polizei und der Bundespolizei lösten die Veranstaltung in der Alten Münze auf. "Es waren einfach zu viele für zu wenig Platz", hieß es bei der Polizei am späteren Abend. Die Veranstalterin erwartet demnach ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Infektionsschutzverordnung. Der Mindestabstand habe wegen der Vielzahl der Personen nicht eingehalten werden können.

Die Polizeikontrollen zielen unter anderem auf illegale Partys und die Gastronomie ab, für die größtenteils eine nächtliche Sperrstunde gilt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten sich auf den gemeinsamen Einsatz verständigt.

Die Berliner Landesregierung hatte die Vorgaben verschärft. Seit dem Wochenende muss zum Beispiel auf Wochenmärkten und auf zehn Einkaufsstraßen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Zudem gelten noch strengere Obergrenzen für private Zusammenkünfte. Besonders viele Infektionen waren zuletzt im Stadtteil Berlin-Neukölln festgestellt worden.

(hau/mit Material von dpa)

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