Deutschland
ARCHIV - 09.02.2020, Berlin: Saskia Esken, Bundesvorsitzende der SPD, spricht w

Die SPD-Chefin Saskia Esken fordert unabhängige Untersuchungen bei Fällen von Polizeigewalt. Bild: dpa / Gregor Fischer

SPD-Chefin sieht "latenten Rassismus" bei deutscher Polizei und bekommt Kritik

SPD-Chefin Saskia Esken hat sich zu Polizeigewalt in Deutschland geäußert und den deutschen Sicherheitskräften teilweise "latenten Rassismus" konstatiert. Sie forderte daher eine unabhängige Aufarbeitung von übermäßiger Gewaltanwendung und Rassismus bei der deutschen Polizei.

Eine unabhängige Stelle müsse mit der Bearbeitung entsprechender Beschwerden über Polizisten betraut werden, sagte Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, "der polizeiliche Korpsgeist spiele eine größere Rolle als die Rechte von Bürgerinnen und Bürgern".

Für Rassisten und Rechtsextremisten dürfe es in der Polizei keinen Platz geben, betonte die SPD-Vorsitzende. Auch in Deutschland gebe es "latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte". Die große Mehrheit der Polizeibediensteten stehe solchen Tendenzen aber sehr kritisch gegenüber und leide unter dem "potenziellen Vertrauensverlust", der dadurch entstehe, fügte Esken hinzu.

Kritik an SPD-Chefin

Die Rassismus-Beobachtungen der SPD-Chefin kamen nicht überall gut an. Michael Bröcker, Chefredakteur beim Medienunternehmen The Pioneer, schrieb etwa, ein Drittel aller Polizeibewerber in Berlin hätten einen Migrationshintergrund. Die Polizei sei "bunter als die SPD-Chefin aus Stuttgart glaubt".

Esken wiederum twitterte zurück, dass sie weder pauschale noch sonst wie Vorwürfe gemacht habe, sondern "auf eine Problemlage hingewiesen". Deren Bewältigung könnte "dem Ansehen und der Akzeptanz der Polizei nutzen".

Rassismus auch in Deutschland ein Problem

Esken lobte in dem Funke-Gespräch außerdem Demonstranten in Deutschland dafür, nicht nur auf den Rassismus in den USA zu zeigen. "Deutsche Demonstranten schauen aber auch auf die Verhältnisse vor der eigenen Haustür", so Esken.

Grund der Proteste in aller Welt sei, dass der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA "kein Einzelfall" sei, sagte sie.

Zehntausende Menschen hatten am Wochenende in mehreren deutschen Städten gegen Rassismus demonstriert. In Berlin und Hamburg kam es dabei zu Ausschreitungen.

(plc/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Apollo 08.06.2020 15:11
    Highlight Highlight Kann die Frau nicht sehen, nicht hören.......was sie von sich gibt, ist einfach vergeudete Luft......
  • Biobauer 08.06.2020 12:30
    Highlight Highlight Mit solchen Aussagen provoziert man sich ganz einfach Ablehnung aus den Reihen der Polizei Frau Esken. - Die Polizeibeamten wissen sehr gut, wer ihnen den Rücken für ihre schwere Arbeit deckt und wer nicht. Die SPD macht das, gerade in Berlin zur Zeit, überhaupt nicht! Dass die SPD da steht, wo sie steht, hat auch mit diesen Undefinierten Anschuldigungen gegenüber Teilen der Bevölkerung zu tun. Nur mal so zur Info Frau Esken. Polizeibeamte und -innen sind auch Wähler!

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