Auch watson gendert mit einem Doppelpunkt.
Auch watson gendert mit einem Doppelpunkt.Bild: dpa / Marijan Murat

Wie watson gendert

Unsere Redaktion hat sich entschieden zu gendern. Das könnte bei euch Leser:innen zu Fragen führen. Unser Chefredakteur erklärt daher hier, was wir tun – und warum.
10.08.2022, 22:55

Wie gendert watson?

Watson nutzt einen Doppelpunkt, schreibt also Politiker:innen, Sportler:innen oder Schauspieler:innen. Wir kennen die Argumente, die für oder gegen einen Doppelpunkt sprechen, ebenso gut wie die Vor- und Nachteile von einem Sternchen oder einem Unterstrich. Alle Varianten haben ein Für und ein Wider – wir haben uns für den Doppelpunkt entschieden. Gleichzeitig versuchen wir, so oft wie möglich genderneutrale Formulierungen zu nutzen, schreiben also lieber Studierende statt Student:innen.

Warum gendert watson?

Wir haben in einer Redaktionskonferenz diskutiert, ob wir in Zukunft gendern wollen. Es gab Pro- und Kontra-Argumente, am Ende haben wir abgestimmt. Eine deutliche Mehrheit hat sich fürs Gendern ausgesprochen, weshalb wir beschlossen haben, einen internen Leitfaden zu erstellen und mit dem Gendern zu beginnen.

Diversität, Feminismus und Gleichberechtigung sind Kernthemen von watson. Wir machen News für junge Leute, unsere Kernzielgruppe ist zwischen 18 und 35 Jahren alt. Unsere Redaktion gehört zu den jüngsten und weiblichsten in Deutschland. All das sprach für sehr viele Kolleg:innen (und auch für mich als Chefredakteur) fürs Gendern. Nicht nur, weil wir es selbst richtig finden, sondern auch, weil wir Journalismus für Menschen machen, die deutlich öfter und selbstverständlicher gendern als andere Teile der Gesellschaft.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, die gibt es. Das lässt sich nicht vermeiden. Ihr werdet beispielsweise Beiträge von Nachrichtenagenturen oder Partnerportalen lesen, in denen nicht gegendert wird, weil wir nicht einfach die Texte von Kolleg:innen umformulieren.

Außerdem werdet ihr Überschriften finden, die nicht sauber gegendert sind, weil wir uns aus technischen oder redaktionellen Gründen für eine andere Formulierung entscheiden mussten. Und natürlich machen wir manchmal Fehler. Auch beim Gendern. Das ist nicht schön, aber menschlich.

Wir möchten das an dieser Stelle einmal erwähnen, weil Unstimmigkeiten immer mal wieder auftreten können. Das wissen wir und akzeptieren es, weil das unserer Meinung nach besser ist, als nicht zu gendern.

Und was ist mit Zitaten?

Wir zitieren andere Medien wortgenau und ohne Veränderungen. Zitate aus Berichten oder Interviews findet ihr bei uns demnach genau so, wie sie die Originalquelle formuliert hat.

Bei eigenen Texten zitieren wir die Interviewten so, wie sie es gesagt haben. Wir legen ihnen keine gegenderten Sätze in den Mund, sondern schreiben das, was gesprochen wurde, auf. Wer im Gespräch mit watson gendern möchte, ist herzlich eingeladen, es zu tun. Wenn jemand nicht gendert, ist das auch völlig in Ordnung. Übrigens: Zitate werden vor der Veröffentlichung in aller Regel noch einmal von den Gesprächspartner:innen freigegeben.

Welche Ziele verfolgt ihr mit dem Gendern?

Keine. Wir sind nicht die Sprachpolizei.

Wir bekamen regelmäßig Nachrichten auf Instagram oder E-Mails, in denen wir gefragt wurden, warum wir als junges Nachrichtenportal nicht gendern. Und wir wissen, dass uns jetzt Leser:innen schreiben werden, die nichts vom Gendern halten. Und das ist auch okay so. (Vorausgesetzt, die Nachrichten bleiben einigermaßen freundlich, sonst löschen wir sie unbeantwortet.)

Wir haben die Entscheidung fürs Gendern nicht getroffen, um irgendjemanden zu erziehen oder einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Wir finden als Redaktion das Gendern wichtig und richtig. Für die Gesellschaft. Für uns. Für unsere jungen Leser:innen. Deshalb tun wir es. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Auch interessant: Das ist die Redaktion von watson – hier kannst du unser Team kennenlernen

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