Wagenknecht will nicht bei Demo gegen Rechts "Aufstehen" – finden nicht alle gut

Nach der Absage von Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht an die Großdemonstration "Unteilbar" gegen Hass und Ausgrenzung am Samstag in Berlin geht Ko-Fraktionschef Dietmar Bartsch öffentlich auf Distanz zu Wagenknecht. Er habe deren Positionierung "mit Verwunderung" zur Kenntnis genommen, sagte Bartsch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Zu der Kundgebung hat ein breites Bündnis von Verbänden, Gewerkschaften, Kirchenvertretern, Grünen, Linkspartei, Sozialdemokraten, Künstlern und Wissenschaftlern aufgerufen.

Die Linken-Fraktion hatte bereits im September ausdrücklich einen Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung beschlossen. Darauf wies Bartsch hin. "Ich persönlich werde auch gern dabei sein", hob er hervor. Wagenknecht hatte ihre Absage damit begründet, dass auf der Kundgebung zu "offenen Grenzen" aufgerufen werde. Dies ist allerdings keine Forderung der Veranstalter, gefordert wird vielmehr eine "offene und solidarische Gesellschaft".

Kritik kommt auch von "Aufstehen"-Mitgliedern

Kritik an Wagenknecht kommt inzwischen auch aus der von ihr gegründeten Sammlungsbewegung "Aufstehen". Deren Mitbegründer, der frühere Grünen-Politiker Ludger Volmer, stellte klar, dass die Mehrheit der "Aufstehen"-Mitglieder für die Teilnahme an der "Unteilbar"-Demonstration eintrete. "Wer immer es schafft, nach Berlin zu kommen, der wird dort teilnehmen", sagte er der "FAZ" und fügte hinzu: "Ich demonstriere sehr gern für Bürger- und Freiheitsrechte."

Fand Wagenknecht auch nicht gut: #wirsindmehr – die Bilder des Konzerts.

1 / 11
#wirsindmehr – die Bilder des Konzerts
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Auch der Sozialwissenschaftler und Mitunterzeichner des "Aufstehen"-Gründungsdokuments, Franz Segbers, kritisierte Wagenknecht scharf. Die Unterstützer der Bewegung hätten kein Verständnis für deren Vorgehen, sagte er der "FAZ" und stellte die Frage, wer Wagenknecht eigentlich zu ihren Äußerungen im Namen von "Aufstehen" legitimiert habe. Zudem warf er der Linken-Fraktionschefin Falschbehauptungen über die Intentionen der Veranstalter der Kundgebung vor.

Die Linken-Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger unterstrichen ihre Unterstützung für den Aufruf zu der Demonstration, die am Samstagmittag auf dem Berliner Alexanderplatz beginnen soll. Kipping will dort eine Rede halten. Auch führende Grünen-Politiker haben ihre Teilnahme angekündigt. SPD-Chefin Andrea Nahles hat sich ebenfalls hinter den Demonstrationsaufruf gestellt. Die Veranstalter rechnen mit etwa 40.000 Teilnehmern.

(ts/afp)

Zum Glück sitzen geblieben: im watson-Überschlagsimulator-Test.

Video: watson/Marius Notter, Johanna Rummel

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Exklusiv

Wagenknecht im watson-Interview vor dem Linken-Parteitag: "Wir können uns als linke Partei nicht eins zu eins hinter die Ideen von Fridays for Future stellen"

Die Linken-Politikerin im Gespräch über ihre Beziehung zu Fridays for Future und Black Lives Matter, darüber, warum sie sich ausgerechnet am Gendern abarbeitet – und die Frage, warum sie sich über manche antirassistische Proteste nicht freuen kann.

Mit Sahra Wagenknecht und der Linken ist es kompliziert, seit Jahren schon. Wagenknecht, bis November 2019 Chefin der Linksfraktion im Bundestag, ist eines der wenigen Gesichter der Partei, die auch halbwegs politisch interessierte Menschen auf der Straße erkennen würden. Laut ZDF-"Politbarometer" aus dem Mai 2021 ist sie wieder einmal unter den Top 10 der deutschen Spitzenpolitiker – und hat bessere Sympathiewerte als die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Wagenknecht kann Reden …

Artikel lesen
Link zum Artikel