Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Wulff vs. Seehofer: Warum beide mit ihren Sätzen zum Islam unrecht haben

Timo Stein
Timo Stein

Für Horst Seehofer gehört der Islam nicht zu Deutschland.

BERLIN, GERMANY - MARCH 12:  Chairman of the Bavarian Christian Democrats (CSU) Horst Seehofer, along with German Chancellor and Chairwoman of the German Christian Democrats (CDU) Angela Merkel and Acting Chairman of the German Social Democrats (SPD) Olaf Scholz (both not pictured), speak to the media prior to this afternoon's signing of the coalition contract by the CDU, SPD and CSU on March 12, 2018 in Berlin, Germany. The German Christian Democrats (CDU), the German Social Democrats (SPD) and the Bavarian Christian Democrats (CSU) will sign the coalition contract that will create the next German government. The new government will be sworn in this coming Wednesday.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Das hat er der "Bild" gesagt:

"Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Dazu gehören der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale, wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten (...)

 "BILD"

Es ist kein Zufall, dass Seehofer sich in seinem ersten Interview als frisch gekürter Innenminister am Islam abarbeitet. Seehofer macht da weiter, wo er im Wahlkampf aufgehört hat. Rechts der CDU

Seehofer bezieht sich in seiner Aussage auf Christian Wulff. Der sagte damals als Bundespräsident: 

"Der Islam gehört zu Deutschland"

Christian Wulff

Und noch einiges mehr:

Play Icon

Video: YouTube/politikpestforever

Dahinter stand und steht eine Selbstverständlichkeit: Auch Muslime gehören zu Deutschland. Dass Wulff dieses Signal setzte und setzen musste, war wichtig. Die Formulierung war allerdings problematisch:

Trotzdem war der Satz genauso unsinnig wie der von Horst Seehofer

Denn: „Der Islam gehört zu Deutschland“ duldete keinen Widerspruch, weil er so eindeutig wie unscharf war. Er lässt die Frage offen: Welcher Islam gehört zu Deutschland?

Und es gibt noch ein Problem:

Wulff sprach vom Islam, nicht von den Muslimen. Statt von Menschen zu sprechen, sprach er von einer Religion. Gerade die nicht besonders religiösen Muslime hätten sich ein anderes Signal gewünscht: Dass es in Deutschland eine Trennung von Staat und Religion gibt. Ein Säkulares-Signal des Bundespräsidenten, ein Bekenntnis zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, dass eben auch die Freiheit von Religion zum Ausdruck bringt.

Deshalb wäre dieser Satz besser gewesen:

Zu Deutschland gehören alle, die sich zum Grundgesetz bekennen: Muslime, Christen, Agnostiker, Atheisten und und und. 

Daraus folgt: Wenn Seehofer die Wulff-Formel jetzt umdreht, dann macht er aus einem bereits schwierigen Satz einen schwachsinnigen. 

Die nachgeschobene Aussage Seehofers, dass die hier lebenden Muslime trotzdem zu Deutschland gehören, wird dann zur Fußnote.

Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben."

"Bild"-Zeitung

Hängen bleibt: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Eine Abgrenzungsformel, ein Wir-gegen-euch. 

Dabei waren wir in der Diskussion schon weiter. Bleibt nur zu sagen: Schade, Chance verpasst, als Innen-/Heimatmuseumsminister einen echten Beitrag zur Integration zu leisten.

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Stürzt ein wie ein Kartenhaus" – Krankenschwester Johanna über den Pflegenotstand

"Sehr geehrter Herr Spahn, gerade komme ich aus der Nachtschicht. Ich bin erschöpft, verärgert und enttäuscht." So beginnt der offene Facebook-Brief der Krankenpflegerin Johanna Uhlig an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Uhlig beklagt den zunehmenden Fachkräftemangel in der Pflege, der auch ihre Intensivstation betrifft – und das Arbeitsklima in der Klinik verschlechtert. Uhlig erinnert sich: "Erfahrene Kollegen kündigten, weil sie die immer schlechter werdenden Bedingungen und den …

Artikel lesen
Link to Article