Ein Reporter steht vor dem Bungalow, in dem der Verdächtige 2007 gelebt hat.
Ein Reporter steht vor dem Bungalow, in dem der Verdächtige 2007 gelebt hat.Bild: X01620 / RAFAEL MARCHANTE
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Was wir über den Fall Maddie wissen – und was nicht

Mehr als zehn Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Maddie aus einem Ferienort in Portugal gibt es einen Verdächtigen. Viele Fragen sind noch offen – und die Ermittler auf Zeugen angewiesen.
04.06.2020, 18:3704.06.2020, 18:53

Am 3. Mai 2007 verschwindet die dreijährige Madeleine "Maddie" McCann spurlos aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-jährigen Deutschen. Er steht im Verdacht, die kleine Britin ermordet zu haben.

Die Nachricht über die neuen Erkenntnisse sorgte für viel Aufsehen, vor allem in Großbritannien und Portugal. Britische Zeitungen schrieben von einem Durchbruch. Ob es das wirklich ist, bleibt abzuwarten. Aber was wissen wir überhaupt über den neuen Verdächtigen? War er vorbestraft, wie weit sind die Ermittlungen und was ist noch offen?

Wir haben die wichtigsten Antworten auf eure Fragen.

Bild: watson

Was ist über den Verdächtigen bekannt?

  • Der Verdächtige ist nach Angaben der Ermittler 43 Jahre alt, deutscher Staatsbürger und mehrfach vorbestraft, auch wegen Sexualstraftaten und Kindesmissbrauchs.
  • Derzeit sitzt der Mann in einem Gefängnis in Kiel eine alte Haftstrafe aus dem Jahr 2011 ab, bei der es um Drogenhandel geht. Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet.
  • Der Verdächtige lebte zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve in Portugal und für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Vor seinem Auslandsaufenthalt hatte er in der Region Braunschweig gewohnt.
  • In Portugal ging der Mann Gelegenheitsjobs unter anderem in der Gastronomie nach. Er soll seinen Lebensunterhalt zudem durch Einbruchdiebstähle in Hotels und Ferienwohnungen sowie Drogenhandel finanziert haben.
Madeleine "Maddie" McCann verschwand 2007.
Madeleine "Maddie" McCann verschwand 2007.Bild: AP

Saß der Mann schonmal im Gefängnis?

  • Der 43-Jährige wurde bereits mehrmals zu Haftstrafen verurteilt. So verbüßte er unter anderem wegen sexuellen Kindesmissbrauchs eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, aus der er im August 2018 entlassen wurde. Das geht aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 21. April hervor.
  • Dem "Spiegel" zufolge weist das Strafregister des Mannes insgesamt 17 Einträge auf. Schon im Oktober 1993 wurde eine zweijährige Jugendstrafe gegen den damals noch Minderjährigen verhängt. Auch damals ging es unter anderem um Kindesmissbrauch, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.
  • Im Dezember 2019 verurteilte demnach das Landgericht Braunschweig den Mann wegen Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er soll im Jahr 2005 in Praia da Luz eine 72 Jahre alte US-Amerikanerin in deren Haus überfallen und vergewaltigt haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Revision liegt noch beim BGH.

Wie kamen die Ermittler dem Mann auf die Spur?

  • Auf die Spur des Verdächtigen sind die Ermittler nach eigenen Angaben 2013 gekommen, durch einen Hinweis nach einer Sendung von "Aktenzeichen XY... ungelöst". Einen weiteren Hinweis gab es 2017. Das habe damals aber nicht für weitere Ermittlungen oder gar eine Festnahme gereicht.
  • Am 3. Mai 2007 soll der Verdächtige zu "tatrelevanter" Zeit in Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben.
  • Der Verdächtige soll in Portugal zwei auffälligere Autos gefahren haben, einen VW-Bus sowie einen Jaguar.
Das BKA bittet um Hinweise zu diesem Fahrzeug, das der Verdächtige genutzt haben soll.
Das BKA bittet um Hinweise zu diesem Fahrzeug, das der Verdächtige genutzt haben soll.Bild: BKA - Bundeskriminalamt
Diesen Jaguar soll der Verdächtige benutzt haben.
Diesen Jaguar soll der Verdächtige benutzt haben. Bild: BKA - Bundeskriminalamt

Und was wissen wir noch nicht?

  • Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hält Madeleine für tot. Das Kind oder seine sterblichen Überreste sind aber bis heute nicht gefunden.
  • Unklar ist, wie genau die Tat verübt worden sein soll. Das sei Gegenstand der aktuellen Ermittlungen, sagte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) am Mittwoch bei "Aktenzeichen XY... ungelöst".
  • Das Motiv ist demnach ebenfalls unklar. Möglich sei eine sexuelle Motivation oder dass nach einem zunächst geplanten Einbruch spontan auf ein Sexualdelikt umgeschwenkt wurde.
  • Warum genau der 43-Jährige mittlerweile unter Mordverdacht steht, ist offen. Die Ermittler haben sich bislang nicht dazu geäußert, welche konkreten Hinweise und Indizien sie haben.
  • Ob es in Portugal zwischen 1995 und 2007 zu weiteren Übergriffen gekommen ist, ist unklar. "Wir schließen nicht aus, dass es weitere Opfer von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen gibt", so der BKA-Ermittler.

(pcl/dpa)

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