New elected Free Democratic Party FDP premier Thomas Kemmerich addresses the parliament after he was elected new Thuringia premier in Erfurt, Germany, February 5, 2020. REUTERS/Hannibal Hanschke

Die FDP gibt sich "überrascht" von den AfD-Stimmen. Dabei wurde Kemmerich darauf vor seiner Wahl explizit in einem Interview angesprochen. Bild: reuters

Was Kemmerich am Vortag seiner Wahl zu AfD-Stimmen für ihn sagte

Die Wahl eines Ministerpräsidenten ist in 99 Prozent aller Fälle eine reine Formalie, kein mit Spannung erwarteter Termin. Am Mittwoch nun war das anders.

Der Aufschrei ist groß, seitdem Thomas Kemmerich (FDP) sich im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten in Thüringen wählen hat lassen – mit Stimmen von CDU und AfD. Quer durch alle Parteien (außer AfD) ist von einem Tabubruch die Rede, auch viele FDP-Kollegen fordern Kemmerich offen zum sofortigen Rücktritt auf.

Christian Lindner nannte die Stimmen der AfD, die ja auch einen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte, "überraschend". In den sozialen Netzwerken macht nun jedoch ein Kemmerich-Interview vor der Wahl die Runde, das Sprengstoff birgt.

Der Grund: Kemmerich wurde in dem MDR-Interview mehrfach explizit darauf angesprochen, dass die AfD angekündigt hat, im dritten Wahlgang möglicherweise nicht mehr den eigenen, sondern den FDP-Kandidaten zu unterstützen.

Das Interview wurde einen Tag vor der Ministerpräsidentenwahl geführt – Kemmerich kann also nicht mehr überrascht von den AfD-Stimmen gewesen sein. Auch, wenn er im Interview selbst zunächst eine unglaublich naive Position vertritt.

Das Kemmerich-Interview im Wortlaut:

Kemmerich naiv:

"Aber ich meine, die können ja keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken und dann jemanden anders wählen."

Genau damit hatte die AfD jedoch vor der Wahl schon kokettiert. Der Moderator knallte Kemmerich diese Tatsache erneut ins Gesicht:

Auf die Frage, ob er mit den AfD-Stimmen gerechnet hatte, wurde Kemmerich auch im "Heute Journal" angesprochen. Im Interview mit Marietta Slomka verstrickte er sich in Widersprüche. Zunächst sagte er: "Wir mussten damit rechnen, dass dieses passiert." Daraufhin ruderte er zurück und sagte, dass er "nicht davon ausgegangen" sei, dass die AfD ihn wählen würde.

Kemmerich-Interview macht auf Twitter die Runde

Auf Twitter greifen zahlreiche User nun das MDR-Interview auf. Fest steht: Überraschend kann die AfD-Unterstützung für Kemmerich nicht gewesen sein.

(hau)

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