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Bild: Jan Huebner/imago

"Solche Szenen will keiner haben" – war der Halbzeit-Elfer in Mainz gerechtfertigt?

17.04.18, 12:14 17.04.18, 12:28

Benjamin Zurmühl

Eigentlich war die erste Halbzeit beim Kellerduell zwischen Mainz 05 und dem SC Freiburg schon beendet. Da holte Schiedsrichter Guido Winkmann die Teams aus der Kabine und gab Elfmeter – zu Recht?

Sowohl während als auch nach dem Spiel gab es große Diskussionen auf dem Platz. Bei der Partie zwischen dem FSV Mainz 05 und dem SC Freiburg ging es um wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Am Ende triumphierten die Gastgeber aus Mainz mit 2:0. Doch das erste Tor entstand unter zweifelhaften Bedingungen.

Was war passiert?

Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit startete Mainz 05 beim Stand von 0:0 einen letzten Angriff. Kapitän Daniel Brosinski wurde von Levin Öztunali gut in Szene gesetzt und drängte von der rechten Seite in den Strafraum ein. Doch seine Flanke missglückte und prallte vom Freiburger Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf zu Torwart Alexander Schwolow, der den Ball nach vorne parierte ehe Nicolas Höfler das Spielgerät in Richtung Mittelkreis drosch. Brosinski beschwerte sich kurz, da er ein Handspiel von Kempf gesehen hatte, doch Schiedsrichter Guido Winkmann ließ weiterspielen und pfiff Sekunden später zur Halbzeit.

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Die Mannschaften liefen in Richtung Kabine, doch Winkmann blieb an der Seitenlinie stehen. Video-Assistentin Bibiana Steinhaus hatte dem Unparteiischen ein Signal gegeben, dass die genannte Szene überprüft werden müsste.

Guido Winkmann erfährt aus Köln, dass er sich die Szene nochmal anschauen muss:

Bild: eßling/imago

Und tatsächlich: Guido Winkmann holte die Teams aus dem Kabinengang und gab einen Elfmeter, den Pablo de Blasis zur Führung für Mainz verwandelte. Die Verwunderung als auch der Ärger der Freiburger waren groß.

War der Elfmeterpfiff korrekt?

Grundsätzlich war es die richtige Entscheidung, Elfmeter zu geben. Marc-Oliver Kempf hatte den Arm weit ausgestreckt und hatte damit eine unnatürliche Körperhaltung. Da der Ball auch nicht aus nächster Nähe gegen den Innenverteidiger prallte, war der Strafstoß korrekt.

Durfte Guido Winkmann die Spieler aus der Kabine holen?

Ja, wo sich die Profis zur Zeit des Pfiffes aufhalten müssen, ist in den Regeln nicht festgelegt. Da aber mindestens sieben Spieler (sechs Feldspieler, ein Torwart) zur Fortsetzung des Spiels auf dem Platz stehen müssen, blieb Guido Winkmann keine andere Wahl, als die Akteure aus dem Kabinentrakt zu holen. Es hätte nicht gereicht, nur Freiburgs Torwart Alexander Schwolow und einen Mainzer Schützen zur Ausführung anwesend zu haben.

Bild: imago sportfotodienst/Eibner

Kam der Pfiff des Schiedsrichters zu spät?

Das ist die Frage, über die am meisten diskutiert wird. Die VAR-Regeln des IFAB haben unter Punkt 8.13 dazu folgende Antwort:

"Der Video-Schiedsrichter/die Video-Schiedsrichterin ist wie ein/e Schiedsrichter-Assistent/in. Wenn ein/e Assistent/in einen Regelverstoß bemerkt, welcher sich vor dem Pfiff [zur Halbzeit oder zum Ende] ereignete, kann der Schiedsrichter/die Schiedsrichterin immer noch eingreifen, solange er/sie das Feld noch nicht verlassen hat."

IFAB

Das heißt, solange Guido Winkmann noch auf dem Platz stand, hätte ihn Bibiana Steinhaus über die Fehlentscheidung informieren dürfen. Deshalb soll der VAR auch nach IFAB-Regeln schnellstmöglich Bescheid sagen, dass eine Szene überprüft wird, um Problemen vorzubeugen. Denn ein solches Problem tat sich im Spiel zwischen Mainz und Freiburg auf. Wann genau Steinhaus eingriff, ist nämlich unklar. Anhand der Fernsehbilder lässt sich nur vermuten, dass es ein wenig zu spät war.

Die erste Bundesliga-Saison von Bibiana Steinhaus in drei Akten:

Denn Schiedsrichter Guido Winkmann lief mit dem Ball in der Hand über die Seitenauslinie Richtung Spielertunnel, ehe er rund einen Meter außerhalb des Spielfelds stehen blieb. Auf den ersten Blick wirkt es dadurch so, als hätte sich Bibiana Steinhaus erst dann bei Winkmann gemeldet. In einem solchen Fall wäre es ein unerlaubter Eingriff gewesen. Ob dies tatsächlich der Fall war, wird das DFB-Sportgericht in den nächsten Tagen womöglich klären.

Was sagt der DFB zu den Geschehnissen in Mainz?

Kurz nach dem Spiel äußerte sich die Schiedsrichterkommission des DFB wie folgt:

"Der Halbzeitpfiff unterbricht das Spiel wie jeder andere Pfiff des Schiedsrichters auch. Daher ist es auch regeltechnisch in Ordnung, hier dann den Strafstoß zu geben. Erst wenn ein Spiel wieder fortgesetzt wäre, könnte der Strafstoß nicht mehr gegeben werden."

Schiedsrichterkommission des DFB

Fazit

Ob es regelkonform war, die Mannschaften wieder aus der Kabine zu holen, ist noch unklar. Als sich Bibiana Steinhaus bei Guido Winkmann meldete, hätte Letzterer sofort die Spieler stoppen sollen, um sofort klarzumachen, dass eine Situation überprüft wird. Die Freiburger Profis waren bereits im Spielertunnel, die Mainzer nur vereinzelt noch am Spielfeldrand. Die meisten hatten also schon mit der ersten Halbzeit abgeschlossen.

Auch wenn sich der Einsatz des VAR in der Bundesliga aktuell noch in einer Testphase befindet, war es auf jeden Fall kein ideales Beispiel für die Kommunikation zwischen dem/der Video-Assistenten/in und dem/der Schiedsrichter/in. DFB-Projektleiter und Ex-Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich fasste die Ereignisse nach dem Spiel bei Eurosport gelungen zusammen. "Das sind Szenen, die eigentlich keiner haben will. Vom Ablauf her ist das keine Werbung, aber es war in diesem Fall tatsächlich nicht anders möglich. Damit muss man leben im Moment. Am Ende ist der Ablauf korrekt, aber er läuft dem Grundgedanken der Spontanität und der Emotion entgegen."

Dieser Text erschien ursprünglich auf t-online. 

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