Mats Hummels zeigt Verständnis für Tennis-Legende Boris Becker.
Mats Hummels zeigt Verständnis für Tennis-Legende Boris Becker.Bild: SVEN SIMON / Frank Hoermann / SVEN SIMON

Mats Hummels verteidigt Boris Becker: "Wenn du willst, machst du nichts mehr selbst"

06.05.2022, 16:1706.05.2022, 16:29

Dass die Tennis-Legende Boris Becker jetzt im Gefängnis sitzt, lässt auch einstige Weggefährten von ihm nicht kalt. Seine Partnerin, Ex-Frauen und Kinder äußerten bereits unter Tränen ihr Bedauern über das harte Urteil der britischen Richterin. Auch die Tenniswelt nahm es betroffen zur Kenntnis und versicherte, hinter Boris Becker zu stehen.

Nun zeigen sich auch die Brüder Mats und Jonas Hummels in ihrem Podcast "Alleine ist schwer" von ihrer emotionalen Seite und sprechen über die schwere Zeit, die der Tennis-Star jetzt überwinden muss. Dabei verurteilen sie hämische Kommentare im Netz.

Die Sportwelt reagiert überwiegend schockiert: "Sehr, sehr schade"

Seit einer Woche sitzt Boris Becker hinter Gittern. Am vergangenen Freitag wurde er vor einem Londoner Gericht zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt, mindestens die Hälfte davon wird die Tennis-Legende voraussichtlich absitzen müssen.

Vor einer Woche wurde Becker verurteilt.
Vor einer Woche wurde Becker verurteilt. Bild: AA / Wiktor Szymanowicz

Dass er wegen verschiedener Insolvenzstraftaten nun tatsächlich hinter Gittern sitzt, beschäftigt die Sportwelt auch noch eine Woche nach seiner Verurteilung. Während Becker derzeit im Londoner Wandsworth-Gefängnis untergebracht ist, sprechen der Fußballer Mats Hummels und sein Bruder, Fußball-Experte Jonas Hummels, in ihrem Sport-Podcast darüber. Mats sagt dort: "Sehr, sehr schade, dass es zu einer Situation kommt, in der das eine mögliche Option ist, die auch noch in Kraft tritt".

Sein Bruder Jonas stimmt ihm in diesem Punkt zu und äußert sein Mitgefühl: "Das hat mich sehr betroffen gemacht. Mir hat das richtig leid getan. Wir haben ihn ja oft genug gefeiert im Podcast. Klar, er wird zurecht verurteilt, aber das Traurige ist, dass es so weit kommt." Das sei ein Punkt, der ihn besonders betroffen gemacht habe.

Mats und Jonas Hummels beschäftigt der Fall Becker.
Mats und Jonas Hummels beschäftigt der Fall Becker.Bild: dpa / Roland Weihrauch

Zu viel Hate im Netz? Die Hummels-Brüder analysieren böse Kommentare

Besonders die vielen hämischen Kommentare in sozialen Netzwerken gingen ihm nahe. Bei vergleichbaren Urteilen habe man immerhin geteilte Lager im Netz erlebt. Einige hätten stets daran erinnert, dass er ihnen "ja auch so viel Freude gebracht" habe und das vermisse er im Fall Boris Becker. Damit bezieht er sich womöglich auf das Urteil vom damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Bayern, Uli Hoeneß. Er war im März 2014 zu ursprünglich dreieinhalb Jahren verurteilt, musste am Ende aber nur neun Monate davon im geschlossenen Vollzug verbringen.

Mats Hummels widerspricht seinem Bruder teilweise. Er versucht, die bösen Kommentare über Becker im Netz anders einzuordnen: "Ich glaube, dass es ganz viele gibt, die das nicht so empfinden. Die vernünftigen Leute werden das – wie wir – schade finden. Die melden sich nicht unter einen Pseudonym an und schreiben rein." Er glaubt, dass es nur einige wenige seien, die tatsächlich böse Dinge über die Tennis-Legende schreiben. Es seien "so wenige, die viel zu viel Relevanz" bekämen. Und: "Sie messen ihrer eigenen Bedeutung zu viel bei. Und wir ja anscheinend auch", findet Mats Hummels.

Boris Becker habe zu viel Verantwortung abgegeben

Im Rückblick auf Boris Beckers Leben sprechen die beiden über dessen Umgang mit Geld. Dieses dürfte ihm schließlich vor Gericht zum Verhängnis geworden sein. Da stellt sich die Frage, ob Beckers Verhalten möglicherweise naiv war. Jonas Hummels hat dazu eine klare Meinung:

"Naivität ist vielleicht das falsche Wort. Aber er hat ja gesagt, er hat jahrelang kein Bargeld gehabt, kein Bargeld abgehoben ... In den Sphären, in denen er sich bewegt, da wirkt es manchmal ein bisschen infantil."

Mats zeigt dafür mehr Nachsicht. Auf einem Level, auf dem Boris sich befunden habe, sei es bis zu einem gewissen Grad verständlich: "Wenn du willst, wird dir alles abgenommen. Wenn du willst, machst du nichts mehr selbst. Ich glaube schon, dass es dann auch vorkommen kann, dass man sein 'Händchen' für sowas verliert. Ist ja nicht der erste Sportler, dem ähnliche Dinge passieren."

So dunkel diese Zeit für Boris Becker auch sein mag, er blickt auf viele erfolgreiche Jahre zurück.
So dunkel diese Zeit für Boris Becker auch sein mag, er blickt auf viele erfolgreiche Jahre zurück.Bild: SVEN SIMON / FrankHoermann/SVEN SIMON

"Freuen uns, wenn er uns wieder beim Tennis begleitet"

In der Tat ist Becker nicht der einzige, der wegen Insolvenzdelikten verurteilt wurde. Der britische Ex-Fußballprofi Rio Ferdinand etwa, so erwähnt Jonas, habe in seiner Biografie offen darüber gesprochen, wie er nach dem Tod seiner Ehefrau den Bezug zum Alltag verlor. Ohne ihre Unterstützung sei er überfordert, gar "lebensuntauglich" geworden. Später rutschte er in eine Alkoholsucht ab.

Dass Boris Becker zumindest fahrlässig gehandelt hat, ist klar. Seine Verurteilung geht nicht auf Lappalien zurück. Das Verständnis für den Tennis-Star ist trotzdem groß. Dem inhaftierten Boris Becker wünschen auch die Hummels-Brüder, dass er den Aufenthalt im Gefängnis gut übersteht. Und, da sind sie sich einig: Becker sei ein "ungekrönter Sport-Experte" werde nun schmerzlich vermisst. "Rein aus sportlicher Sicht: Wir freuen uns, wenn er uns wieder beim Tennis begleitet", sagt Mats Hummels.

(ast)

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