Deutschland
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Kabarettist Mathias Richling hat die Beschränkungen satt. Bild: screenshot ard

"Richtig, Gesellschaft zu ermorden?" Kabarettist redet sich in Rage

Dirk Krampitz

Deutschland ist gespalten. Während sich zum Teil Tausende Teilnehmer zu Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Beschränkungen treffen, finden andere, dass die Lockerungen zu früh gekommen sind. Sie befürchten eine zweite Welle. Bei "Maischberger – Die Woche" diskutieren über die Lage:

Maischberger piesackt Seehofer

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Horst Seehofer lächelt vieles weg. Bild: Screenshot ARD

Bundesinnenminister Horst Seehofer wirkt erstaunlich entspannt, obwohl Maischberger versucht, ihn zu piesacken. Erst verhältnismäßig harmlos: Mehrere kirchliche Würdenträger haben ein Schreiben gegen Coronavirus-Beschränkungen unterzeichnet. Darin werden sie unter anderem als "Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung" bezeichnet. Auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Bischof von Regensburg war, ist darunter.

Maischberger spricht Horst Seehofer darauf an. Der kontert lässig: "Ich bin gläubig, aber diese Aussage glaube ich nicht – auch wenn sie von einem Kardinal stammt." Dann kommt Maischberger natürlich auch auf das Schreiben des Oberregierungsrates Stephan K. aus Seehofers Inneninisterium zu sprechen. Es zeigt laut Betreff die "Ergebnisse der internen Evaluation des Corona Krisenmanagements" und kommt zum Fazit "Coronakrise erweist sich wohl als Fehlalarm".

Seehofer herrscht Maischberger an

Das nicht offizielle Schreiben schlug hohe Wellen. Seehofer weiß sofort, worum es geht. Und lächelt. "Sie grinsen schon, aber es ist nicht komisch", sagt Maischberger und lässt sich vom Lächeln anstecken. Ob er Kritik mundtot mache, will sie wissen. Seehofer lächelt noch immer, herrscht die Moderatorin aber an: "Schön langsam!" Maischberger schreckt ein bisschen zurück.

Der Minister stellt klar: "Ich akzeptiere abweichende Meinungen absolut", das Problem in diesem Fall sei, dass der Mitarbeiter aus ganz eigenem Antrieb die Infrastruktur und den Briefkopf des Ministeriums verwendet, aber den Eindruck erweckt habe, es sei die Linie des Bundesinnenministers. Das sei es aber nicht. Also kein Fehlalarm? "Nein, überhaupt nicht", sagt Seehofer, mittlerweile wieder im Gute-Onkel-Modus. Und die Maßnahmen seien auch nicht überzogen.

"Ich bin auch Verfassungsminister. Ich muss mich immer selbst überprüfen."

Horst Seehofer

Das denkt Seehofer über Merkel und Söder

Mitte Juni will Seehofer auf Grenzkontrollen zu den europäischen Nachbarstaaten verzichten können. Im Moment kontrolliert die Polizei noch mit "Fingerspitzengefühl und Näschen" in Stichproben. Dann bescheinigt er noch seinen beiden innerparteilichen Lieblingsrivalen seine Anerkennung: "Wir hatten manch harte Diskussion, aber es steht außer Frage, dass sie das jetzt exzellent macht", lobt er Kanzlerin Angela Merkel. Und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bekommt ein Tätscheln ab: "Der macht jetzt seine Sache gut, das kann man nicht bestreiten."

Richling verbreitet Verschwörungsscherz

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Mathias Richling hat die Beschränkungen satt. bild: Screenshot ARD

Der Kabarettist Mathias Richling betont erstmal, kein Verschwörungstheoretiker zu sein und präsentiert dann eine wahnsinnige Theorie – natürlich nur als Witz: Corona sei "von Merkel mit den Chinesen in die Welt gesetzt, um wieder auf 40 Prozent zu kommen". Eine Pandemie für den Wahlerfolg der CDU. Aber schnell schaltet der Schwabe von Ironie auf Ernst um. Richling kritisiert die noch gültigen Einschränkungen: "Ich kenne nicht einen, der sagt, die Maßnahmen müssen weitergehen."

Und das liege auch an der "sehr widersprüchlichen" Informationspolitik. Besonders eingeschossen hat er sich auf den Chef Robert-Koch-Instituts Lothar Wiehler. Richling unterstellt ihm "Windigkeit", er mutmaße zu viel mit Konjunktiven, statt Wissen weiterzugeben. Vor allem die wechselnden Meinungen zum Nutzen von Masken und zu den Übertragungswegen ärgern ihn. In Richlings Augen wird zu wenig an die "Kollateraltoten" gedacht, Menschen, die schwer krank sind, aber nicht operiert werden oder sich nicht ins Krankenhaus trauen. Und er kenne zwei Fälle von Unternehmern, die sich umgebracht hätten aufgrund von Corona.

"Ist es richtig, die Gesellschaft zu ermorden, damit wir so wenige Corona-Tote wie möglich haben?"

Mathias Richling

Das fragt sich der Kabarettist. Er hat durchaus Verständnis für die Demonstranten. Natürlich seien auch vereinzelte Radikale und Verschwörungstheoretiker dabei, Nazis und AfDler, aber nach seiner Beobachtung seien es vor allem "paralysierte Bürger, die mit Rechts- oder Linksradikalen nicht zu tun haben."

Corona ist noch immer keine Grippe

Journalistin Pia Heinemann rückt dann einiges von Richlings Redeschwall, in dem er Corona mit der Gefährlichkeit einer schweren Grippe verglichen hat, wieder zurecht. "Corona ist natürlich nicht wie ein Grippevirus, wir haben keine Impfung, wir kennen es nicht." Außerdem könne es schwere Folgeschäden geben. Allerdings begibt sie sich hier ebenfalls auf spekulatives Gebiet.

Wickert ist nicht wohl dabei

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Ulrich Wickert hätte die deutschen Grenzen gern früher geschlossen. bild: screenshot ard

Der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert findet die Menschen in seiner Heimatstadt Hamburg mittlerweile in der Corona-Krise "schon ein bisschen undiszipliniert", ihm sei "bei der ganzen Geschichte nicht wohl", er beschränke seine sozialen Kontakte. Er ist vor allem als Hauslehrer für seine beiden Zwillingstöchter aktiv. "Jeden Morgen drei Stunden systematischer Unterricht mit Pause und Pausenbrot." Er schwärmt von Apps zum Lernen: "Zahlen-Zorro kann ich empfehlen."

Sein Urteil über das Krisen-Handling der Politik: "Die Regierung hat es richtig gemacht, nur sie hat es zu spät gemacht." Hätte man die Grenzen schon im Februar dicht gemacht, hätten aus Ischgl zurückgekehrte Urlauber wohl nicht so weitreichend weiterinfizieren können.

Grünen-Parteitag besser als Satire

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Für Annalena Baerbock funktionieren Homeoffice und Kinderbespaßung nicht zusammen. bild: Screenshot ARD

Mit einem "Worst of" des digitalen Parteitags begrüßt Maischberger die Grünen-Parteivorsitzende Annalena Baerbock. Mikrofone die nicht funktionieren, falsch eingestellte Kameras, langsames Internet – der ganz alltägliche Zoom-Wahnsinn. "Da braucht man keine Satiresendung mehr", urteilt Baerbock selbst.

Als zweifache Mutter, die zurzeit selbst oft im Homeoffice arbeitet, weiß sie: "Homeoffice und Kinderbetreuung funktionieren nicht richtig." Da müsse man schnell etwas ändern, auf dem Weg zurück in ein normaleres Leben.

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