Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verteidigt die Maskenpflicht in der Bahn – im Flugzeug muss künftig keine Maske mehr getragen werden.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verteidigt die Maskenpflicht in der Bahn – im Flugzeug muss künftig keine Maske mehr getragen werden.Bild: IMAGO / photothek
Gesundheit & Psyche

Masken fallen in Flugzeugen: Karl Lauterbach muss neue Masken-Politik verteidigen

08.09.2022, 14:5508.09.2022, 15:44

Die Temperaturen sinken, der Herbst kommt. Und mit ihm die Sorge vor steigenden Corona-Fallzahlen. Bisher sieht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Deutschland für den Pandemie-Herbst gut gerüstet. "Wir gehen jetzt in den dritten Herbst der Pandemie – und wir wissen wirklich nicht, wie die Pandemie sich im Herbst entwickeln wird", sagte Karl Lauterbach am Donnerstag im Bundestag.

Der Expertenrat der Bundesregierung habe drei Szenarien der möglichen Pandemieentwicklung konstruiert: ein leichtes Szenario, ein mittelschweres und ein schweres Szenario. Am wahrscheinlichsten sei aus jetziger Sicht das mittelschwere Szenario. Dabei wäre die aktuell dominierende Variante BA5 weiterhin vorherrschend. Angepasste Impfstoffe würden helfen, schwere Verläufe bei Betroffenen vorzubeugen.

Lauterbach sagte in seiner Rede:

"Egal was kommen wird, egal was das Szenario zum Schluss sein wird: Wir werden dieses Mal sehr gut vorbereitet sein. Und ich kann jetzt schon sagen: Wir werden im Herbst die Lage gemeinsam im Griff haben, mit der Vorbereitung, die wir hier haben."

Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz sei das Land auf alle drei möglichen Szenarien vorbereitet. Zu den neuen Impfstoffen soll es eine deutschlandweite Kampagne geben, sagte der Minister im Bundestag. Er machte in dieser Woche allerdings auch eine brisante Ankündigung.

In Flugzeugen und auch im Nahverkehr sollen die Masken jetzt komplett fallen. Diese Entscheidung können die Bundesländer treffen. Im Fernverkehr der Bahn bleibt die Maskenpflicht allerdings bestehen.

Doch dazu gibt es Kritik. Wieso fällt die Maskenpflicht im Flugzeug, wenn sie im Fernverkehr der Bahn weiter bestehen bleibt? Knickt Lauterbach womöglich vor dem Koalitionspartner FDP ein?

Karl Lauterbach erklärt, weshalb die Maske in der Bahn weiterhin getragen werden muss.
Karl Lauterbach erklärt, weshalb die Maske in der Bahn weiterhin getragen werden muss.Bild: IMAGO / Chris Emil Janßen

FDP-Justizminister Marco Buschmann freut sich zumindest über eine Rückkehr zur Normalität. Über den Account seines Ministeriums twitterte er: "Im Corona-Schutzkonzept für den Herbst sind pauschale Maßnahmen wie Lockdowns oder staatliche 2G/3G-Regelungen nicht mehr vorgesehen."

Moderator Andreas Wunn im ZDF-Morgenmagazin griff hingegen die Kritik an der Logik der Maskenpflicht auf. Keine Masken mehr im Flugzeug, dafür weiterhin im Fernverkehr der Bahn. Wunn fragte Lauterbach, ob der Koalitionsfrieden wichtiger sei, als der Infektionsschutz.

Doch der winkte ab, seine Begründung: "Im Flugzeug ist die Lüftung viel besser als in der Bahn, weil die Luft durch Zirkulation viel besser ist." Dies würden auch viele Studien belegen.

Und Lauterbach argumentierte weiter:

"Dazu kam, dass uns die Lufthansa mitgeteilt hat – die kann es nicht mehr durchsetzen. Da sind dann Leute, die wollen die Masken nicht auftragen."

Sollten die Fallzahlen wieder steigen, würde auch im Flugzeug eine Maskenpflicht zurückkehren, kündigte Lauterbach an. Dann sogar mit FFP2-Masken. Trotzdem bleibt er bei seiner Entscheidung.

Der Minister betont:

"Wir haben das im Griff. Das ist meine persönliche Überzeugung. Auch wenn es schwerer kommen sollte. Und das ist wofür wir gearbeitet haben – den ganzen Sommer."

Die neuen Corona-Regelungen am Donnerstag vom Bundestag bestätigt. Der Bundesrat muss noch zustimmen.

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