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Lieblingsfeindbild vieler Rechter: Claudia Roth wurde mal wieder falsch zitiert. Bild: imago images

Klima-Pass für 140 Millionen Menschen? Was Claudia Roth wirklich fordert

Es war wieder einmal Empörung angesagt. Große Empörung sogar – drunter machen es gewisse Protagonisten offenbar nicht. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth soll gefordert haben, dass 140 Millionen Menschen einen deutschen Pass bekommen, um sie vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.

Das jedenfalls behaupteten diverse rechte Blogs – und in etwas gemäßigterer Tonlage und mit einem Fragezeichen versehen auch die "Bild". "Kann jeder Klima-Flüchtling bald Deutscher werden?", fragte das Blatt besorgt.

So eine gute Vorlage wollte die AfD dann auch verwandeln: Parteichef Jörg Meuthen verkündete auf Facebook, Roth wolle Deutschland abschaffen.

Doch was hat Claudia Roth eigentlich wirklich gesagt?

Der Faktenfinder der ARD hat sich das mal genau angeschaut – und kommt zu dem Ergebnis: Ganz sicher hat Roth nicht das gefordert, was AfD, rechte Blogs und "Bild" behaupten.

Es geht um den Antrag "Klimabedingte Migration, Flucht und Vertreibung – Eine Frage globaler Gerechtigkeit", der nicht nur von Roth, sondern auch von zahlreichen weiteren Grünen-Politikern im Bundestag eingereicht wurde, darunter etwa Jürgen Trittin, Cem Özdemir oder Konstantin von Notz.

Darin heißt es:

"Ganze Inselgruppen und breite Küstengebiete drohen, zukünftig von der Weltkarte zu verschwinden. Heute schon werden innerstaatlich mehr Menschen durch klima- und umweltbedingte Katastrophen wie Fluten und Stürme als durch Gewalt und Konflikte vertrieben."

In der Tat wird an keiner Stelle die Forderung erhoben, hunderte Millionen von Menschen in Deutschland einzubürgern. Eine von der Weltbank in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2018 gehe von 140 Millionen klimabedingt Vertriebenen allein in Sub-Sahara-Afrika, Südasien und Südamerika bis 2050 aus, heißt es weiter. Allerdings lege diese Studie auch dar, dass circa 80 Prozent der Vertreibung durch ambitionierte Minderung und Anpassung vermeidbar seien.

Lösungen primär vor Ort

In einem Interview mit dem "RND" erklärt Claudia Roth zudem, es müsse oberste Priorität haben, dass Menschen in ihrer Heimat bleiben können. Die allermeisten Menschen wollten sowieso nicht nach Deutschland kommen.

Roth weiter: "Natürlich will die Kaffeebäuerin aus dem Benin nicht nach Bamberg ins Anker-Zentrum. Wenn sie schon umsiedeln muss, dann wenigstens regional. Es geht also primär darum, Mechanismen und Lösungsansätze vor Ort zu unterstützen – in der afrikanischen Tschad-Region zum Beispiel, wo große Dürre herrscht, oder in Bangladesch, wo ganze Landstriche vom Meer verschluckt werden."

(om)

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